Kritiken und Anregungen wie diese durften sich verschiedene S-Bahn-Manager am Montag auf dem Bahnhof Vorstadt anhören. Neben dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der S-Bahn, Peter Buchner, waren unter anderem auch Julian Bartilla, Programmmanager für den Bereich Station und Service, Frank Frühbrod, Leiter der S-Bahn-Stromversorgung, Mitarbeiter von der für die Infrastruktur zuständigen DB-Netz AG und Dominik Schäfer gekommen, der das Programm S-Bahn Plus leitet. Im Rahmen der Mitte 2018 ins Leben gerufenen gleichnamigen Qualitätsoffensive bereisen die Verantwortlichen verschiedene S-Bahnhöfe, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Strausberg ist auf der Tour in diesem Jahr der einzige Bahnhof außerhalb von Berlin. "Nachdem wir 2017 erhebliche Probleme im Betriebsablauf hatten, haben wir uns mit den Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen zusammengesetzt, um besser zu werden", erklärt Dominik Schäfer. Dabei gebe es für jedes Unternehmen Themen, die es alleine lösen könne, andere, die man nur gemeinsam anpacken könne. Zu Letzteren zähle die Disposition im Störungsfall, zum Beispiel beim Polizeieinsatz. Dabei müssten Fragen geklärt werden wie: "Wie fahren wir in diesen Situationen, in welcher Taktung und bis wohin?" Teil der Qualitätsoffensive sei die Erarbeitung standardisierter Störfallkonzepte gewesen. Darauf aufbauend könne man auch die Information für Reisende verbessern, sagt Schäfer.
Zehn Projekte mit 180 Teilen
Insgesamt zehn Teilprojekte mit 180 Bausteinen bearbeitet die S-Bahn im Zuge ihrer Qualitätsoffensive. Beim Thema Pünktlichkeit konnte sie sich auf der Linie S 5 von 91,5 Prozent im Jahr 2018 auf 95,7 Prozent bis Ende Mai 2019 verbessern, wie Sprecherin Sandra Spieker informiert. Als pünktlich zähle ein Zug, wenn er bis zu 3,59 Minuten Verspätung habe.
S-Bahn-Chef Peter Buchner gibt sich mit den Zahlen nicht zufrieden. "Ein Jahr lang waren wir mit der Qualitätsoffensive gut unterwegs, im Juni war der Betrieb wieder sehr unbefriedigend mit vielen Ausfällen durch Stürme, Bauarbeiten und die Hitze. Das zeigt, dass wir dranbleiben müssen." Ein Enddatum für S-Bahn Plus gebe es daher vorerst nicht. Die Hitzeausfälle seien vor allem auf überhitzte Elektronikschränke in den Bahnen zurückzuführen. Der Einbau von Schränken mit Kühlung sollte eigentlich längst gestartet sein. "Der Einbau verschiebt sich aber auf frühestens Sommer 2020. Die Einbausätze haben nicht unseren Qualitätsanforderungen entsprochen." Auch auf klimatisierte S-Bahnen, bei Neuanschaffungen Standard, müssen Fahrgäste der S 5 noch eine Weile warten. "Für eine Nachrüstung in den vorhandenen Zügen sind die Klimaanlagen zu groß und schwer", sagt Peter Buchner. Die hier verkehrenden Züge der Baureihe 481 sollen noch bis 2033 unterwegs sein, sagt Dominik Schäfer. Dafür würden sie ab diesem Sommer "fit gemacht". "Sie bekommen einen neuen Anstrich und neue Sitze, werden von der Optik her neuwertig sein", verspricht Buchner.