Der Wasserverband ­Strausberg-Erkner (WSE) hat am Freitag in seinem Vorstand kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Sicherung der Trinkwasserversorgung in den kommenden Jahren vorgestellt.
Er reagiert damit auf die Diskussion um zu viel gefördertes Grundwasser im Strausberger Wasserwerk Spitzmühle. Da der WSE die zulässige Fördermenge 2017 und 2018 überschritten hatte, hatte die obere Wasserbehörde beim Landesamt für Umwelt ein Bußgeld von 8000 Euro gegen ihn verhängt, gegen das der WSE Einspruch eingelegt hat. Die Strausberger Stadtverordneten hatten Bürgermeisterin Elke Stadeler beauftragt, in der Verbandsversammlung Akteneinsicht in das Bußgeldverfahren gegen den WSE zu beantragen und Strafanzeige zu stellen.

Kritik am Umweltministerium

"Die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser ist immer unser oberstes Anliegen. Wir machen das ja nicht, weil wir lustig sind, sondern weil die Verbraucher das auf der anderen Seite des Rohres abfordern", sagt der stellvertretende Verbandsvorsteher Gerd Windisch. "Wenn wir aber nur eine beschränkte Menge zur Verfügung haben – und die Bevölkerung weiter wächst, können wir nicht so weiter verfahren wie bisher", betont er. Windisch kritisiert in diesem Zusammenhang auch das Umweltministerium mit seinen Wasserbehörden. "Dort liegen diverse Anträge zur Erlaubnis auf Erhöhung der Fördermengen zur Grundwasserentnahme, die einfach nicht bearbeitet werden." Er kritisiert aber auch die Stadtverordneten. Die Diskussion gegen den WSE sei scheinheilig. "2018 war das trockenste Jahr in der Verbandsgeschichte, alle Seen im Land, nicht nur der Straussee, haben Wasser verloren. Es ist völlig überzogen, sich an der im Verhältnis zur Gesamtfördermenge relativ geringen Überschreitung hochzuziehen."
Zu den kurzfristigen Maßnahmen, über die jetzt diskutiert werden soll, zählt der WSE Einschränkungen der Versorgung mit sogenanntem Brauchwasser an Tagen mit Spitzenmengen. "Die Trinkwasserversorgung stellen wir weiter sicher, aber da­r­über hinaus können wir kein Wasser mehr zur Verfügung stellen, wenn wir nicht mehr Grundwasser fördern dürfen." Denkbar seien flächendeckende Verbote für das Sprengen von Sportplätzen, kommunalen Grünanlagen, Privatgärten, für Autowäschen und Poolbefüllungen. Ins Spiel bringt der Verband auch Reduzierungen des Wasserdrucks im Trinkwassernetz an Spitzenfördertagen.  "Dann hätten Menschen in höher gelegenen Ortschaften und Häusern weniger Wasser in der Leitung", sagt er. Ebenfalls denkbar sei, die Entnahme von Trinkwasser zu Löschwasserzwecken zu verbieten. "Das ist keine Verbandsaufgabe, darum müssten sich dann die Kommunen kümmern, zum Beispiel mit Löschwasserteichen", sagt André Bähler, Technischer Leiter des WSE.
Zu den mittelfristigen Maßnahmen zählen Bähler und Windisch, dass der WSE geplanten Neuerschließungen im Verbandsgebiet für Wohnen, Gewerbe und Industrie nicht mehr zustimmen könnte. "Als Träger öffentlicher Belange geben wir dazu ja immer eine Stellungnahme ab", sagt Bähler. Ebenfalls dazu gehören eine Limitierung von Trinkwassermengen und Prüfung von Mehrverbrauchszuschlägen für Industrie und Gewerbe und die Abschaffung von Gartenzählern, was den Preis für Gartenwasser um etwa das Dreifache erhöhen würde. Um all das überprüfen und sanktionieren zu können, müsste über eine Kontroll- und Bußgeldstelle – und damit über mehr Personal – nachgedacht werden.

Mehr Speicherkapazitäten

Auch über langfristige Maßnahmen will der WSE diskutieren. Windisch nennt hier die Beantragung weiterer Entnahmemengen einschließlich der dafür benötigten Ausweitung von Trinkwasserschutzzonen und die Erhöhung von Investitionen in Wasserwerke und Leitungsnetze mit einem Ausbau der Speicherkapazitäten. So müsste das Wasser an heißen Tagen, an denen sehr viel benötigt wird, nicht nur über Brunnen gefördert werden. Denn auch für Überschreitungen genehmigter Tagesmengen könne der Verband bestraft werden. Und schließlich müsse im Sinne der Versorgungssicherheit über eine engere Zusammenarbeit mit anderen Wasserverbänden nachgedacht werden, eventuell auch über neu zugeschnittene Gebiete.

Der Vorstand des Wasserverbands


Im WSE-Vorstand sitzen die Bürgermeister aus Erkner, Petershagen-Eggersdorf, Hoppegarten, Strausberg und Altlandsberg und Verbandsvorsteher Henner Haferkorn. Der Vorstand hat die Vorschläge am Freitag gebilligt. Sie sollen auch in der Verbandsversammlung am 27. November präsentiert werden. Bevor sie in Kraft treten können, müssen sie von der Verbandsversammlung beschlossen werden. Die Verbandsspitze möchte mit den Vorschlägen zunächst eine öffentliche Diskussion anregen. mst