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Intrigantes Spiel um Macht, Geld und Liebe

Bei Hofe badet man im Geld und der Champagner fließt. Doch im Inneren brodelt es. Das spiel um Reichtum, Macht und Liebe führt in den menschlichen Abgrund.
Bei Hofe badet man im Geld und der Champagner fließt. Doch im Inneren brodelt es. Das spiel um Reichtum, Macht und Liebe führt in den menschlichen Abgrund. © Foto: Achilles
Stephan Achilles / 13.11.2016, 21:39 Uhr - Aktualisiert 14.11.2016, 11:24
Falkensee (MOZ) Wenn es draußen grau, kalt und nebelig wird, ist Theatersaison. Zeit auch für das Kleine Theater Falkensee, das neue Stück zu präsentieren, an dem die Ensemblemitglieder mehr als neun Monate geprobt und gearbeitet haben. "Don Karlos" von Friedrich Schiller steht auf dem Programm. Mit weniger gibt sich die Schauspielgruppe nicht zufrieden. "Natürlich möchten wir dem Publikum etwas bieten", sagt Theaterleiterin Katharina Kusch. "Wir stellen aber auch hohe Ansprüche an uns selbst und wählen unsere Stücke danach aus."

"Richtig toll spielen", lautet das selbst gesetzte Ziel. Auf dem Weg dahin hat man sich professionelle Unterstützung geholt. Theater.Redux heißt das Dramaturgie-Regie-Duo Sebastian Eggers und Sebastian Maihs. Dramaturg Eggers hat Schillers dramatisches Gedicht auf etwas weniger als zweieinhalb Stunden Spielzeit gekürzt, ohne dabei den Verlauf der Handlung und die Grundgedanken zu verfälschen. Regisseur Maihs lässt die Akteure zu Höchstform auflaufen und trägt selbst in der Rolle Philipps II. von Spanien zum Gelingen bei. Entstanden ist eine Mischung aus Politthriller, Liebes- und Familientragödie, die den Spannungsbogen bis zum dramatischen Schluss hält und keine Sekunde langweilt.

Don Karlos: Das neue Stück des Kleinen Theater Falkensee hat Premiere gefeiert...
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Kleines Theater mit neuem Stück

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Don Karlos, der Kronprinz und Sohn Philipps, begehrt gegen den Vater auf. Der hat ihm die Verlobte weggenommen und verweigert ihm die Teilnahme an verantwortungsvollen Staatsgeschäften. Ein früherer Freund, der Marquis von Posa, meldet sich und will Don Karlos für seine politischen Freiheitsideale gewinnen. Doch der Kronprinz strebt nur nach der Liebe seiner Ex-Verlobten, die jetzt seine Stiefmutter ist. Als Gegenspieler versuchen Herzog von Alba und Domingo, Beichtvater des Königs, den Herrscher zu beeinflussen. Dabei bedienen sie sich der Prinzessin von Eboli, die es wiederum auf Don Karlos abgesehen hat. Der schicksalhaft unglückliche Verlauf führt unabwendbar in die Katastrophe. Großartig verkörpert Sebastian Maihs den von Staatsverantwortung, Macht und Intrigen gebeutelten König Philipp, der sein despotisches Machtverständnis weder gegenüber seinem Volk noch der eigenen Familie ablegen kann. Phileas Heim gelingt die tragische Figur des Don Karlos überzeugend. Vom Vater ebenso zurückgewiesen, wie auch von der innerlich zerrissenen aber vom Pflichtbewusstsein gehaltenen Königin (sehr eindrucksvoll gespielt von Katharina Kusch), verzweifelt er an der Situation und den Gegenspielern Alba und Domingo. Die finsteren, machtgierigen Intriganten, dargestellt von Joseph Birke und Anke Gutendorf, scheinen stets präsent zu sein, obwohl sie sich nie richtig in den Vordergrund bewegen. Sie ziehen durch das Stück, schaffen Misstrauen, schüren Ängste und Zwietracht. Steffi Schieferdecker überzeugt in der tragischen Rolle der Prinzessin von Eboli. Beeindruckend verkörpert Christoph Birke den Maquis von Posa. Angetreten für die Ideale der Aufklärung und politischer Freiheiten, kann auch er der Korruption nicht widerstehen und wird zum tragischen Helden der Geschichte. Das Gespräch zwischen König und Posa gehört zu den beeindruckendsten Szenen, ebenso wie die Schlussszene mit der großartigen Gesine Falke als Großinquisitor. Die Ausstattung ist einfach aber genial. Zusammen mit dem Team hat Stylistin Christina Sellenthin ganze Arbeit geleistet. Moderne Kostüme, passend bis ins Detail, transportieren die Geschichte in das Heute und Jetzt. Die Kulisse: Ein einfarbiger Hintergrund und Geldscheine. Letztere sind allgegenwärtig. Sie wirbeln durch den Raum, bedecken den Fußboden, werden in die Taschen und Kleider gestopft oder im Koffer weggetragen. Denn darum geht es: Geld, übermäßiger Reichtum, rücksichtslose Interessen, despotische Macht. Sie schaffen mitleidslose menschliche Kälte, verderben und zerstören alles Gute, führen unweigerlich in die Katastrophe. Das neue Stück des Kleinen Theaters wird noch am 18., 19. und 21. November im Kulturhaus Johannes R. Becher in Falkensee gegeben. Spannende Unterhaltung und erstklassiges Theater sind garantiert.

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