Wer Fragen rund um die Erziehung und Sorgen mit Kindern hat, der ist bei der Erziehungs- und Familienberatungsstelle richtig. Dabei ist die Problembreite groß, mit Kinder und Jugendliche in die Beratungsstelle kommen: Probleme in der Ausbildung und in Einrichtungen der Jugendhilfe, Fragen zu Freundschaft, Liebe und Sexualität, Ängste vor Menschen, scheinbar aussichtslose Situationen, körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch Erwachsene oder Gleichaltrige. Für Eltern ist die Beratungsstelle der richtige Ansprechpartner, wenn es beispielsweise um Fragen der Erziehung und zum Schutz des Kindes geht, um Auffälligkeiten in der Entwicklung und im Verhalten sowie um Sorgerechtsfragen. Der Leiter der Beratungsstelle Thomas Böduel nennt lediglich zwei Ausnahmen, die in den Beratungen ausgeklammert werden: Eheberatung und Suchtberatung. Genauer gesagt: weitgehend ausgeklammert, denn zumindest können Ansprechpartner vermittelt werden.
Böduel betont die "absolute Verschwiegenheit" und die Tatsache, dass die Beratungen auf Wunsch auch anonym geführt würden und in jedem Fall kostenfrei seien. Wichtig für die Eltern sei ganz offenbar zudem der Umstand, "dass wir keine Behörde sind", betont er. Das würde die Hemmschwelle bei manchen Klienten niedriger setzen.
Wenn Thomas Böduel "wir" sagt, dann schließt er seine Kollegen ein. Am Strausberger Hauptsitz der Erziehungs- und Familienberatungsstelle sind drei Fachkräfte tätig. Die Fälle seien bisweilen schon sehr kompliziert. "Das geht hin bis zu Suizidgefährdungen", sagt er. Daher wären die Anforderungen an das Personal sehr hoch. Böduel spricht denn auch von "hochqualifizierten Diplom-Psychologen und Diplom-Sozialpädagogen mit einer zusätzlichen therapeutischen Beratungsausbildung".
Dass das Beratungsangebot mehr als in der Vergangenheit genutzt wird, kann der Leiter nicht bestätigen. "Die Probleme sind heftiger geworden und mehr als früher ein Gemisch verschiedener Sorgen und Nöte." Er weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass die Türen seiner Beratungsstelle allen offen stehen, also Kindern, Jugendlichen bis zum Alter von 18 Jahren, Eltern ebenso wie Erziehern.
Insgesamt beschäftige sich jeder Mitarbeiter im Jahr mit etwa 80 Fällen, sagt Böduel. Die Tätigkeit sei allerdings in bloßen Zahlen eigentlich kaum darstellbar. Dahinter steckten schließlich Schicksale und höchst unterschiedliche Probleme. Manche Beratungen seien sehr zeitintensiv und würden sich bisweilen über Monate erstrecken. Bei anderen reichten manchmal vier oder fünf Treffen.
Die meisten Klienten kommen durch Mundpropaganda, weiß Böduel. Aber auch Kinderärzte, Kitas und Schulpsychologen würden im Bedarfsfall den Gang zu einer der Beratungsstellen empfehlen, die es neben Strausberg noch in Rüdersdorf, Neuenhagen, Bad Freienwalde. und Seelow gibt. Manchmal schickten auch Schulen Kinder vorbei.
Wichtig für den Erfolg der Tätigkeit ist Böduel die Vernetzung mit den "frühen Hilfen", wie er sagt. Dabei verweist er insbesondere auf das Netzwerk "Gesunde Kinder" im Landkreis. Und auch die enge Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamts.
In allen Fällen wird um Anmeldung gebeten. Das gilt auch für die Beratungsstellen in Neuenhagen, Rüdersdorf, Seelow und Bad Freienwalde. Wenn dort niemand erreicht werde, möchte der Anrufer seine Telefonnummer aufs Band sprechen. "Wir rufen auf jeden Fall zurück", sagt Böduel.
Seit Jahresbeginn hat sich der Aufgabenbereich erweitert. Nunmehr ist nämlich zusätzlich noch der Pflegekinderdienst an die Beratungsstelle angeschlossen.