"Cyanotypie. Damit werde ich antreten", sagt Kirsten Lauritsen. Cyano... Was? "Cyanotypie. Dabei handelt es sich um die Ur-Form der Fotoentwicklung", antwortet die 49-Jährige, die seit elf Jahren am Heinitz-Gymnasium lehrt. Die Biologie- und Chemielehrerin beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit der Cyanotypie, also lichtinduzierten Reaktionen auf Papier, die es ermöglichen, Bilder mit Hilfe der Sonne zu entwickeln.
In ihrem gemütlichen Haus in Waldsieversdorf probt und entwickelt, verwirft und probiert sie in ihrem Labor im Souterrain. Seit Juni. Da hat sie die Zusage bekommen, als eine von wenigen Lehrern aus den neuen Bundesländern an diesem Auswahlverfahren teilnehmen zu dürfen. Aus deren Mitte werden die interessantesten Projekte gekürt und sich diese Lehrer im Sommer 2015 in London international messen. "Die Idee, mich zu bewerben, hatte ich im vergangenen Jahr. Da fand in Frankfurt (Oder)/Slubice Science on Stage statt. Ich war begeistert, wie Kollegen, vor allem auch aus osteuropäischen Ländern, mit einfachsten Mitteln Stoff vermittelten. Einer hatte an einen Milchaufschäumer eine Strippe samt Gewicht gebunden und demonstrierte die stehende Welle. Das war einfach nur genial", erzählt die Mutter zweier erwachsener Kinder.
Bei der Cyanotypie werden rotes Blutlaugensalz und Ammoniumeisen-III-Citrat vermischt und eine Lösung hergestellt. Es entsteht ein grünliches Gemisch. Damit pinselt Kirsten Lauritsen beispielsweise Aquarellpapier ein. "Man kann auch Holz oder Leinwand nehmen oder verschiedene andere Papiersorten", sagt sie. Auf das eingestrichene Papier legt sie ein Fotonegativ, verklemmt das Ganze unter einer Glasscheibe. "Und den Rest erledigt die Sonne. Sie belichtet sozusagen diese lichtempfindliche Schicht. Chemisch gesehen, sorgt die Sonne mit ihrem Licht dafür, dass aus der Eisen-III-Verbindung eine Eisen-II-Verbindung wird", erklärt die Lehrerin, was da vor sich geht.
Tatsächlich. Nach etwa 20 Minuten in der Herbstsonne ist aus dem grünlichen Anstrich sogenanntes Berliner Blau geworden, und das Negativ ist zu erkennen. In diesem Fall hat sie die Rüdersdorfer Rumfordöfen verewigt. Das Papier muss in Wasser gründlich gespült werden, sonst würde die Chemikalie weiter reagieren.
Mit Hilfe verschiedener Zusätze wie etwa Tanninsäure und Ammoniak oder Eisensulfat kann dieses Berliner Blau eher ins Blau-Grüne oder ins Violette verfärbt werden. "Was ich zeige, ist, wie Fotos entstanden, bevor die Silbersalzfotografie aufkam. Letzterer Stoff ist aber so lichtempfindlich, dass die Bilder in absoluter Dunkelheit entwickelt werden mussten. Bei der Cyanotypie reichen abgedunkelte Räume. Das Ganze ist deshalb gut in Schulen anwendbar", sagt Kirsten Lauritsen.
In Vorbereitung des Wettbewerbs kommende Woche hat sie verschiedene Untergründe, Tönungen, Belichtungszeiten ausgetestet und dokumentiert. Entstanden sind verschiedene Bilder. Keines ist wie das Nächste. Mit Porträtfotos hat sie gearbeitet, aber auch den Industriedenkmalen in Rüdersdorf oder Landschaften. Sie wirken verwaschen, manche wie gemalt, andere grafisch. Genutzt hat sie dafür digitale Fotos, die sie mit Hilfe eines Computerprogramms in Schwarz-Weiß-Bilder umwandelt und invertiert, also Negative herstellt. Die werden auf Folie ausgedruckt. Und schon kann es losgehen. Aber auch Fotogramme sind möglich. Objekte wie etwa Blätter werden direkt auf die lichtempfindliche Schicht gelegt.