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Linke wollen Hexen rehabilitieren

© Foto: MOZ/Sandra Dalk
Sabine Rakitin / 19.11.2016, 08:00 Uhr
Bernau (MOZ) Die Linken wollen Menschen, die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert in Bernau zu Unrecht der Hexerei bezichtigt wurden und dem zum Opfer fielen, von der Stadt rehabilitieren lassen. Doch sie stoßen mit ihrem Ansinnen bei den anderen Fraktionen auf wenig Verständnis.

Sören-Ole Gemski ist diplomierter Historiker. Er habe seit zwei Jahren "an dieser Sache gearbeitet", sagt der Linke-Stadtverordnete im Finanzausschuss. Es gehe nicht um eine juristische Rehabilitierung - "das können wir gar nicht" -, sondern um die moralische Rehabilitierung. "Es geht darum, deutlich zu machen, dass in dieser Stadt Unrecht geschehen ist und sich in all den Jahrhunderten niemand davon distanziert hat", sagt Gemski.

Dutzende Menschen sind in Bernau zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert der Hexerei bezichtigt worden. Die städtische Gerichtsbarkeit machte ihnen den Prozess, dann wurden die meisten auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die letzte Hexenverbrennung in Bernau soll 1772 stattgefunden haben.

Kaum hat Sören-Ole Gemski seine Ausführungen beendet, meldet sich Andreas Neue vom Bündnis für Bernau (BfB) zu Wort. "Was soll das? Haben wir keine anderen Sorgen?" fragt er, um so dann zu verkünden, dass er sich an der Abstimmung zum Antrag der Linken nicht beteiligen werde. Widerspruch kommt auch von Jürgen Althaus (SPD). Mit einer Rehabilitation würde er für eine Sache Verantwortung übernehmen, die Jahrhunderte her sei. "Das kann und will ich nicht", erklärt der Sozialdemokrat. Auch Randolph Hankel (CDU) findet das Anliegen der Linken "sehr weit hergeholt".

Doch Sören-Ole Gemski gibt nicht so schnell auf. Die Menschen seien damals diffamiert, verfolgt und getötet worden. "Diffamierung ist auch in unserer heutigen Zeit nicht ungewöhnlich", stellt er fest. Deshalb sei die Hexenverfolgung während der Renaissance "tatsächlich eine Sache, die sehr heutig und aktuell ist", glaubt der Historiker. Sein Fraktionskollege Harald Ueckert springt ihm zur Seite. Es sei dringend nötig, "das Geschichtsbewusstsein der Bernauer Bürger zu schärfen", findet der Schönower. Er zieht Parallelen zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft am Volkstrauertag in Ladeburg, an dem er teilgenommen hat. Die Menschen, die zu Unrecht als Hexen verbrannt wurden, seien auch Opfer von Gewaltherrschaft, argumentiert er.

"Der abstrakte Gedanke, mit der Rehabilitation zum Nachdenken anzuregen, ist nachvollziehbar", entgegnet der nach eigenen Aussagen geschichtsinteressierte Randolph Hankel. "Das anhand von Hexenverfolgung fest zu machen, halte ich allerdings für falsch", bekennt er. Unter Umständen gebe sich die Stadt damit der Lächerlichkeit preis.

Den Ausschussvorsitzenden Daniel Sauer (CDU) stört nicht nur, dass die Linken davon sprechen "Unrecht durchleuchten" zu wollen. "Dafür ist Ihre Fraktion ja nun nicht gerade prädestiniert...", bemerkt er mit Blick auf die DDR und die Rolle, die die Vorläuferpartei SED damals spielte. Er möchte gern wissen, wofür die Linken 2000 Euro von der Stadt haben wollen. "Welches Konzept steht dahinter?", fragt Sauer. Überhaupt: "Seit wann fördert die Stadt Projekte von Parteien?"

Die 2000 Euro seien eher "eine theoretische Größe", antwortet Sören-Ole Gemski. Man wolle eine Ausstellung zu dem Thema zeigen, eine Podiumsdiskussion organisieren, "und auf jeden Fall wird es eine Broschüre geben", zählt er auf.

Seit dem Jahre 2005 steht an der Stadtmauer ein Denkmal, dass an die Opfer der Hexenverfolgung in Bernau erinnert. In ganz Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern gebe es eine Bewegung, in der Städte, die in ihrer neuzeitlichen Historie Hexenverfolgungen zu verzeichnen hatten, die Opfer per Beschluss ihrer kommunalen Vertretungen symbolisch rehabilitiert haben, erklärt Sören-Ole Gemski. Es sei an der Zeit, sich dieser Bewegung anzuschließen "und auch einen formellen Schritt zu tun, um mit einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung Bernau die Opfer der Hexenverfolgungen in unserer Stadt zu rehabilitieren", findet seine Fraktion.

Nur knapp entscheidet sie im Finanzausschuss die Abstimmung für sich. In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag dürfte die Debatte weiter gehen.

