„Der Beweis ist erbracht. Uns verbinden wirklich Flüsse“, konstatierte Rüdersdorfs Bürgermeisterin Sabine Löser am Sonntagnachmittag auf der neuen Uferwiese an der Heinitzstraße 11. Kurz zuvor hatte sie mit anderen Paddlern per Boot die letzte von insgesamt acht Etappen über knapp 240 Kilometer vom polnischen Santok bis nach Rüdersdorf zurückgelegt.
Im Startort war vor einer Woche eine neue Marina an der Warthe eröffnet worden. Nun wurde im Zielort der gleiche Schritt vollzogen, eine Sportbootanlegestelle am Museumspark in Betrieb genommen. Beide Anlagen entstanden im Rahmen eines EU-Projekts „Uns verbinden Flüsse“ mit Interreg-Fördermitteln. Insgesamt wurden gut zwei Millionen Euro investiert.

Verträge wurden 2018 unterschrieben

Vor etwa 200 Gästen erinnerte Sabine Löser an die Anfänge und die damals „schmerzliche Kündigung“ für eine Reihe von Kleingärtnern, die auf dem Gelände ihre Parzellen hatten. Entstanden sei nun eine Freizeitfläche für alle mit barrierefreiem Zugang. Nach dem Beschluss der Gemeindevertretung seien im Sommer 2018 die Verträge unterschrieben worden, ein Jahr später gab es in Rüdersdorf den Baustart. Die Bürgermeisterin erinnerte an den Anfang 2020 verstorbenen Jörg Lehmann als einen der „Väter des Projekts“ und dankte Planern, Baufirmen, IHK und Fördergeber für die Unterstützung. Und den polnischen Partnern. „Ohne sie hätten wir das nicht geschafft“, zeigte sie sich überzeugt, bevor das symbolische Band durchschnitten wurde.
„Inzwischen verbinden uns mehr als Flüsse“, erklärte sie und fügte hinzu, dass das Ende dieses Projekts der Beginn weiterer Zusammenarbeit beider Orte sein solle. In diesem Sinne unterzeichnete sie bei der Eröffnungsfeier mit Santoks Verwaltungschef Krzysztof Karwatowicz eine Absichtserklärung zur Gründung einer Städtepartnerschaft. Im 75. Jahr nach dem Ende des zweiten Weltkriegs sei dies ein wunderbares Zeichen, dass es mehr Verbindendes als Trennendes zwischen den Ländern gebe. Corona habe deutlich gemacht, wie sehr Länder in Europa voneinander abhängen und wie dankbar man sein könne, dass es offene Grenzen gebe, sagte sie.

Deutsch-polnisches Gemeinschaftsprojekt als Brücke zu Freunden

Ihr polnischer Kollege, der den erkrankten Bürgermeister Pawel Pisarek vertrat, schlug in eine ähnliche Kerbe, startete mit einem Isaac-Newton-Zitat, dass zu viele Mauern und zu wenig Brücken gebaut würden. Mit dem Gemeinschaftsprojekt sei eine Brücke entstanden, erst mit Kollegen, jetzt mit Freunden. Man sei nun in der Verantwortung für die Nutzung der neuen Infrastruktur und den Erhalt der Verbindungen, sagte er. Aber da sei er zuversichtlich. Auch Jacek Jeremicz, laut Sabine Löser als Übersetzer eine „Schlüsselfigur“ der deutsch-polnischen Kooperation, bescheinigte, Rüdersdorf sei für ihn mittlerweile ein Stück Heimat geworden und er habe einige Freundschaften geschlossen.
Bevor man zum „gemütlichen Teil“ mit Unterhaltung von den Pelle-Kids und der Bergkapelle sowie Gegrilltem und Getränken überging, dankte Sabine Löser allen, die an dem Projekt, dem Eröffnungsfest und der Paddeltour beteiligt waren, unter anderem Ideengeber Alexander Reetz und Thomas Borchardt aus dem Rathaus, der sich um die Teams gekümmert hatte, sowie der DLRG Hennickendorf, die auf den schwierigen Abschnitten insbesondere auf der Oder gegen den Strom unterstützt hatte. Sie hatte auch die Kajaks nach dem Abbruch der Starkregenetappe von Fürstenwalde nach Erkner zum letzten Startpunkt an der Woltersdorfer Schleuse gebracht. Von dort ging es im Korso mit vier muskelbetriebenen Booten und einer Reihe Motorschiffen zum Museumspark.
So war der neue Anleger gleich zur Premiere voll. „Diese Etappe war die schönste“, bescheinigte Sabine Löser, die wieder mitgepaddelt war, denn so einen zahlreichen Empfang wie in Rüdersdorf habe es unterwegs nicht gegeben.

Bürgermeisterin bei Schlussetappe der Bootstour wieder mit dabei

Da waren die Aktiven zumeist in kleinem Rahmen begrüßt worden. Zuletzt hatte Fürstenwaldes Ortsoberhaupt Matthias Rudolf beim örtlichen Ruderclub eine Stärkung für die Paddler Andrea und Uwe Rudorf sowie Bianca Wehrmann, Jens Gallasch und Maik Twrdek von der DLRG vorbereitet, die die erste Schlechtwetterphase abbekommen hatten. Mit dem Starkregen tags darauf kämpften Nico Nolte und Alec Scheel auf der Tour nach Erkner. Und beim Schlussabschnitt stiegen bei dann wieder besserem Wetter noch einmal Madeleine Blaskoda und Michael Richter ins Kajak sowie erstmals Franziska Schmidt und Frank Spittler. Und die Bürgermeisterin und ihr Mann gaben in eigenen Booten durch Kalksee, Stolpkanal und Mühlenfließ Geleit.