Tobias ist 18. Mit seiner Mutter Susanne ist er am Sonnabend in das Oberstufenzentrum gekommen. "Na ja, nicht ganz freiwillig", gesteht der Teenager. Das Abi hat er in der Tasche, eine vage Idee, was er studieren will, auch. "Das reicht aber nicht. Ich will ihm einfach die Chance geben, sich hier schlau zu machen", sagt Susanne Kalb bestimmt. Die beiden wandeln von Stand zu Stand, lassen sich beraten. So, wie viele Hundert andere auch.
Mit seinen Dummys fällt der Stand der Gemeinnützigen Rettungsdienst MOL GmbH gleich am Eingang auf. "Seit 2014 gibt es erst die Ausbildung als Notfallsanitäter. Die dauert drei Jahre, man hat gute Übernahmechance und wird nach öffentlichem Tarif bezahlt", wirbt Rettungsassistent Martin Linke. An den Dummys zeigt er Interessierten, wie ein Herz-/Kreislaufstillstand behandelt wird. Die Theorie dafür gibt es an der Rettungsakademie in Heide, die Praxis an verschiedenen Krankenhäusern der Region.
Interesse an Mathe und Physik - wer so etwas hat, der ist beim Fernmeldebau Strausberg gerade richtig. "In unserem Betrieb bilden wir Elektrotechniker für Informations- und Telekommunikationstechnik aus", erzählt Daniel Bensch. Für dieses Jahr gibt es noch zwei, im kommenden Jahr fünf freie Plätze. "Unsere Arbeit ist sehr vielseitig, denn wir befassen uns nicht nur mit Kupfer-, sondern auch mit der Glasfasermontage, müssen dafür auch Tiefbauarbeiten erledigen", wirbt er um "Neue".
Jeannette Meyer, Restaurantleiterin im Fischerkietz, gesteht, dass die Arbeitszeiten in der Gastronomiebranche schon recht hart sind, "aber, wer es liebt, mit Menschen zu tun zu haben und einen vielfältigen Beruf schätzt, der ist bei uns gerade richtig. Wir bilden Restaurantfachleute, aber auch Köche aus", sagt sie.
Als sehr abwechslungsreich empfindet Azubi Daniela Opitz ihre Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte in der Strausberger Stadtverwaltung. "Im Bürgerbüro sind wir direkt im Kontakt zu den Menschen. Das finde ich toll. Ich habe jetzt aber auch gerade eine ganze Weile in der Finanzbuchhaltung gearbeitet. Einfach faszinierend", schwärmt die junge Frau geradezu. Hinter ihrem Ausbildungsbetrieb steht auch Nancy Schätze. Sie ist im dritten Lehrjahr zur Kauffrau im Einzelhandel beim nach ihren Aussagen zweitgrößten Arbeitgeber in Strausberg, bei Edeka von Jens Friedebold. "Wir sind immerhin mehr als 100 Mitarbeiter", erzählt Nancy Schätze, die mit Julia Schulz und Matthias Hoffmann Werbung für die Ausbildung zum Verkäufer macht.
Bei der Niederberger Gruppe, bei der Bürokaufleute und Gebäudereiniger ausgebildet werden, soll langfristig der Führungskräftenachwuchs rekrutiert werden. "Wir sind Partner für ein duales Studium. Die Theorie in Betriebswirtschaftslehre mit Spezialausrichtung Facility Management gibt es in Berlin, die Praxis bei uns in Strausberg", sagt Prokurist Peter Hollmann. Zwei Stellen dafür gibt es, gesucht werden Abiturienten. Was so reizvoll an diesem Beruf ist? "Wir sind ja nicht nur allein Spezialisten für alle möglichen Varianten des Reinigens, sondern wir bieten dem Kunden einen Rundum-Service. Ist der TÜV für den Feuerlöscher abgelaufen - wir kümmern uns. Wir bewirtschaften ganze Häuser, sorgen also dafür, dass sie richtig beheizt und gelüftet werden und der Eigentümer an der richtigen Stelle spart", erklärt Hollmann weiter.
Bereits Werbung für die Schulabgänger der zehnten Klasse im kommenden Jahr - dafür stand Benjamin Eib von der Märkischen Etikettengruppe aus Müncheberg beim Ausbildungstag. "Wir sind als Firma hier das erste Mal vertreten. Wir bilden jedes Jahr zwei bis drei Azubis zu Medientechnologen für unsere selbstklebenden Etiketten aus. Und suchen noch", erzählt er.
Tobias und seine Mutter haben den Ausbildungstag genutzt und sich an vielen Stellen Informationsmaterial geholt. "Ich hatte tolle Gespräche. Auch beim Zoll, der Bundeswehr, der Arbeitsagentur. Es wird sich schon was finden, Mutti", sagt Tobias Kalb zuversichtlich. Und grinst.