Dennoch sind es keine Exoten, die in der Apotheke knapp werden, sondern elementare Dinge wie Blutzuckertabletten, Medikamente für die Bronchien oder die zur Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen wichtigen Eltroxin-Tabletten. Dabei gebe es eine klare Tendenz.
"Es werden immer mehr Sachen, die fehlen", erklärt Anke Trude und führt aus, dass man Ende letzten Jahres, als der Versorgungsengpass bereits losging, eine Nachfragedefektliste erstellt, seither aber noch keinen Liefertermin bekommen habe. "Vor allem bei den Schilddrüsenmedikamenten wird es wirklich eng", erklärt sie.
Immerhin stelle die Apotheke teilweise schon selbst Medikamente her, könne damit aber auch nicht alles abdecken. Wenig überraschend ergänzt Anke Trude noch: "Außerdem fehlen Händedesinfektionsmittel."

Diverse Versorgungsmängel

Mathias Braband-Trabandt von der Verbands- und Öffentlichkeitsarbeit des Brandenburger Apothekerverbandes liefert weitere Details zu den Versorgungsengpässen. Er erklärt, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel eine Liste führe, in der Hersteller von Medikamenten Versorgungsmängel und Lieferschwierigkeiten anzeigen müssten. Braband-Trabandt führt aus: "417 Medikamente sind derzeit nicht lieferbar."
Dabei kristallisierten sich einige Anwendungsgebiete als besonders stark betroffen heraus. Dazu zählten wie bereits erwähnt Schilddrüsenmedikamente, Mittel gegen Epilepsie, höherdosierte Schmerzmittel wie Ibuprofen, Antidepressiva und auch Blutdrucksenker.
In der Märkischen Apotheke in Strausberg zeichnet der Versorgungsstand dagegen ein nicht ganz so klares Bild. Inhaberin Antje Kujath erklärt: "Wir haben nicht bei diesem oder jenem Medikament Engpässe, bei uns zieht sich der Bedarf querbeet durch verschiedenste Bereiche."
Dennoch sei man generell versorgungsfähig. Bei der Lieferung müsse man aufgrund der Rabattverträge mit den Krankenkassen immer wieder auf unterschiedliche Firmen zurückgreifen, das sei aber ein generelles Problem, auch völlig unabhängig von der Corona-Krise. Die Lieferschwierigkeiten seien auch kein aktuelles Prob­lem, sie zögen sich bereits durch die vergangenen Jahre.

Möglichkeiten für Kunden

Christiane Behrendt, Diplom-Pharmazeutin und Inhaberin der Stadt-Apotheke Müncheberg, vermutet unter anderem ein Rohstoffproblem, wenn es um die Versorgungsengpässe geht. Manchmal wäre es aber auch deutlich komplizierter. So sei es möglich, dass im Falle eines Medikaments mit verschiedenen Stärken, die einzelnen Varianten davon in unterschiedlichen Firmen produziert werden. Wenn dann ein Hersteller aus irgendeinem Grund einen Lieferausfall hat, dann resultiere direkt ein Problem mit der Verfügbarkeit. "Woran es letztendlich liegt, ist sehr schwer zu sagen", sagt Christiane Behrendt.
Für Kunden, die in ihrer Apotheke des Vertrauens nicht die gewünschten Medikamente bekommen, sei es manchmal schwierig. So litten auch die Internet-Anbieter unter denselben Problemen wie ihre Konkurrenz. Oft könne man bei vielen Produkten auch auf einen anderen Hersteller ausweichen oder in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eine Lösung finden, manchmal sei aber auch einfach Improvisationstalent gefragt. Christiane Behrendt erklärt: "Oft kann man statt einer Hunderter-Packung zwei Fünfziger-Packungen mitgeben."
Insgesamt sei die Situation nicht dramatisch, beruhigt die Inhaberin der Apotheke. "Es gibt Wirkstoffe, bei denen das Prob­lem immer wieder auftritt oder die Patienten länger warten müssen, aber ich wüsste kein Medikament, das uns so richtig Zahnschmerzen bereitet", sagt Christiane Behrendt abschließend.