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Margitta Mächtig stellt in Übergangswohnheimen für Flüchtlinge unterschiedliche Startbedingungen fest

Gleiche Standards gefordert

Schwierig zu verstehen: Vielen Flüchtlingen fällt es schwer, ein Formular richtig auszufüllen. Margitta Mächtig hilft hier während ihres mehrtägigen Praktikums dem Bewohner eines Übergangswohnheim dabei.
Schwierig zu verstehen: Vielen Flüchtlingen fällt es schwer, ein Formular richtig auszufüllen. Margitta Mächtig hilft hier während ihres mehrtägigen Praktikums dem Bewohner eines Übergangswohnheim dabei. © Foto: privat
Olav Schröder / 11.08.2016, 20:55 Uhr - Aktualisiert 11.08.2016, 20:56
Bernau/Eberswalde (MOZ) Die Einführung gleicher Standards für die Wohneinrichtungen für Flüchtlinge im Barnim hat die Biesenthaler Kommunalpolitikerin und Landtagsabgeordnete Margitta Mächtig (Linke) gefordert. Zuvor hatte sie eine Woche lang während eines Praktikums in Einrichtungen in Bernau und Eberswalde Erfahrungen vor Ort gesammelt.

Sowohl im Übergangswohnheim des Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks (EJF) in der ehemaligen Waldarbeitsschule in Bernau-Waldfrieden als auch im "Haus der Toleranz" des Berufsbildungsvereins in Eberswalde half Margitta Mächtig während dieser Woche mit und sammelte alltägliche Erfahrungen. Darüber hinaus besuchte sie das neu hergerichtete Haus für Neuankömmlinge in Joachimsthal zusammen mit der Barnimer Sozialdezernentin Silvia Ulonska, besuchte eine Einwohnerversammlung und sprach mit Mitarbeitern der Kreisverwaltung, die sich um Unterkunft und Arbeitsintegration kümmern.

"Die Unterschiede in den Konzepten der verschiedenen Einrichtungen sind erstaunlich", lautet das Fazit der Biesenthalerin nach Abschluss der fünf Tage. Daher sollten im Landkreis gleiche Standards entwickelt werden, ohne die einzelnen Einrichtungen zu vereinnahmen. Besonders wichtig sei bereits die Verteilung der Flüchtlinge nach ihrer Aufnahme im Landkreis. "Wer wohin geschickt wird, kann auch über die weitere berufliche Integration eines Flüchtlings entscheiden", sagt Margitta Mächtig. Dabei gehe es um die Frage, an welchen Standorten welche Ausbildungs- und Arbeitsangebote verfestigt werden sollen und wie die Koordination dieses Prozesses verbessert werden könne. Der Berufsbildungsverein Eberswalde, der Träger des "Hauses der Toleranz", habe bereits die Anerkennung als Kompetenzzentrum. Dort werden Tätigkeiten im Baubereich ebenso angeboten wie im Gastronomie- und Dienstleistungsbereich.

Darüber hinaus fehle es "an jeder Ecke" an klassisch ausgebildeten Integrationsbegleitern und Dolmetschern. "Die Folgen einer misslungenen Integration sind nachweisbar nicht nur teurer, sondern auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht hilfreich", so Margitta Mächtig. Der Bund müsse hier verstärkte Anstrengungen bei den materiellen, finanziellen und personellen Ressourcen unternehmen.

Das Aufgabenspektrum für einen Integrationsbegleiter sei vielfältig. Er müsse sich vor allem mit den unterschiedlichen Religionen auf der Welt auskennen. Ein solides geografisches und geopolitisches Grundwissen sei für ihn unerlässlich. So müssten sie sich mit dem Zusammenleben in den Familien in den unterschiedlichen Kulturen vertraut machen.

Bei den Dolmetschern gehe es nicht nur um Arabisch, sondern auch um Persisch, Portugisisch, Russisch oder Tigrinya, das in Eritrea gesprochen wird, möglicherweise bald auch Türkisch. Hochschulen oder Volkshochschulen hätten diese Herausforderungen noch nicht erkannt.

In den Wohnstätten unterstützte Margitta Mächtig die Mitarbeiter bei ihrer alltäglichen Arbeit. Wie sie in ihrem online-Tagebuch festhält, half sie beim Ausfüllen von Formularen, begleitete Neuankömmlinge ins Einwohneramt der Stadt Bernau, aktualisierte aktuelle Belegungslisten, die jeweils donnerstags an die Verwaltung übermittelt werden, erledigte kleinere Verschönerungsarbeiten, fertigte Stadtplanauszüge für einen Arztbesuch, stellte Telefonnummern zusammen oder druckte Fahrpläne aus. Dabei stellte sie fest, "dass der "von uns beschlossene Betreuungsschlüssel völlig unzureichend" sei.

Dass sie diese Woche gleich in zwei Einrichtungen unterwegs war, war nicht geplant. Zunächst war lediglich ein Praktikum in dem Bernauer Wohnheim vorgesehen. Am zweiten Tag sei ihr jedoch vom Träger der Einrichtung mitgeteilt worden, dass sie ihr Praktikum aus Datenschutzgründen nicht länger fortsetzen könne. Sie bedaure die Entscheidung, weil Politikern oftmals vorgeworfen werde, über Dinge zu urteilen, die sie nicht kennen.

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