„So einfach sind wir gar nicht zu finden. Immer wieder rufen Leute von unterwegs an, die nach dem genauen Weg zu uns fragen, weil sie ihr Navi an eine andere Stelle leitet“, berichtet Thomas Scheerer, Inhaber der Baumschule Scheerer in der Vogelsdorfer Straße in Fredersdorf-Vogelsdorf. Dabei wohnen die einzigen unmittelbaren Nachbarn in Neuenhagen, jedoch durch ein Ortsausgangsschild getrennt.
Trotzdem haben dreiste Diebe die Baumschule finden können, ob nachts, am Wochenende – es ist für Scheerer nicht nachvollziehbar. „Sie müssen aber ganz gezielt vorgegangen sein. Vermutlich haben sie tagsüber geschaut, wo etwas steht und wie man am besten den Zaun überwinden kann. Dann haben sie zugeschlagen“, erklärt Scheerer.

Japanischer Ahorn im Blick der Diebe

Verschwunden sind unter anderem mehrere japanische Ahornbäume. „Wer die entwendet hat, der kannte sich gut aus“, sagt der Firmenchef. Bis zu 1000 Euro kostet so ein Gewächs im Verkauf, das relativ handlich im Topf gewachsen ist. „Unser Ahorn ist nicht mit den Discounter-Angeboten vergleichbar, die manchmal für ein paar Euros zu haben sind. Wir haben andere Sorten, eine ganz andere Qualität und sie hatten viel Zeit zum Wachsen. Das merkt man unter anderem auch an der Robustheit und Krankheitsresistenz“, erklärt Scheerer.

6000 Gewächse auf 80.000 Quadratmetern

Etwa 6000 verschiedene Gewächse befinden sich auf dem 80.000 Quadratmeter großen Grundstück der Baumschule. Darunter sind Formgehölze, die Jahrzehnte brauchen, um den gewünschten Anblick vorweisen zu können. Die kosten dann aber auch mal 6000 Euro aufwärts. Eine Herzensangelegenheit für Thomas Scheerer und seine 15 Mitarbeiter sind alte Obstsorten. Mehr als 200 verschiedene Apfelbaumsorten sind dort erhältlich, teilweise selbst veredelt. Darunter ist auch der Korbiniansapfel, den Korbinian Aigner während seiner Gefangenschaft im KZ Dachau züchtete. „Ein sehr aromatischer Apfel, der spät reif wird“, sagt Scheerer mit einer nicht unüberhörbaren Portion Begeisterung.

Gut durch Corona gekommen

„Wir sind Corona-Gewinner, wenn man überhaupt von Gewinnern in dieser Zeit reden kann“, antwortet Scheerer auf die Frage der gegenwärtigen Situation der Firma. Besonders viele Ausgleichspflanzungen wurden in letzter Zeit von den Kunden angefordert. Da heißt es bei den Anforderungen einfach: Doppelt verschult, Stammumfang 25 Zentimeter und heimisch – Scheerer weiß sofort Bescheid und führt die Kunden in die Baumreihen, wo genau diese Exemplare warten.

Der 71-Jährige denkt nicht an Ruhestand

An ein Aufhören denkt der 71-jährige Firmenchef noch nicht. Erst vor Kurzem hat er die Bestellung der Jungpflanzen für das kommende Jahr fertig gemacht. Dabei hat ihn seine Frau darauf hingewiesen, dass die sicher zehn Jahre brauchen, bis die in den Verkauf können. Da schmunzelt Scheerer nur: „Na und.“
Um 2.30 Uhr ist für ihn die Nacht meist vorbei, da setzt er sich an den ungeliebten Computer, um notwendige Dinge zu erledigen. „Da habe ich wenigstens meine Ruhe, wenn ich mich schon mit dem Ding herumquälen muss.“ Ab 5.30 Uhr ist er dann in der Regel in der Baumschule unterwegs, um nach dem Rechten zu schauen.

Weitere Maßnahmen gegen Langfinger getroffen

Im Fall der Langfinger war es nicht früh genug. Mit Gewächsen im Wert von etwa 40.000 Euro hatten die sich aus dem Staub gemacht. „Vor etwa zehn Jahren hatten wir schon einmal so einen Fall. Da habe ich eine Belohnung zur Ergreifung der Diebe ausgesetzt. Das hat geklappt“, berichtet Scheerer. Auch diesmal will er 1500 Euro auszahlen, wenn es verwertbare Hinweise auf den Diebstahl gibt, die zur Ergreifung der Täter führen. Weitere Einzelheiten dazu sind direkt bei ihm zu erfahren.
Außerdem können sich Langfinger gewiss sein, dass sie nicht mehr sicher auf dem Baumschulgelände ihrer illegalen Betätigung nachgehen können. „Wir haben da so ein paar Dinge ..., aber mehr möchte ich nicht verraten“, sagt Scheerer, bevor er mit den nächsten Kunden irgendwo im Gelände der Baumschule verschwindet.