Im Strausberger Rathaus standen die Telefone nach der Nachricht von Sigmund Jähns Tod nicht mehr still. Und auch in der Redaktion gingen in den vergangenen Tagen einige Anfragen ein, in welcher Form der erste Deutsche im Weltall geehrt werden soll.
Rücksprache gewünscht
Die Stadtverordnetenversammlung hat Strausbergs zweifachem Ehrenbürger in ihrer Sondersitzung kürzlich mit einer Schweigeminute gedacht, weiter sei bisher aber nichts geplant, sagt Stadtverordnetenvorsitzender Steffen Schuster (UfW/Pro ­Strausberg), den diverse Anfragen aus der Bevölkerung dazu erreicht haben. "Ich kann das auch verstehen, denn Sigmund Jähn war ein Sohn der Stadt und hochgradig beliebt. Es ist klar, dass die Bürger ihn geehrt sehen wollen", sagt Schuster. Einen "akuten Handlungsbedarf" sehe er aber nicht. "Wir sollten klug agieren und keinen Schnellschuss machen." Ob eine Straße oder ein Platz nach ihm benannt werden soll oder es eine Büste werde, all das wolle er gerne zunächst mit der Familie Sigmund Jähns absprechen. Auch Bürgermeisterin Elke Stadeler sieht "keinen Druck. Wir werden uns dazu nach einem angemessenen Zeitraum mit seiner Familie verständigen und schauen, was er gewollt hätte. Denn das kann nur seine Familie wissen", sagt sie. Erst danach könne das Thema "ruhig und sachlich" in der Politik diskutiert werden.
Sibylle Bock, Fraktionsvorsitzende der SPD, könnte sich vorstellen, "dass man eine Straße nach Sigmund Jähn benennt. Eine Ehrung würde die Stadt schmücken." Zunächst müsse man aber die Familie fragen und deren Rechte wahren. "Ich denke, dass sie in großem Schmerz ist und Zeit braucht, den Verlust zu verarbeiten." Welche Form der Ehrung es auch werde, sagt sie, "ich setze da voll auf Konsens".
"Eine Idee für eine Ehrung haben wir noch nicht", sagt Jens Knoblich, Vorsitzender der Fraktion "Zusammen für Strausberg". "Wir sind aufgeschlossen, wenn jemand mit einem guten Vorschlag kommt." Die Stadtverordneten hätten den allgemeinen Grundsatz, keine bestehenden Straßen umzubenennen, betont er. "Wenn, dann könnte man es bei einer neuen machen."
Die CDU-Fraktion sei sich einig, dass Sigmund Jähn eine anerkannte Persönlichkeit war, sowohl menschlich als auch als Wissenschaftler, sagt Vorsitzender Andreas Fuchs. "Wir sind offen für eine Ehrung, müssen sehen, was Sinn macht." Auch von Seiten der AfD gibt es noch keine Vorschläge, erklärt Fraktionschef Rainer Thiel. "Wir sind aber klar für eine Würdigung, Sigmund Jähn ist nicht umsonst Ehrenbürger der Stadt gewesen."
Die Linke habe "sehr wohl Ideen für eine Ehrung", erklärt Fraktionsmitglied Gregor Weiß. "Wir würden das aber gerne erst mit der Familie absprechen. Das gebietet die Höflichkeit. Sigmund Jähn war zwar ein sehr bescheidener Mann, aber das schließt eine Würdigung ja nicht aus", sagt er. Wenn von der Verwaltung nichts komme, gebe es in seiner Fraktion genügend Ideen, die über eine Straßenbenennung hinausgingen.
Fliegerstammtisch für Ehrung
"Es wäre sehr naheliegend, den Flugplatz nach Sigmund Jähn zu benennen", sagt Klaus Körner, der Sigmund Jähn bereits seit Anfang der Siebziger gut kannte. Einmal im Monat organisiert Körner den Fliegerstammtisch im Tower am Flugplatz – einen Zusammenschluss von an der Fliegerei Interessierten, darunter viele ehemalige Interflug- und Lufthansa-Kapitäne. Am Donnerstag verbrachten 25 von ihnen einen Stammtisch-Abend in Andenken an Sigmund Jähn – und waren sich einig, dass dieser eine Ehrung verdient hätte.
"Es ist der verständliche Wunsch vieler Strausberger, nicht nur in unserer Runde, den Namen Sigmund Jähn für immer im Alltag der Stadt zu erhalten", sagte Dieter Meusel, regelmäßiger Stammtisch-Gast und wie Körner gut mit Jähn bekannt. "Das würde auch seiner Bescheidenheit nicht widersprechen. Wir haben eine Verantwortung für kommende Generationen, etwas von ihm für die Öffentlichkeit zu bewahren. In diesem Jahr feiern wir 200 Jahre Fontane und reden über ihn. Es wäre schön, wenn in 200 Jahren auch noch über Sigmund Jähn geredet würde", sagt Meusel.

Flugplatz und Museum erinnern an Jähn


Am 11. Oktober veranstalten das Stadtmuseum und die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt auf dem Strausberger Flugplatz von 15 bis 17 Uhr eine Veranstaltung zum Thema "Begehung des Mars". Ulrich Köhler hält einen Vortrag dazu, Besucher können an einer virtuellen Mars-Begehung teilnehmen. Das Stadtmuseum und der Flugplatz nutzen den Nachmittag, um Sigmund Jähn nachträglich zu ehren und gemeinsam mit interessierten Strausberger Bürgern sein Lebenswerk zu würdigen. mst