Manfred Leitner fährt schwere Geschütze auf. Während zur Seniorenwoche in Strausberg vor allem Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und das Tanzbein geschwungen wurde, hätten sich anderswo Leute um die nachhaltige Verbesserung der Lebensbedingungen der Älteren gekümmert. Konkret nannte er Rüdersdorf, wo die Gemeinde in den sanierten Bauten der Wohnungsbaugesellschaft nicht wenig auf den Weg gebracht habe. Der Sprecher des Seniorenbeirats führt in seiner Erklärung eingebaute Fahrstühle, vergrößerte Bäder, auf Wunsch den Einbau von Duschen und entfernte Balkonschwellen an. Leitner, der für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, kritisiert, dass sich in Strausberg trotz ausreichender Fördermittel Wohnungsgenossenschaften wie "Neues Wohnen" weigerten, beantragte Badumbauten zu genehmigen. Der Seniorenbeirat protestiere entschieden "gegen dieses engstirnige und nahezu bürgerfeindliche Verhalten von Wohnungsunternehmen, die sich der altersgerechten Entwicklung der Stadt in den Weg stellen". Seine Forderung: "Es muss mehr getan werden für die Alten."
"Neues-Wohnen"-Vorstand Martina Jakubzik kann die Kritik nicht nachvollziehen. Ihre Genossenschaft verfügt am Försterweg über rund 570 Wohnungen "Die von manchen Mietern gewünschten ebenerdigen Duschen lassen sich nur in Erdgeschoss-Wohnungen einbauen", erklärt sie. Wo altersgerecht saniert werden könne, werde das auf Wunsch auch getan. Aber das Interesse ihrer Mieter daran sei offenbar nicht sehr groß. Als "Neues Wohnen" vor Jahren die frühere Kita am Försterweg zu 40 Wohnungen umgebaut habe, sei gerade mal einer ihrer Mieter dort eingezogen: "Die anderen waren neu." Martina Jakubzik kennt auch den Grund: Die Kaltmiete habe mit 6,50 Euro über der Durchschnittsmiete von fünf Euro gelegen. "Aber wir müssen die Investitionen ja irgendwann wieder reinbekommen", sagt sie.
Unverständnis für die harsche Leitner-Kritik kommt auch von der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft (SWG). Geschäftsführer Mathias Wegner-Repke könnte eine lange Liste vorlegen. Er erinnert an die neue seniorengerechte Wohnanlage in der Schulstraße 1, die Modernisierung/Sanierung des Wohngebäudes Josef-Zettler-Ring 1 und den Umbau der früheren Schiller-Realschule zum seniorengerechten Wohnobjekt. In allen drei Fällen liege das Durchschnittsalter der Mieter über 70 Jahren. Wegner-Repke verweist zudem auf die Aufzugsnachrüstung in verschiedenen Stadtgebieten, wo insgesamt 261 Wohnungen barrierearm bzw -frei zugänglich gemacht worden seien. Nicht zu vergessen die 23 Badumbauten allein im vergangenen Jahr. Und dann entstehe bis 2018 in der Lindenpromenade ein Neubau mit 29 barrierefreien und altengerechten Wohnungen.
Kopfschütteln und Protest haben die Äußerungen auch bei der Wohnungsbaugenossenschaft "Aufbau" hervorgerufen. Vorstand Frank Wessel gibt nur mal wieder, was in diesem Jahr so auf dem Programm steht. Da kommen zehn Aufzüge in Plattenbauten am Marienberg und am Otto-Grotewohl-Ring. Ebenerdig werden fünf Duschen ein- und auf Mieterwunsch fünf Bäder umgebaut. "Mit einer kleinen Mieterhöhung", wie er ergänzt. An mehreren Hauseingängen würden die Stufen verschwinden, zudem würden zehn Bänke vor Wohnhäusern aufgestellt.
Kein Verständnis für die Äußerungen Manfred Leitners, der zugleich Sprecher des Kreisverbands der Senioren Union der CDU ist, hat auch Stadtwerke-Geschäftsführer Andreas Gagel, bei dem die Fäden gleich mehrerer kommunaler Gesellschaften zusammenlaufen.
Gagel, der auch für die Eisenbahn GmbH Verantwortung trägt, erinnert u. a. daran, dass zwischen 2012 und 2014 alle Straßenbahnen und die entsprechenden Haltestellen modernisiert und so Barrierefreiheit hergestellt wurde. Sieben Millionen Euro seien in die Maßnahmen investiert worden. Ähnlich leicht zugänglich sind demnach auch der Pavillon am Lustgarten, das Kundencenter der Stadtwerke in der Kastanienallee und das SEP-Verwaltungsgebäude in der Landhausstraße.
Bürgermeisterin Elke Stadeler kennt all diese Punkte und könnte weitere hinzufügen. "Mich hat schon traurig gemacht, was ich da gelesen haben", sagt sie. Natürlich bleibe noch manches zu tun. Vieles sei aber auch schon erreicht worden. Die Stadt arbeite daran, immer noch etwas barriereärmer zu werden. Der Seniorenbeirat sei überall dabei, werde gehört und könne sich einbringen. Im Übrigen findet sie es gut und richtig, wenn bei den Senioren auch mal Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und getanzt wird. Das gehöre zu den angemahnten guten Lebensbedingungen dazu.