Im nächsten Frühjahr soll es mit dem Bau des Viergeschossers losgehen. Die Bauantragsunterlagen sind bereits vor einiger Zeit eingereicht worden. Zur Strausberger Energiekonferenz präsentierte der Geschäftsführer von Stadtwerken (SSG) und SWG, Andreas Gagel, nun das Projekt, für das Wohngebiet eine eigene Wärmeversorgung aufzubauen. Mit dem geplanten BHKW kann zudem Strom produziert werden. Überlegt wird zudem, ein spezielles Mieterstrommodell aufzulegen.
Die Idee, weitere Viertel an eine gemeinsame Wärmeversorgung anzuschließen, ist nicht ganz neu. Vor einigen Jahren hatten die Stadtwerke mit der Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau über eine "Wärmeinsel" für deren Häuser in der Gustav-Kurtze-Promenade verhandelt. Weil es zu der Zeit andere Rahmenbedingungen gab, habe man das Vorhaben nicht wirtschaftlich realisieren können, erklärt Gagel.
Jetzt ist die Situation günstiger. Dennoch habe man noch lange hin- und hergerechnet, bekannte der SSG-Chef. Herausgekommen sei letztendlich eine Insellösung für die vier bereits existierenden und den hinzukommenden neuen Wohnblock.
Die sogenannte Grundlastabdeckung mit Wärme würde demnach über ein Blockheizkraftwerk erfolgen, das zusätzlich noch Strom liefert. Diese Kraft-Wärme-Kopplung hält der Stadtwerkechef derzeit für die effektivste Lösung, um den Ausstoß von Treibhausgas zu reduzieren, wie es die Klimaschutzziele der Stadt verlangen. Schließlich sei mit der Technologie ein deutlich geringerer Verlust verbunden als im herkömmlichen großen Kraftwerk, bei dem ein recht großer Teil der Ausbeute aus der Energie des Brennstoffs verpufft. Für Kraft-Wärme-Kopplung stellte Gagel die Verluste mit rund elf Prozent dar. Jeweils mehr als 40 Prozent würden als Wärme oder Strom verfügbar.
Für die rund 180 Wohnungen in den SWG-Bauten in der Lindenpromenade wird der Wärmebedarf mit gut 900 000 Kilowattstunden im Jahr angegeben. Nur etwa die Hälfte davon soll indes das BHKW liefern, weil beispielsweise im Sommer weit weniger Wärmebedarf ist. "Spitzenlasten" würden mit zwei zusätzlich zu installierenden Gas-Brennwert-Geräten bedient.
Für die im BHKW ebenfalls anfallenden etwa 260 000 Kilowattstunden elektrische Energie pro Jahr kann sich der Stadtwerke-chef ein Mieterstrommodell vorstellen. Die Energie gelangt von der Erzeugeranlage ohne Nutzung anderer Stromnetze zum Verbraucher. Die Bewohner könnten so von günstigeren Preisen profitieren - "ein Kundenbindungselement", hob er hervor. Die genannte Strommenge werde allerdings nicht für alle Bewohner reichen, kündigte er bereits an.
Wie Gagel sagte, soll das Projekt nicht das Einzige derartige im Stadtgebiet bleiben. Man werde prüfen, ob so etwas an anderer Stelle wiederholt werden könne. Die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau meldete jedenfalls schon einmal Interesse an, ihre beiden Blöcke an der Ecke Landhaus-/Paul-Singer-Straße mit an die Heizzentrale für die Lindenpromenade anschließen zu lassen.
Kleinere BHKWs näher an den Kunden hält Gagel für die Zukunft der Wärmeversorgung. So könnten existierende Netze weiter genutzt, aber Leitungsverluste gesenkt werden. Er kündigte eine Überarbeitung des Fernwärmekonzepts für die Stadt an.
Das neue BHKW würde sich auch in der CO2-Bilanz für die Stadt niederschlagen: Durch die Investition wird mit einer Einsparung von jährlich ca. 131 Tonnen Treibhausgas gerechnet.