Nach MOZ-Informationen wurde Markus Derling am Dienstag im Aufsichtsrat der SWG als neuer Geschäftsführer der Gesellschaft vorgestellt. Derling wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern. Andreas Gagel, der seit der Kündigung von Mathias Wegner-Repke als Alleingeschäftsführer der SWG fungiert, bestätigte die Personalie. Gagel ist Geschäftsführer des Stadtkonzerns – der Strausberger Eisenbahn GmbH und aller ihrer Töchter. Zu der Holding-Gesellschaft gehören neben der SWG die Eisenbahn, der Flugplatz, der Sport- und Erholungspark und die Stadtwerke. Um die Last auf mehreren Schultern zu verteilen, will Gagel im Stadtkonzern drei Geschäftsführer installieren. Das Bewerbungsverfahren, sagt er, sei Ende November abgeschlossen worden. Die Sieger sollen nun der Reihe nach vorgestellt werden.
„Markus Derling hat im Auswahlverfahren sehr gut abgeschlossen. Er hat sich gegen acht weitere Bewerber durchgesetzt“, sagte Gagel. Offen ist damit noch, wer den Bereich Energie übernimmt, also Geschäftsführer der Stadtwerke wird, und wer künftig die Eisenbahn und den Flugplatz leitet. Dieser Geschäftsführer wäre im Stadtkonzern für den Bereich Verkehr und den kaufmännischen Part zuständig.
Markus Derling gehörte bis zu diesem Sommer 16 Jahre lang der Rathausspitze in Frankfurt an. Er kam 2002 aus Cottbus an die Oder. In der Stadtverwaltung war der studierte Bauingenieur zunächst als Kämmerer tätig. Mit der Wahl von Martin Wilke zum Oberbürgermeister im März 2010 war Derling als Dezernent beziehungsweise Beigeordneter für die Bereiche Kultur, Stadtentwicklung und Bauen zuständig und zwischenzeitlich Geschäftsführer der Messe und Veranstaltungs GmbH (MuV) mit ihrer Hauptspielstätte, dem Kleist Forum. Außerdem ist der 54-Jährige ehrenamtlicher Präsident des 1. FC Frankfurt. Bei der Oberbürgermeisterwahl im März unterlag er mit 14,1 Prozent zusammen mit drei weiteren Kandidaten dem Sieger René Wilke. In einem Gespräch mit der MOZ erklärte er im Juli, er stehe nun vor einer Neuorientierung. Möglicherweise gehe er in die Privatwirtschaft. Oder in die Kultur, die ihn unglaublich gepackt habe, wie er damals sagte.
Unabhängig von der nun gelösten Nachfolgefrage für die SWG-Geschäftsführung ist weiterhin offen, ob die Stadt tatsächlich die 90 Prozent Geschäftsanteile an der Wohnungsgesellschaft zurückfordert, die sie an die Strausberger Eisenbahn GmbH abgetreten hatte. Diesen Vorstoß hatte die Linken-Fraktion im Hauptausschuss gemacht – und dafür eine Mehrheit bekommen. Käme es so, würde es die Stadt „einen mittleren sechsstelligen Betrag“, die Stadtwerke 100 000 Euro und die anderen städtischen Gesellschaften eine ganze Liste angedachter und geplanter Projekte kosten, hatte Andreas Gagel vorgerechnet. Das letzte Wort sollten am vergangenen Donnerstag die Stadtverordneten haben. Doch dann zog Linken-Fraktionsvorsitzender Ronny Kühn mit der Begründung, es gebe eine neue Entwicklung, die Vorlage zurück. Er sei vom Bezirksvorsitzenden der Gewerkschaft Verdi angerufen und informiert worden, dass sich jetzt ein Konzernbetriebsrat für alle Unternehmensteile des Stadtkonzerns gegründet habe. „Wir sind gebeten worden, die Sache noch einmal gemeinsam zu erörtern“, sagte Kühn. Diese Gespräche wolle man erst abwarten. Er beantragte daher, die Beschlussvorlage auf die nächste Stadtverordnetensitzung zu vertagen. Sibylle Bock (SPD) sprach sich dafür aus, „heute darüber zu entscheiden“. Sie beantragte namentliche Abstimmung. Der Antrag auf Vertagung der Vorlage ging mit 14 Ja-Stimmen durch. Zwölf Stadtverordnete stimmten dagegen.
Unterdessen zeichnet sich ab, dass es zum Haushalt 2019 in diesem Jahr noch eine Sondersitzung der Stadtverordneten am 20. Dezember gibt. Bürgermeisterin Elke Stadeler hatte ihre Beschlussvorlage zur Satzung am Donnerstag zurückgezogen, weil es noch zu viele kurzfristige Änderungsvorschläge zum Etat mit bislang unklaren finanziellen Auswirkungen gab. Die Sitzung wird von der Linken-Fraktion beantragt.