Da nämlich gründeten die Brüder Wieland und Helmut (John Heartfield) Herzfeld diesen Verlag, welcher zum größten linken Verlag Deutschlands werden sollte. Begonnen als Zeitschriftenverlag, mauserte er sich alsbald auch zum Buchverlag, der neue Maßstäbe setzen sollte. Nicht zuletzt wegen der phantastischen Buchgestaltungen von John Heartfield, der mit seinen Fotomontagen eine ganz neue Kunstgattung schuf.
Wohl jeder kennt die Grafik mit Hitler, dem man in die Hand Geldscheine drückt, mit der passenden Unterschrift: "Millionen stehen hinter mir." Auch sollten Leser angesprochen werden, die sich das Buch nicht leisten könnten, aber die Umschläge betrachten sollten.
Die Leiterin der Bibliothek der Akademie der Künste, Susanne Thier, gab den zahlreich erschienenen Besuchern zwischen zahlreichen kurzen Schauern einen spannenden und sehr poetischen Überblick über diese 100 Jahre, und so ertrug das Publikum geduldig die Eskapaden des Wettergottes. Es war ein hinreißende Ausführungen, die mehr einer bewegten Lesung glichen als einem Fachvortrag.
Hinter ihr die großen und bekanntesten Grafiken von Heartfield. Die aufgespießte Friedenstaube und die Henkersbeile zum Hakenkreuz verflochten. Musikalisch und gesanglich unterstützt von Susanne Stock (Akkordeon) und Maria Thomaschke ( Gesang) schwebte ein Hauch vom Brechtschen Geist durch den Heartflieldschen Garten. Denn Brecht, der öfter als Gast hier weilte, passte perfekt, da auch er im Malik-Verlag veröffentlichte.
Studierende der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch lasen Texte aus dem frühen Verlagsprogramm, zu dem auch die Kunstform Dada gehörte. Zum herbstlichen Wetter also ein herrlich kontrapunktscher Abend.