Mit Blick auf die Corona-Pandemielage und den Teil-Lockdown haben Stadt Strausberg und Bundeswehr auf eine offizielle Einladung zur traditionellen öffentlichen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag bewusst verzichtet. Dennoch waren fast mehr Bundeswehrangehörige, Reservisten, Kommunalpolitiker und interessierte Bürger wie ehemalige hohe NVA-Offiziere zum Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs auf dem evangelischen Friedhof Strausbergs gekommen als sonst. Etwas verspätet traf Militärdekan Otto Adomat ein, der den verhinderten Strausberger Pfarrer Tilmann Kuhn vertrat. Er habe sich zunächst zur Kriegsgräberstätte für die Toten des Zweiten Weltkriegs verirrt, berichtete der Geistliche und empfahl: „Gehen Sie unbedingt anschließend auch dorthin: Man hat auf jedem Grabmal ein ewiges Lichtlein entzündet, das geht sehr zu Herzen!“
Bürgermeisterin Elke Stadeler begrüßte die Teilnehmer und würdigte ihr Geschichtsbewusstsein und ihre Wertschätzung für jene, die einst ihr Leben lassen mussten. Der Standortälteste der Bundeswehr, Brigadegeneral Uwe Nerger, hob besonders hervor, dass große Zahlen gefallener Soldaten und von Kriegsopfern emotional unfassbar blieben, solange keine persönlichen Schicksale damit verbunden seien: „Erst wenn im Grab die Großmutter, die Großtante, der Uropa liegt, werden die Toten konkret, die Zahlen begreifbar.“ Nerger berichtete von einem Gedenken am Vortag, das einem in Afghanistan gefallenen Offizier galt, der ihm einst unterstellt war: „Wir gedenken auch der im Auslandseinsatz gefallenen Kameraden, auch sie sind in unsere Trauer an diesem Tag eingeschlossen.“
Darauf bezog sich danach der Militärgeistliche Otto Adomat. Auch Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung seien mit jenem Gedenktext umfasst, den Theodor Heuss einst für diesen Volkstrauertag verfasste. „Wir gedenken der Opfer aus einem einzigen Grund: Weil sie Menschen sind“, stellt er fest. Es gehe nicht um eine Bewertung oder Verurteilung, sondern nur um die Menschlichkeit.