Gerade begleitet Bibliothekarin Mareike Heilemann das knappe Dutzend Vorschulkinder der Kita Nord mit ihrem Erzieher die Freitreppe des Stadthauses hinab: „Wieder einige potenzielle Neuleser unserer Einrichtung“, sagte sie. Der Besuch von Kita-Gruppen ist in der Strausberger Heinrich-Mann-Bibliothek Alltag. Ganz bewusst machen Bibliotheksleiterin Christa Wunderlich und ihr Team die Kleinsten neugierig auf die bunte Welt der Kinderbücher, in die längst die Digitalisierung Einzug gehalten hat. „Die Kinder berichten ihre Eltern von dem Erlebnis, die schauen dann mit ihnen gemeinsam bei uns vorbei“, begründet sie den Zuwachs von allein 83 Neuanmeldungen in den ersten sieben Wochen des Jahres. 28 Kinder sind darunter, zehn Jugendliche zwischen 13 und 20 Jahren und 45 Erwachsene, viele junge Eltern eben. Der Bezug der seniorengerechten Wohnungen in der Wriezener Straße habe ebenfalls zu neuen Leseranmeldungen geführt, freut sie sich. Aber: „Gerade die Senioren klagen natürlich über die Treppe vorm Eingang und die Treppen im Haus.“ Bautechnisch ist keine Besserung möglich, vor allem aus Sicht des Denkmalschutzes. Den Besuch von Senioren erschweren aber auch die weiten Gehwege von der nächsten Haltestelle von Bus und Bahn und die knappen Parkplätze auf dem Markt. Andererseits wäre der Markt ohne Bibliothek weit weniger belebt.
Weil Kinder die Bücher anfassen und anschauen müssen, werden für sie die Ausleihfläche verdoppelt und der Fachbuchbereich im Obergeschoss eingeschränkt. Viele Fachbücher werden magaziniert und sind über Kataloge abrufbar. Im kleineren Nebenraum werden Biographien und Nachschlagewerke konzentriert. Dafür wird Mareike Heilemann den Kindern ein Reich zum Lesen und Stöbern einrichten. Auch die Tonie-Box wird einen Platz finden. Das ist eines der neuen Medien: Ein gepolsterter grüner Würfel von rund 15 Zentimetern Kantenlänge, auf den man eine kleine Spielfigur stellt. Die beginnt umgehend, eine Geschichte zu erzählen. Schlägt man an die Seitenfläche des Würfels, beginnt eine andere Geschichte. Interessant sind auch die Tiptoi-Bücher. Zu ihnen gibt es einen dicken Speicherstift. Mit dem tippt man auf Symbole am Fuß der Seite, dann erhält man akustisch weiterführende Informationen oder, wie beim Atlas, die passende Volksmusik zum abgebildeten Land und vieles andere. Mit diesem System gibt es daneben ein breites Angebot an Spielen. Seit vielen Jahren sind auch Hörbücher auf CD und E-Books in der Heinrich-Mann-Bibliothek angekommen. Erwachsene, die sich mit E-Book-Readern nicht auskennen, können auch die ausleihen, um sie zu testen.
„Wir haben von Anfang an konsequent auch neue Medien für unsere Leser erschlossen“, erzählt Christa Wunderlich. Das fing in den 1990er-Jahren mit den Hörspielkassetten für Kinder an und reicht heute bis in den virtuellen Ausleihraum mit 8948 Medien. Den kann man per Internet betreten, wenn man sich  auf der Homepage der Bibliothek einloggt. Dann kann man E-Books, Filme oder Zeitschriften und Magazine virtuell ausleihen. Hat man sie gelesen, gibt man sie zurück, dann kann der Nächste dran. Vergisst man es, wird es nach der Ausleihfrist automatisch zurückgeholt. Der virtuelle Bestand, der vom Bibliothekenverbund Märkisch-Oderland gespeist wird, steht kostenlos zur Verfügung. Mit der Jahresgebühr ist er abgegolten.
Die Strausberger Bibliothek hat derzeit 34 043 Bücher im Bestand, digitale Medien inklusive. Es gibt einen deutlichen Zuwachs bei den E-Books, der Nachfrage geschuldet. Viele Leser schätzen das gedruckte Papier für zu Hause und das digitale für Tablet, Reader oder Smartphone für unterwegs. Christa Wunderlich  hat schon in Seniorenheimen für E-Book-Reader geworben, die sich einfach leichter halten und dank Hintergrundbeleuchtung lesen lassen als richtige Bücher.
Viel Zuspruch haben die Veranstaltungen gefunden, die die Bibliothek außer Haus organisiert hat. Heraus ragte dabei die Vortragsveranstaltung zum 40. Jahrestag des Weltraumfluges von Sigmund Jähn im alten Flugzeug-Hangar. Christa Wunderlich dankt deshalb den Firmen, mit denen sie bei vielen Aktionen gut zusammenarbeitet, so den Stadtwerken und der Buchhandlung Micklich.  Fakt ist aber, dass ihr im Haus ein geeigneter Veranstaltungsraum fehlt.