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Neues Projekt des Fürstenberger Vereins "Havel:Lab" ermutigt Schüler zu sinnvoller Arbeit am PC

Im Versteh-Bahnhof geht die Post ab

Ding aus einer anderen Welt: Für die AG nutzt Daniel Domscheit-Berg Mini-PC, die Schüler programmieren können.
Ding aus einer anderen Welt: Für die AG nutzt Daniel Domscheit-Berg Mini-PC, die Schüler programmieren können. © Foto: GZ/Thomas Pilz
Thomas Pilz / 21.01.2018, 08:43 Uhr
Fürstenberg (GRA) Ältere Zeitgenossen - einschließlich des Chronisten - verstehen nur Bahnhof, wenn es um abstrakte Probleme der Computertechnik geht. Doch auch Jüngere nutzen das Smartphone und ähnliche Gerätschaften oft ausschließlich zum Konsumieren.

Die Akteure des Fürstenberger Projektes Versteh-Bahnhof des Vereins "Havel:lab.e.V." finden sich damit nicht ab. In der Gewissheit, dass Wissen vor allem jungen Menschen Chancen in dieser Gesellschaft eröffnet, vermitteln Daniel Domscheit-Berg und weitere Vereinsmitglieder in der Wasserstadt digitale Kenntnisse - derzeit noch an der Grundschule im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft (AG), möglicherweise demnächst schon im Bahnhof der Wasserstadt.

Der Grund: Bahnhofs-Eigentümer Dr. Tim Lehmann begrüßte das Projekt von Anfang an, hob den Verein mit aus der Taufe und bot die ehemalige Schalterhalle als Veranstaltungsort an - "allerdings ist das gesamte Vorhaben samt Konzept ausschließlich mein Baby", betont Domscheit-Berg.

Alles andere als ein Nerd ist er, vielmehr gilt Domscheit-Berg spätestens seit den Wikileaks-Enthüllungen als Computer-Experte von Weltruf. Gemeinsam mit seiner Frau Anke Domscheit-Berg, die für die Linke im Bundestag sitzt, versteht er sich als politisch denkender - und vor allem handelnder Mensch. Was macht er aber mit den Schülern in der AG? "Kinder sind grundsätzlich neugierig, das ist gesund und soll im Rahmen der Arbeit mit Computern möglichst kanalisiert werden für gesellschaftlich nützliche Zwecke", erklärt der Wahl-Fürstenberger. Spaß soll es den Kindern machen, kreativ zu arbeiten, um die Welt besser zu machen, skizziert der Experte. Thema Fürstenberg B 96: Die AG schuf vor Weihnachten einen Feinstaub-Sensor, der die Umweltbelastung für die Passanten und Anwohner an der Bundesstraße messen und protokollieren kann. In Anlehnung an die Überzeugung vieler Mitglieder auch des Chaos Computer Clubs (CCC) lautet das Motto in der AG: "Der PC ist das Ding, das uns zum Ding bringt." Spaß nicht zum Selbstzweck, sondern zur Lösung sozialer und gesellschaftlicher Probleme - denn Computer können den Weg dorthin spürbar abkürzen, so lautet die Überzeugung auch von Domscheit-Berg. Ein Schlüsselbegriff dafür kursiert inzwischen in den sozialen Medien: "Citizen Science", Bürgerwissenschaft, die der Gesellschaft nützt und von interessierten Laien betrieben wird. Zum Beispiel im Naturschutz oder beim Bewältigen sozialer Spannungen.

Seit sich das Ehepaar in der Wasserstadt niederließ, bemüht es sich, Brücken zu schlagen - ehrenamtlich engagiert es sich in der Flüchtlings-Initiative "Willkommen in Fürstenberg". Die Grundschul-AG zieht inzwischen weite Kreise: Daniel Domscheit-Berg kann sich vor "neugierigen Schülern, die 'was tun wollen" kaum retten. Deshalb zieht das Projekt dorthin, wo in jeder Hinsicht genügend Kapazitäten sind: in den Versteh-Bahnhof Fürstenberg. Zumal es sogar Berliner Schulklassen gibt, die den Versteh-Bahnhof nutzen wollen.

Der Landkreis muss die Umnutzung der Schalterhalle noch fachlich genehmigen. Wenn die Formalie bewältigt ist, startet ein weiteres Projekt, das "Repair-Café", interessant vor allem für gelernte DDR-Bürger. Menschen können zusammenkommen, die beim Reparieren von Geräten wie Toaster und Staubsauger oder Lösen von Problemen einander helfen. "Der Austausch von Leistungen ersetzt das Geld", so die Vision.

Die Linke Fürstenberg fördert das Projekt Versteh-Bahnhof übrigens mit 250 Euro, wie der Linke-Stadtverordnete Manfred Saborowski mitteilte. "Die digitale Bildung der Kinder unterstützen wir selbstverständlich."

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