Es hat einen geradezu furchbaren Namen: "Ordnungsbehördliche Verordnung über Ausnahmen vom Verbot der Störung der Nachtruhe und der Lärmbelästigung durch Tonträger in der Stadt Strausberg" heißt das Papier, das es ermöglicht, für spezielle Veranstaltungsorte die Nachtruhezeit abweichend von normalen Regelungen festzulegen. Seit 2008 galt in der Stadt die Vorgabe, dass Feiern unter freiem Himmel um 1 Uhr beendet sein müssen. Und mit Ende war nicht das Abstellen der Musik gemeint, sondern nach den zuletzt formulierten Auflagen auch "der zurechenbare Straßen- und Verkehrslärm" also auch Abmarsch vom Gelände nebst Autoabfahrt.
Unter anderem hatte der Veranstaltungsservice von Christian Schlatter sich um Verlängerung bemüht, wegen der Vorgaben das Ende der Beach-Partys am Straussee angekündigt. In der Folge hatten sich insbesondere jüngere Bürger für neue Regelungen eingesetzt, eine Online-Petition gestartet und die Intentionen in einer Bürgerfragestunde vorgetragen. Zwar sind gesammelte Unterschriften bislang nicht an die Stadtverwaltung übergeben worden, doch das Rathaus hat trotzdem reagiert, erklärte Bürgermeisterin Elke Stadeler. Bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung steht nun eine Beschlussvorlage zur Abstimmung, die traditionelle Veranstaltungen bis 2 Uhr möglich macht. "Die Ausnahmegenehmigung wird erteilt, wenn nach Prüfung des Antrages davon auszugehen ist, dass das Interesse der Allgemeinheit an der Durchführung der Veranstaltung das Schutzbedürfnis der Nachbarschaft auf Nachtruhe überwiegt", heißt es darin.
Das Papier sei ein "Vorschlag" der Verwaltung nach einer Diskussionsrunde mit Veranstaltern, erklärte Fachbereichsleiterin Rita Schmidt in dieser Woche im Hauptausschuss. Letztlich obliege den Stadtverordneten die Entscheidung über Zeit und Orte.Neben dem Kulturpark sollen die Ausnahmen auch am Flugplatz und in Hohenstein und Gladowshöhe möglich sein. Für den Kulturpark ist überdies eine Maximalzahl von zehn Veranstaltungen im Kalenderjahr vorgegeben, die aber nicht an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden stattfinden dürfen. Wie Rita Schmidt berichtete, habe es zuletzt nur wenig Beschwerden gegeben. Sie führte das als Indiz dafür an, dass die Orte bei der Bevölkerung, speziell den Nachbarn "akzeptiert" seien.
Sebastian Lemke (Grüne/offene Fraktion) monierte, "das Entgegenkommen geht zu weit". Er sei selbst Betroffener, gestand er. "Wir beschweren uns noch nicht, weil wir wissen, wo wir wohnen", sagte Lemke. Die Festlegung auf 1 Uhr sei schon ein Kompromiss gewesen. "Wie weit soll es noch gehen?", fragte er.
Christel Kneppenberg (SPD) hielt hingegen die Vorlage für berechtigt. Es solle jedoch beim Ausnahmefall bleiben, kein genereller Freibrief erteilt werden, betonte sie. Auch Dieter Kartmann (Linke) zeigte trotz deutlich höherem Alter als Lemke Verständnis. Da die Verwaltung ohnehin die Anträge prüfen werde, lasse dies alles offen. Jens Knoblich (offene Fraktion) erinnerte daran, dass die späteren Schlusszeiten ein Wunsch der jüngeren Bürger sind. "Die stehen ja nicht mehr wie wir früher um 19 Uhr vor dem Jugendklubhaus." Ihn interessierte noch, wie die Genehmigungen letztendlich aussehen werden, ob die Vorgaben weiter so bleiben wie in Vorjahren. Es werde "alles, was das Gesetz hergibt", ausgeschöpft, betonte Rita Schmidt.
Ronny Kühn fehlte bei den Feierstätten der Sport- und Erholungspark, doch Geschäftsführer Andreas Gagel sieht dafür momentan offenbar noch keinen Bedarf. Christel Kneppenberg riet indes, die Suche nach einem alternativen Veranstaltungsort zu forcieren.