Jakob Noack hat für Dienstag, wo er sich und seine Vorstellungen interessierten künftigen Käufern aus Reichenberg und dem Umfeld nahebringt, Zettel vorbereitet. Darauf können die Bürger ganz anonym fünf Sortimentswünsche notieren. Das, was für sie unbedingt nötig wäre, auf was sie ungern verzichten würden, auch wenn es ein paar Cent mehr kostet als im Supermarkt.
Es hat etwas gedauert, bis es wirklich um genau diesen Teil des groß angelegten Gesamtprojektes "Gesundheitszentrum Reichenberg", wie bislang genannt, gehen konnte. Schon vor zwei Jahren hatten Käte Roos – Vorsitzende des jetzt mit dem DRK-Kreisverband Märkisch-Oder-Havel-Spree verschmolzenen Fördervereins Gesundheitszentrum Reichenberg – und ihre Mitstreiter erste Signale auf der Suche nach einem Betreiber ausgesandt.
Bis vor zwei Monaten bei ihm dann die endgültige Entscheidung gefallen war, wie Jakob Noack auf Nachfrage antwortet. "Als die Sache mit der Küche geklärt war", sagt er und spielt damit auf die ursprünglich vorgesehene gemeinsame Küchennutzung mit der Kita an, die im Quertrakt einzieht. Das hatte ihn schon bei früheren Überlegungen gestört. "Doch dieses Projekt in Reichenberg ist so reizvoll und es hat Modellcharakter für ganz Brandenburg", führt Noack weiterhin für seine Entscheidung ins Feld.
Erdgeschoss fast funktionsfähig
Er meint das vor fast zehn Jahren noch visionäre Gesundheitszent­rum, das inzwischen den offiziellen Namen Lebenszentrum "Thomas Müntzer" führt, von der Robert-Bosch-Stiftung über das Programm "supPORT" unterstützt wird und zu dessen aktuellem Stand Käte Roos am Abend auch Auskunft gibt:
Die Kita werde jetzt endgültig einziehen, die Ärztin sei bereits da, die Diakonie-Tagespflege beginne Ende Oktober mit Programm und öffne im November und der Dorfladen Anfang 2020. "Das Erdgeschoss ist praktisch belegt, die Basis für das gemeinsam leben und arbeiten fast funktionstüchtig."
Auch für das Obergeschoss sieht es gut aus.Die Anträge auf eine Zweig-Zulassung für einen Neurologen und einen Chirurgen sind gestellt. Noch vor Jahreswechsel soll es mit den Ergotherapeuten klappen. Auf die fünf barrierefreien Wohnungen wird schon gewartet. Noch fehlen dort die Balkone, dann aber geht es an die Fassade ...
Ärztin praktiziert bereits
Für Jakob Noack beginnt nach dem Abend ein schwieriger Part. Ein bezahlbares Grundsortiment wolle er bieten, wobei es die hohe Kunst sei, dieses mit Wünschen nach regional Erzeugtem zu verbinden. Besondere Herausforderung: die Öffnungszeiten. "Lieber kürzer und kompakter beginnen", denkt er, "und danach ausweiten."
Die Außentür am Haus steht halb offen, weil der Gemeinderaum die dicht gedrängt Sitzenden und Stehenden kaum fasst. Am Ende stellt sich die frisch niedergelassene Hausärztin Dr. Heike Belian vor, erzählt von ihrem Werdegang zur Internistin, bisherigem Weg, der Praxis in Berlin und ihrer Entscheidung für Reichenberg. "Also, da bin ich", sagt sie unter heftigem Beifall. "Kommen Sie einfach vorbei."