Lampenmasten, Schilderpfosten, Poller, Stromkästen, selbst Fallrohre an Privathäusern und Fassaden: In der Strausberger Altstadt gibt es kaum einen Flecken, der in den vergangenen Wochen nicht aufwendig gereinigt wurde. „Weil es zum Lichterfest am vergangenen Wochenende schön aussehen sollte, haben wir in der Großen Straße, am Marktplatz und in einigen Nebengassen Aufkleber, Graffiti und Bemalungen entfernt“, sagt Steffen Wolter, Werkleiter vom Kommunal-Service Strausberg (KSS). Vier Wochen hätten seine Mitarbeiter aufgrund der starken Verschmutzung dafür gebraucht. Das sei ein Unterfangen in einer Dimension, „die nicht mehr feierlich ist“, sagt er.

Mehrere Produkte ausprobiert

Die Aktion war gut vorbereitet und ist Teil einer längerfristigen Strategie der Verwaltung um Citymanager Marcus Herrmann, mit der sich das Stadtbild deutlich verbessern soll. Neu ist, dass die Aufkleber und andere Beschmutzungen nicht nur entfernt werden. Mit einem speziellen Imprägnierungsmittel, das im Nachhinein vor allem auf die glatten Flächen aufgetragen wird, soll den Verursachern die Lust am Beschmieren und Bekleben genommen werden. Bei einer Begehung mit dem Citymanager durch die Stadt Mitte Juli sei das Problem deutlich geworden, sagt Steffen Wolter. „Danach haben wir uns mit verschiedenen Produkten im kleinen Rahmen herangetastet.“ Jetzt sei ein Imprägnierungsmittel gefunden worden, das bisher eine gute Wirkung habe. Dort, wo die neue Beschichtung schon zum Einsatz kam, zeige sich, dass weniger Aufkleber aufgebracht wurden. „Und wenn, dann lassen sie sich leichter ablösen. Mit Graffiti ist es ähnlich“, sagt Wolter.

Altstadt-Reinigung kostet 10.000 Euro

Er betont, dass sich dadurch der zeitliche Reinigungsaufwand verringern werde. „Wenn wir unsere Stadt sauber halten wollen, wird es aber nicht die einzige Aktion bleiben“, sagt Wolter. Für den Fall, dass sich die neue Vorgehensweise bewähre, werde man diese auf das gesamte Stadtgebiet ausdehnen. Die Kosten für die Reinigung inklusive Imprägnierung in der Altstadt schätzt Wolter auf etwa 10.000 Euro, die der Stadt in Rechnung gestellt werden. Seine Kollegen von der Streckenwacht seien für das Thema generell noch einmal sensibilisiert worden und hätten den Auftrag, grobe Verschmutzungen zu entfernen, um den späteren Reinigungsaufwand zu minimieren.

Bürgermeisterin fassungslos

Bürgermeisterin Elke Stadeler (parteilos) verwies jüngst im Zeitweiligen Ausschuss Altstadt auf die Stadt Köln, die seit mehr als einem Jahr Stromkästen und Lampenmasten mit Imprägnierungsmittel bestreiche, „damit der Spaß an der Schmiererei und Kleberei verloren geht. Das hat ja ein Ausmaß angenommen, das einen fassungslos macht“, sagte sie. Ebenso wie Marcus Herrmann appellierte sie auch an die Eigentümer von Immobilien und Händler in der Stadt, ein bisschen mehr auf Sauberkeit zu achten, „mal selbst Hand anzulegen und nicht zu warten, bis alles voll geklebt ist. Das wäre gut, es wäre ein deutliches Zeichen“, sagte sie. „Wir müssen uns alle mal wieder klar werden, wie wir mit unserer Stadt umgehen wollen.“ Man könne nicht immer sagen, die Stadt bringe das schon in Ordnung. Der Vandalismus habe eine Dynamik bekommen, die kaum noch beherrschbar sei, verwies sie auch auf beschmierte Kunst im öffentlichen Raum und verunstaltete Blumenkästen. „Als Bürger einer Stadt liebt man diese doch eigentlich.“ Diejenigen, die für diese Verschmutzungen verantwortlich seien, könnten das wohl nicht von sich behaupten, sagte sie.
Marcus Herrmann zeigte sich mit der Lösung für die Altstadt erst einmal zufrieden. „Wir sind in der glücklichen Situation, ein Mittel gefunden zu haben, das die Sauberhaltung erleichtert.“ Die Stadt habe die Verschmutzung nicht verdient. „Wir haben das Thema erkannt, wir haben es umgesetzt. Es wird aber ein Dauerthema bleiben.“