Schon an den Vortagen lag eine ganz besondere Stimmung über der Altlandsberger Altstadt. An allen Ecken wurde gefegt, irgendetwas gewerkelt oder aufgebaut. Und das Ergebnis der ganzen Anstrengungen hat sich gelohnt. Geschätzte 15.000 Besucher konnten sich davon überzeugen.
Als alle Reden zur offiziellen Eröffnung verklungen waren, füllte sich der Marktplatz auch zusehends. Einen der 300 Sitzplätze dort zu bekommen, war bis in die Abendstunden mit viel Glück verbunden.
Wer da rings um Altlandsberg noch nicht mitbekommen hatte, dass der Startschuss zum Vogelscheuchenmarkt gefallen ist, der bekam es etwas später nachdrücklicher vermittelt.

Kaiserin Augusta böllert lautstark

Eine kurze Ladehemmung konnte die Mitglieder der Schützengilde nicht davon abbringen, mit „Kaiserin Augusta“ das Fest auf dem Schlossgut anzukündigen. Drei Schuss aus der nach historischem Vorbild nachempfundenen Böller-Kanone reichten dafür. Womit wird da eigentlich geschossen? „Keine Angst, es ist keine Munition. Das sind etwas Schwarzpulver und Mehl. Letzteres ist dafür da, dass es noch gewaltiger wirkt“, verriet Ehrenhauptmann Werner Frank.
Vogelscheuchen gehäkelt: Petra Runge-Kuß und Regina Dossow mit ihren besonderen Exemplaren.
Vogelscheuchen gehäkelt: Petra Runge-Kuß und Regina Dossow mit ihren besonderen Exemplaren.
© Foto: Dirk Schaal
Erstmals waren auch Marktstände direkt auf der Berliner Straße vom Berliner Turm bis zum Schlossgut aufgebaut. Zweimal musste man am Stand von der Berlinerin Sascha Dommengét hinschauen. Was von weitem wie ein Blumenstand mit besonders prächtigen Schnittblumen wirkte, entpuppte sich als ein Meisterwerk einer Keramikerin. Margeriten, Ringelblumen, Nelken und viele den blühenden Vorbildern nachempfundene Schönheiten – alles für die Ewigkeit geschaffen.
An alter Wirkungsstätte: Heidelind Uhlig, ehemalige Rektorin der Stadtschule, verewigt sich auf der Jubiläumsleinwand.
An alter Wirkungsstätte: Heidelind Uhlig, ehemalige Rektorin der Stadtschule, verewigt sich auf der Jubiläumsleinwand.
© Foto: Dirk Schaal
Nicht einfach machte es sich die sechsköpfige Jury der Vogelscheuchenprämierung. Den ganzen Tag waren sie im gesamten Festgebiet unterwegs. Nicht einfach machten es ihnen aber auch die Vogelscheuchenbauer, die den Bewertern die Qual der Wahl bereiteten. Am Ende gewann die ökologisch korrekt auf einem Fahrrad radelnde Scheuche der Familien Krautien, Krüger und Huß aus der Poststraße 9.

Versteckte Geheimfavoriten

Die Geheimfavoriten der Vogelscheuchenprämierung waren so versteckt, dass sie von einigen Jurymitgliedern nicht gefunden und somit keine Bewertung erhielten. Kein Wunder, war der Stand des Vereins der Stadtkirche doch ständig von Besuchern umzingelt. Dort standen die gehäkelten Scheuchen von Regina Dossow und Petra Runge-Kuß. Weit über einen Meter groß, haben die Frauen mehr als einen Monat lang an der Entstehung gearbeitet. Den Fleiß-Preis hätten die beiden allemal verdient gehabt.
Auftritt der kleinsten Altlandsberg: Der Marktplatz bebt vor Begeisterung.
Auftritt der kleinsten Altlandsberg: Der Marktplatz bebt vor Begeisterung.
© Foto: Dirk Schaal
Hier kocht der Chef noch selbst, stand an der Gulaschkanone der Stadtschule. Tatsächlich schwang Rektor Uwe Zettelmann den Kochlöffel und Schöpfkelle. Letztes nicht allzu lange, denn der Vorrat ging schnell zur Neige. Kein Wunder bei knapp 900 Schülern mit Anhang. 150 Hände für 150 Jahre Stadtschule stand auf großem weißen Stoff. Einen ganzen Teil hatte die ehemalige Rektorin Heidelind Uhlig dazu beigetragen. Da lag es nahe, dass sie sich auch mit bunter Hand wie weit mehr als 150 Besucher dort verewigte.
Folkloretänzerinnen in der Stadt: ein Gruß von der polnischen Partnergemeinde Krzeszyce
Folkloretänzerinnen in der Stadt: ein Gruß von der polnischen Partnergemeinde Krzeszyce
© Foto: Dirk Schaal
Einen ganzen Hof hatten die Gäste aus der polnischen Partnergemeinde Krzeszyce in Beschlag genommen. Mit Obst, Gemüse, deftigem Imbiss und allerlei Dekoration rund um Erntedank trafen sie den Geschmack der Besucher punktgenau. Wenn es der Folkloretanzgruppe zu eng auf dem Hof wurde, gingen die Mitglieder auf den Marktplatz und sorgten dort für Furore.

Infos und Ruhezone beim Heimatverein

Ein Kühlschrank ohne Strom? Das notwendige Eis kam früher mit dem Lieferwagen. Alle Hände voll zu tun hatten Brigitte Hildenbrand und ihre Mitstreiter vom Heimatverein. In ihrem Quartier mit historischer Ausstellung gleich neben dem Berliner Turm bekamen Besucher einen Einblick in das frühere Leben einer Residenz- und Ackerbürgerstadt. Dazu bekam man im Garten Kaffee, Kuchen und ganz viel Ruhe etwas abseits des Festspektakels serviert.
Bis in die späten Abendstunden ging der Trubel auf dem Schlossgut weiter, während rund um den Marktplatz wieder das normale Leben einzog und der Autoverkehr das Altstadtpflaster zurückeroberte.