Für den neuen Super-Radweg vom Handelscentrum zum Lustgarten haben die Linken und die CDU einen Beschlussvorschlag eingebracht. Mit dem Motto "Fahrradfreundliche Stadt Strausberg" rennen sie im Rathaus offene Türen ein.
Es liegt nicht nur an der Großbaustelle an Strausbergs zentraler Kreuzung, dass sich der Verkehr in den Stoßzeiten nur mühsam durch die langgestreckte Stadt bewegt. Die Straßen in der "grüne Stadt am See" geraten an die Grenzen ihres Fassungsvermögens. CDU-Stadtverordneter Andreas Fuchs, passionierter Radfahrer und Naturschützer, sagt: "Es gibt zwar die Möglichkeit zum Radfahren von Vorstadt nach Nord, doch es ist gefährlich und macht krank." Hinzu komme, dass die Stadt weiter wachse, der Verkehr weiter zunehme. Fuchs will aus vorliegenden Planungen 500 neue Wohneinheiten gezählt haben. Das fängt in der Gustav-Kurze-Promenade an, führe über die Paul-Singer- bis in die Wriezener Straße. Im Gespräch sind auch Mehrfamilienhäuser in der Fritz-Reuter-Straße und nahe dem Bahnhof Strausberg in Vorstadt.
"Auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Handelszentrum und Lustgarten soll ein attraktiver Radweg errichtet werden", ist die Zielvorgabe der Beschlussvorlage. "In einem ersten Schritt sind die hierfür erforderlichen Flächen zu sichern. Verfahren zur Änderung des Strausberger Flächennutzungsplans und von Bebauungsplanverfahren sind im Rahmen der Möglichkeiten zur Sicherstellung anzupassen." Eine finanzielle Untersetzung hat dieser Vorschlag nicht, und Heiko Winkelmann (Fraktion UfW/Pro Strausberg) wies im Bauausschuss darauf hin, dass schon die Änderung einer Bebauungsplanung Kosten verursache. Den Initiatoren geht es vor allem um das Vorhalten und Sichern der Flächen für den Fall, dass aus einem Fördertopf des Landes, Bundes oder der EU für Tourismus oder sichere Schulwege Mittel bereitgestellt werden.
Da es nicht der erste Vorstoß in dieser Richtung ist, haben sich Bürgermeisterin Elke Stadeler und ihre Stellvertreterin Gudrun Wolf schon mal auf die ehemalige Bahntrasse auf dem Gelände der früheren Sowjetarmee-Liegenschaft begeben. Die Grundstücke im Eigentum der hundertprozentigen Stadt-Tochter Strausberger Eisenbahn GmbH zu sichern, sei offensichtlich nicht so problematisch: "Es gibt in der Berliner Straße städtische Grundstücke, die die STE nutzt, da könnte man unter Umständen mit einem Grundstückstausch etwas erreichen", sagte Elke Stadeler. Problematischer seien Grundstücke im Privateigentum der Bauherren im Hegermühlengrund. "Enteignungen schließe ich aus", stellte Elke Stadeler klar. Ausschussvorsitzender Nick Reinking war ebenfalls an Ort und Stelle und hatte ein Maßband mit: "An der schmalsten Stelle ist die in Frage kommende Fläche 7,50 Meter breit, das sollte doch für einen ordentlichen Radweg reichen."
Rückenwind bekommen die Radfreunde auch vom Agendabeirat. Hans-Jürgen Nagel nannte die zeitgemäße Mobilität ein wichtiges Thema der Agenda 2030, an der demnächst die Arbeit aufgenommen werde. Der Beirat begrüße Überlegungen zu einem Radweg abseits der Hauptstraßen sehr. Auf eine Nachfrage von Rüdiger Neuguth (SPD) sagte Fachbereichsleiterin Birgit Bärmann, dass eventuelle Neubauten auf dem ehemaligen Kasernengelände über die dann zu verlängernde Fließstraße verkehrlich erschlossen würden. Alexander Niehoff regte an, dass künftige Bewohner unbedingt einen Zugang zum Radweg erhalten müssten. Die Vorlage fand eine breite Mehrheit und liegt am 28. September der Stadtverordnetenversammlung zur Entscheidung vor.