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Weihnachten auf der Baustelle

Nehmen es mit Spaß: Simone Birkenhagen und Wolfgang Heidenreich haben sich für ein Foto vom Weihnachtsfest ihre Bauhelme aufgesetzt. Die befreundeten Nachbarn wohnen im Julian-Marchlewski-Ring in dem Haus, von dem gerade zwei Etagen und ganze Hausaufgänge
Nehmen es mit Spaß: Simone Birkenhagen und Wolfgang Heidenreich haben sich für ein Foto vom Weihnachtsfest ihre Bauhelme aufgesetzt. Die befreundeten Nachbarn wohnen im Julian-Marchlewski-Ring in dem Haus, von dem gerade zwei Etagen und ganze Hausaufgänge © Foto: MOZ/Michael Dietrich
Michael Dietrich / 27.12.2016, 22:06 Uhr
Schwedt (MOZ) Weihnachten wird für Simone Birkenhagen und Wolfgang Heidenreich in prägender Erinnerung bleiben. Das befreundete Paar feierte das Fest mitten auf einer Baustelle, umgeben von Gerüsten, Kränen, Abrissschutt und 100 leergezogenen Wohnungen.

Für Leute mit schwachen Nerven und notorische Meckerer wäre das freilich nichts. Was Simone Birkenhagen und Wolfgang Heidenreich sich zutrauen, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie bleiben in ihren Wohnungen wohnen, obwohl diese sich für knapp zwei Jahre mitten auf einer Baustelle befinden, natürlich auch über Weihnachten.

Ihr Haus im Julian-Marchlewskiring wird gerade zu großen Teilen abgerissen und massiv umgebaut. Bauarbeiter reißen Dämmung und Balkone ab, die obersten zwei Etagen werden komplett abgetragen, Arbeiter schlagen nebenan Zwischenwände und Bäder mit dem Vorschlaghämmern ein. Ein Mini-Radlader scharrt auf der Decke über dem dritten Geschoss den Schutt zusammen. Und inmitten dieser Großbaustelle zünden sich Simone Birkenhagen und Wolfgang Heidenreich zwei Kerzen in einer ihrer Wohnungen an und trinken zusammen einen Milchkaffee.

Beide wirken entspannt, lachen und scherzen. Von blankliegenden Nerven oder traumatisiertenNervenbündeln keine Spur. "Bisher ging das alles. So laut, dass man fliehen musste, war es noch gar nicht", erzählt Wolfgang Heidenreich. "Als die Wohnbauten für uns kein passendes Angebot zum Umziehen fanden, haben wir uns entschlossen, dass wir das hier durchziehen, irgendwie wird es schon gehen, dachten wir uns. Bisher können wir auch nur Gutes sagen über den Vermieter und über die Bauleute", ergänzt Simone Birkenhagen.

Nur in drei der einst 80 Wohnungen im Julian-MarchlewskiRing brennt abends noch Licht. Die beiden Wohnungen des befreundeten Paares und ein paar Aufgänge weiter die Wohnung eines weiteren Paares. Alle anderen Mieter haben sich aus dem Staub gemacht. "Wir sind sogar erst kurz vorher hierher gezogen", sagt Simone Birkenhagen.

Wenige Monate vor der Entscheidung, dass die Clara-Zetkin-Straße abgerissen werden soll, waren sie dort eingezogen. Die Idee, nebeneinander zu ziehen, fanden beide so praktisch, dass sie nur umziehen wollten, wenn es wieder so eine Konstellation gibt. Und die gab es keine 100 Schritte entfernt: Im Umbauhaus der Wohnbauten im Marchlewskiring. Mit der Zusicherung, dass ihr alter Mietpreis nach dem Umbau weiter gilt, entschloss sich das Paar, die Bauzeit in Kauf zu nehmen. "Sind doch nur zwei Jahre Leute vom Bau hingegen müssen ihr ganzes Berufsleben lang bei Lärm, Staub, Wind und Wetter draußen arbeiten", zeigt Simone Birknhagen Verständnis.

Natürlich gibt es Einschränkungen. Briefkasten und Klingel hängen draußen am Bauzaun. Mit Besuch ist es schwierig. Während genau über ihrer Wohnung abgerissen wurde, mussten sie tagsüber in ein Zimmer im Camp wechseln. Und als es im November richtig kalt wurde, herrschten in der Wohnung nur 15 Grad Celsius. Klar, das Fehlen der Heizung der Nachbarn machte sich bemerkbar. Schnell hatte der Vermieter die Wände provisorisch gedämmt.

Über Weihnachten und Neujahr ruhten die Bauarbeiten, nur Sturm und Regen pfiffen durch den halb kahlen Bau.

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