Heinz Thielbeer war sehr skeptisch, ob seine Mannschaft in Strausberg wirklich gut aussehen würde. Der heute 75-Jährige ist seit vielen Jahren Betreuer beim Brandenburger SC Süd und hatte am 2. Juni 1964 bei Motor Babelsberg angefangen. "Ich hoffe, dass wenigstens ein Unentschieden herausspringen wird." Seine Hoffnungen erfüllten sich nicht ganz, obwohl es nach der ersten Halbzeit ganz nach einem Brandenburger Sieg aussah
"Das war das Schlechteste, was ich bisher von meiner Mannschaft, in der Zeit, in der ich hier Trainer bin, gesehen habe", schimpfte Strausbergs Trainer Steve Georges nach der ersten Halbzeit. Und damit lag es absolut richtig. Strausberg spielte zunächst ohne Mut und Ideen. Deutlich war zu spüren, dass mit Tobias Lindner und Tom Hagel zwei wichtige Offensivspieler nicht dabei waren. Dabei hatte der Gastgeber Glück, dass Brandenburg seine Chancen nicht nutzte und nur mit einer 1:0-Führung in die Halbzeitpause ging.
Den Brandenburger Führungstreffer erzielte Mike Bütterich. Es war ein Schuss mit dem linken Fuß - völlig überraschend für die Strausberger Abwehr und wohl auch für Torhüter Timo Hampf. Strausberg blieb, wenn überhaupt, durch sogenannte Standards gefährlich. Mit den Ecken und weiten Einwürfen von Strausbergs Tim Bolte kamen die groß gewachsenen Abwehrspieler aus Brandenburg immer ein wenig in Schwierigkeiten.
Nach dem Führungstreffer hatten die Gäste die Partie aber im Griff und waren vor allem mit Kontern über Alexander Eirich gefährlich. Strausberg fand einfach kein Mittel, um gegen die gut gestaffelte Abwehr der Gäste anzukämpfen. "Nach dem ersten Durchgang habe ich meine Männer gewarnt, dass Strausberg nicht noch eine so schlechte Halbzeit spielen würde", erklärte Brandenburgs Trainer Sven Thoß und ergänzte enttäuscht, "aber offensichtlich hört mir keiner zu." In der Pause hatte Georges seinen Männern offensichtlich deutlich den Kopf gewaschen und gleich mehrere Umstellungen vorgenommen. "Wir haben nicht das System, sondern nur einige Positionen verändert." Nach Ecke von Tim Bolte war Pablo Iles Cruz mit dem Kopf zur Stelle. Das 2:1 besorgte Tobias Wolfram, der nach einem Schuss von Marc Reichel abstauben konnte.
Das 3:1 köpfte Oliver Mertins nach Ecke von Bolte. Spannend wurde es noch mal, als der eingewechselte René Goerisch zum Anschlusstreffer einschoss. Nach einem Einwurf der Brandenburger hatte die Strausberger Abwehr offensichtlich eine Schaltpause. Goerisch konnte unbedrängt einschießen. Schon vorher hatte sich angedeutet, dass die Brandenburger die Partie noch nicht ganz aufgegeben hatten. Gleich zweimal konnte Timo Hampf großartig parieren.
Es blieb beim 3:2 für Strausberg und Trainer Sven Thoß sagte sichtlich angefressen nach Spielschluss: "Offensichtlich haben einige meiner Männer die Saison abgehakt. Wir hätten heute mit einem Dreier den Klassenerhalt besiegeln können. Nach der Niederlage gegen Schöneiche wird das nun noch einmal vertagt."
Alles in allem war der Sieg der Strausberger verdient. "In der zweiten Halbzeit haben meine Männer dann wieder so gespielt, wie ich mir erfolgreichen Fußball vorstelle. Abgesehen von einer Phase, in der wir nicht ganz so konzentriert waren, gab es wieder die Pässe in die Tiefe und das frühe Angreifen von uns zu sehen."
Am Rand sei noch bemerkt, dass Schiedsrichter Florian Lechner eine unauffällige und somit gute Partie machte. Er lag mit seinen Entscheidungen meist richtig und ließ kaum große Hektik in einem umkämpfen und für beide Mannschaften wichtigen Spiel aufkommen.
FC Strausberg: Hampf - Mertins, Anton, Wenzel, Krause (46. Vulu) (90. Rolke)  - Bolte - Reichel, Neumann, Cruz, Wolfram (88. Guggenberger) - Kretzschmar
Tore: 0:1 Bütterich (14.), 1:1 Cruz (49.), 2:1 Wolfram (56.), 3:1 Mertins (69.), 3:2 Goerisch (79. ) - Schiedsrichter: Florian Lechner (Neuburg) - Zuschauer: 124