Was war passiert? Sein 2,5 Jahre alter rumänischer Hirtenhund der Rasse Mioritic hatte Alfred G. angefallen und ihm vermutlich tödliche Bissverletzungen zugefügt. Der 88-Jährige wurde von seinen Nachbarn als kränklich beschrieben. Gegen den etwa 60 Zentimeter großen Hund habe er keine Chance gehabt. Augenzeugen berichteten von einem Kampf, während seine Frau Pia G. und Nachbarn versucht hätten, in das von ihr und ihrem Mann gemeinsam bewohnte Haus zu kommen. Die Haustür sei ins Schloss gefallen, als die Frau kurz am Auto etwas habe erledigen wollen. Aus eigener Kraft habe es Alfred G. nicht mehr geschafft, die Tür zu öffnen.
Durch eine Hintertür, deren Scheibe mit einem Gartenstuhl eingeschlagen wurde, seien die Retter ins Haus gekommen. Doch zu spät, schwer verletzt soll der Hausherr nicht mehr ansprechbar am Boden gelegen haben. Später sei er an den Verletzungen gestorben. Einige Augenzeugen berichteten, dass sich Pia G. mehr um die aus dem Haus geflohenen Hunde  gekümmert haben soll, anstatt dem Sterbenden zu helfen. "Wissen Sie, in der Nachbarschaft herrschen viele Vorurteile. Da werden auch mal Dinge anders ausgelegt als sie sind", rechtfertigte sich Pia G.
Am Mittwochnachmittag tauchte das Ordnungsamt als zuständige Behörde am Waldesruher Tatort auf. Der rumänische Hirtenhund sollte entnommen werden. Als Beistand waren auch zwei Polizisten vor Ort. Dabei entwickelte sich nach anfänglicher Ablehnung der Hundebesitzerin eine ruhige Diskussion zwischen ihr, dem Ordnungsamt und den Mitarbeitern des Tierheims Wesendahl. Im Ergebnis des Gespräches führte die Besitzerin selbst den Hund in das Auto: "Sehen Sie, wie lammfromm der Hund ist", sagte sie später dazu. "Da haben wir schon ganz andere Sachen erlebt", sagte Thomas Fritsch vom Tierheim erleichtert. Der Hund kommt nun vorerst nach Wesendahl. Dort wird es einen Wesenstest geben, bevor über sein weiteres Schicksal entschieden wird. Wobei sich die Besitzerin mit den Worten "bis bald" liebevoll von ihrem Vierbeiner verabschiedete.
Anschließend stellte sich Pia G. den Fragen. Acht Hunde hat sie im Haus, dazu noch drei Katzen. Neben dem Hund, von dem die tödlichen Bisse ausgingen, leben noch ein rumänischer Hirtenhund sowie je drei Bobtails und Galgos (spanische Windhunde) bei ihr. Sie spricht mit ihnen wie mit kleinen Kindern, die Hunde gehorchen ihr. Es ist eine gruselige Vorstellung, wenn man bedenkt, was diese Tiere zumindest mit angesehen haben müssen. Ob sich jetzt irgendetwas in ihrem Verhältnis zu den Tieren ändern wird, verneint Pia G.: "Es sind die gleichen Tiere wie vorher."

Unverständnis bei Nachbarn

Fast schon Unverständnis kommt dagegen bei den Nachbarn auf. Sie sind der Meinung, dass der Frau alle Hunde weggenommen werden müssten. Immer wieder habe es Auffälligkeiten im Verhalten der Tiere gegeben, die aggressiv auf Artgenossen zugegangen und von Pia G., die teils mit vier Hunden gleichzeitig draußen unterwegs war, nur schwer zu halten gewesen seien. Von Bissverletzungen bei Hund und Mensch ist die Rede und das soll beileibe keine Ausnahme gewesen sein,  äußerten übereinstimmend mehrere Anwohner.
Bürgermeister Sven Siebert machte sich Mittwoch selbst ein Bild vor Ort. "Ich habe eine Nachricht von beunruhigten Anwohnern bekommen. Da wollte ich  selbst nach dem Rechten sehen", sagte er. Auch da wurde von Nachbarn einige Male gefordert, dass Pia G. alle Hunde weggenommen werden sollten. "Wir werden uns jetzt ausführlich mit der aktuellen Situation beschäftigen und müssen sehen, welche Optionen uns dabei als Ordnungsbehörde zur Verfügung stehen. Natürlich müssen wir dabei auch genau abwägen, welche Interessen welchen Gefahrenpotenzialen gegenüberstehen", sagte Siebert.
Die Polizei ermittelt gegenwärtig, ob der Biss des Hundes tatsächlich Ursache für den Tod des 88-Jährigen war. Diese kriminaltechnische Untersuchung kann noch einige Tage dauern, teilte Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß mit.
Die Erwartungshaltung bei den Anwohnern ist groß. Gern büxte auch mal ein Hund von Pia G. aus, erzählten sie. "Irgendwie haben die immer ein Schlupfloch gefunden. Was ist, wenn so ein Hund durch eine offene Terrassentür kommt und dann noch Kinder alleine im Haus sind?", fragte eine verunsicherte Nachbarin.

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