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Hasso Isenhagen 21.11.2016 - 08:34:58

ja natürlich,

und was eine Pöbelei ist bestimmt der Hausherr über das Hausrecht, einfach lächerlich, diese Argumentation, wenn der zukünftige Bundespräsident den zukünftigen Präsidenten der USA einen Haßprediger nennt, dann ist das eine Pöbelei die von den Medien noch befeuert wird. Nee, Presse- und Redefreiheit gibts nur für die Eigentümer der Medien und ihre Handlanger selbst.

Harald Meier 21.11.2016 - 07:56:50

Pöbeleien ...

... sind nicht vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt! Bei vielen ist dies immer noch nicht im Kopf angekommen.

Hasso Isenhagen 21.11.2016 - 07:13:41

Löschorgie am Sonntag

ja, genau so war es, es wurde alles gelöscht was irgendwie kritisch gegenüber der MOZ aussah. Da zeigt sich was Redefreiheit und Pressefreiheit bedeuten. Pressefreiheit ist ganz klar die Ausübung des Hausrechts durch Löschen unliebsamer Kommentare in der MOZ durch den Zeitungseigentümer und seine Handlanger. Und Redefreiheit gibt es nur im eigenen Keller wenn keiner zuhört.

Michael Schmidt 20.11.2016 - 21:06:12

@Klaus Bärbel

nehmen sie es mir bitte nicht übel, aber lassen sie das mit der Gender- Schwachsinn- Schreibweise! Diesen Müll braucht keiner! Es gibt schon genug Sekten in Deutschland, wie Scientology usw. so dass man diese Sektenbewegung, die sämtliche naturwissenschaftlichen Lehren ablehnen und wie die kath. Kirche im Mittelalter, die Evolution abstreiten. Wenn man Genter will, muss man ganz schön mit dem Klammerbeutel gepudert sein! :)

Piet Pritt 20.11.2016 - 19:45:11

Löschorgie am Sonntag

... unglaublich, was hier los ist. Was für einen Schülerpraktikanten hat man denn heute zum Löschdienst eingeteilt ...?

Norbert Wesenberg 19.11.2016 - 18:45:05

Linke wollen Hexen rehabilitieren?

Genosse Søren Ole Gemski der seit 1975 in der SED war sollte sich lieber fragen, warum sich seine Partei nach 1989 nicht für die Rehabilitierung ihrer Opfer eingesetzt hat. Historiker die auf dem linken Auge blind sind und nur im 17. und 18. Jahrhundert herumkramen kann niemand gebrauchen.

Dieter Sauer 19.11.2016 - 17:57:07

„Dann müssen sich Hänsel und Gretel aber auch für das Verbrennen der bösen Hexe entschuldigen!“

Solange die Menschheit existiert gibt es Gewalt und Unrecht, das ist auch heute so. Muss die heutige Generation alle Schuld aus der Geschichte auf sich nehmen? Das Rad der Geschichte kann man nicht zurückdrehen oder anders ausgedrückt, was in grauer Vorzeit geschehen ist, kann man nicht rückgängig machen. Wir, die Nachkriegsgeneration, lebten ständig mit der Schuld der Gräuel, die die Naziherrschaft über Europa gebracht hat. Uns wurde jedweder Nationalstolz verboten. Die angepassten DDR-Bürger mussten dann nach der Wende über 25 Jahre lang dafür gerade stehen dass sie unter der „Stasiherrschaft“ lebten. Der Bürger braucht aber ein wenig Nationalstolz damit er sich der Gesellschaft, in der er lebt, zugehörig fühlen kann. Geschieht heute vielleicht kein Unrecht in unserem Land und unserer Stadt? Die Altanschließerproblematik hat viel Unfrieden in unserer Stadt gesät. Trotz Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist auch Die Linke nicht in der Lage auf die betroffenen Bürger zuzugehen und eine Mitschuld anzuerkennen. Wenn man Protestler per se als Außenseiter stigmatisiert und in die rechte Ecke verweist, bereitet man den Boden, auf dem rechtes Gedankengut gedeihen kann. Die Linke sollte ihren Antrag nochmals überdenken.

Hans Aalbrunn 19.11.2016 - 15:57:04

Unglaublich...

...verstärkt allerdings meine Überzeugung, dass es mal wieder an der Zeit ist, mit „Fackeln und Mistgabeln durchs Dorf” zu ziehen.

Klaus Bärbel 19.11.2016 - 12:58:40

Nach dem mein erster Kommentar

hierzu in den Därmen des politisch Korrekten verschwand vielleicht so: Hätte es politisch korrekt nicht "Hex*innen heissen müssen? Nachdem die steigende Armut in der Bevölkerung die angeblichen Linken weit weniger zu interessieren scheint, als der eigene Reichtum, muss doch das wenigstens sein. Schliesslich kümmern sich diese Gestalten ja auch um Papierkörb*innen! http://www.focus.de/politik/videos/reaktion-auf-beschlussvorlage-scannerin-und-staubsaugerin-linke-will-geschlechtsneutrale-arbeitsgeraete_id_5988270.html Schön, daß unsere sich reichlich von uns bezahlenlassenden Linken-Abgeordnete keinen anderen Problem haben.

Piet Pritt 19.11.2016 - 11:56:26

Linke wollen Hexen rehabilitieren

für mich ist das die Schlagzeile des Tages ;-) Gäbe es doch bloß Zeitreisemaschinen, dann würden die Linken ...

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