Die Absage ist für Raymund Stolze wie ein Schlag ins Gesicht. „Eigentlich will ich mich dazu gar nicht äußern.
Es ist so entschieden worden – eine so weitreichende Entscheidung hat sicher gute Gründe“, sagt der 75-Jährige offiziell dazu, dass alle von ihm organisierten kulturellen Veranstaltungen in der Gemeinde bis Ende des Jahres ausfallen sollen. Aber man merkt ihm trotzdem an, dass ihn die Absage wurmt. Mächtig sogar. Auflage für den Neustart der Kultur war ein Hygienekonzept für Veranstaltungen im Gemeindesaal, das auch die Gemeindeverwaltung für gut befand und grünes Licht gab.
Vermutlich übertreibt man nicht, wenn man 80 Prozent der Hoppegartener Kunst und Kultur an den Stolzes festmacht. Malerin Gabriele Stolze betreut die Rathaus-Galerie, ihr Mann Raymund organisiert die „Einfach“-Reihen mit Musik, Film und Lesung. Vieles, was dabei zustande kommt, folgt dem Namen Stolze in die Rennbahngemeinde. Dass nun Stolzes nicht in diese weitreichende Entscheidung einbezogen, eventuell zusammen Lösungen gesucht wurden, um doch Kunst und Kultur stattfinden zu lassen, das befremdet einige Hoppegartener. „Ich war tief erschüttert, als ich davon gehört habe. Für mich ist es unverständlich, dass man sich nicht zusammengesetzt und Lösungen gesucht hat. Alles einfach mit einem Federstrich wegstreichen, das ist keine gute Lösung“, sagt Jürgen Schaefer.

Erste Absage beim Lockdown

Es war schon im März ein harter Schlag für alle Hoppegartener Kulturliebhaber, als der Lockdown sämtliche Veranstaltungsplanungen zum Erliegen brachte. Auch das Klavierkonzert von Prof. Brigitta Wollenweber, Leiterin der Fachgruppe Klavier an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin, zu Ehren des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven wurde damals auf den 4. September verschoben und sollte nun das endgültige Aus bekommen.
Kurzfristig sorgte die Pianistin selbst für Abhilfe. „Die Kultur leidet und bewegt sich hin zur Abschaffung, wenn nicht alle, die können, gegenarbeiten gegen unlogische und krank machende Maßnahmen der Reduzierung der sozialen Komponenten, und dies für jede Altersgruppe. Ich kann Handeln“, begründet Wollenweber.

Konzert am 23. Oktober in Schöneiche

Das Konzert findet nun am 23. Oktober in der Schlosskirche Schöneiche statt. Eine Durchführung in Hoppegarten erwies sich als nicht möglich. „Ich habe – wie in anderen Gemeinden – ein leicht realisierbares Konzept Open Air angeboten, um damit die Sicherheitsabstände deutlicher zu machen und die politisch motivierte Angstmache der Medien nicht auf alle Bereiche des individuellen Lebens zuzulassen“, erklärt Wollenweber zu einem Gespräch mit der Hoppegartener Gemeindeverwaltung, das aus ihrer Sicht keinen Erfolg brachte.
Wollenweber fühlt mit, mit den Künstlern, denen nun in der sowieso schon schweren Zeit weitere finanzielle Ausfälle drohen, und hat darüber auch Worte für deren Seelenleben: „Die Absage erzeugt Mitleid mit denjenigen, deren Einsatz für die Kultur ihr Leben bestimmen, wie die hier ansässigen Eheleute Stolze. Darüber hinaus sind für viele Künstler die finanziellen Einbußen lebensbedrohend und, noch schlimmer, eine Beraubung ihres Lebenssinns.“

Absage bis auf Weiteres

Bürgermeister Sven Siebert relativiert auf Nachfrage die Aussage, dass das Veranstaltungsverbot im Gemeindesaal bis Ende des Jahres gelten soll. „Wir reden von einer Absage bis auf Weiteres. Es kann selbst mit dem vorliegenden Hygienekonzept nicht vollständig garantiert werden, dass es nicht zu Ansteckungen kommen kann. Im Zweifel haben wir uns gegen das Risiko entschieden.“ Offen lässt er jedoch, wie es mit Veranstaltungen im Einzelfall über den 4. September hinaus aussieht. Sitzungen der politischen Gremien mit bis zu 40 Teilnehmern hält er auch im Gemeindesaal für möglich.
Unterstützt wird er dabei aus der Kommunalpolitik. „Wenn wir Veranstaltungen durchführen, muss garantiert sein, dass alle Auflagen erfüllt werden können. Und das sehe ich in diesem Fall eindeutig nicht“, erklärt Christian Arndt (Grüne/B90).

Corona-Zahlen niedrig

Ob es seitens des Landkreises Empfehlungen gibt, verneint Sprecher Thomas Berendt. „Es obliegt jeder Kommune selbst, wie sie es regelt.“ Selbst plant der Landkreis für den 25. September eine größere Veranstaltung an der Gedenkstätte Seelower Höhen. Dabei stützen sich die Organisatoren an den aktuellen Corona-Zahlen. Mit Stand Montag gab es vier aktive Fälle im Landkreis, 60 Menschen waren in häuslicher Quarantäne und insgesamt 236 hatten sich seit März mit dem Coronavirus infiziert.