Ein Vier-Personen-Haushalt mit einer 120-Liter-Abfalltonne muss für deren Entsorgung ab sofort nicht mehr rund 210 Euro bezahlen, sondern fast 228 Euro. Bei einem Ein-Personen-Haushalt mit einer 60-Liter-Tonne beläuft sich die absehbare Preissteigerung von knapp 82 Euro auf dann 88 Euro pro Jahr. Grundsätzlich dürften die Erhöhungen jeden Einwohner treffen, der hier gemeldet ist. Denn die Uckermark kommt mit der bisherigen Kostenkalkulation nicht mehr klar. Es fehlt an Geld. Nach Aussagen der Verwaltung steigen die Kosten der Abfallentsorgung für 2020 und 2021 um 1,5 Millionen Euro im Vergleich zu 2018/2019.
Höhere Mengen Sonderabfälle
Die Hintergründe sind differenziert. Nach Darstellung des Kreises führen mehrere Ursachen zur Anhebung der Gebühren. Zunächst schlägt die Einführung des Tarifs für den öffentlichen Dienst bei den Personalkosten zu Buche. Weiterhin fallen höhere Mengen bei Sonderabfällen an. Auch der neue Wertstoffhof in Templin treibt die Ausgaben in die Höhe. Und schließlich explodiert das Aufkommen an Garten- und Grünabfällen im Landkreis. Demgegenüber stehen sinkende Erlöse bei Altpapier, bei Altholz und Elektro-Schrott. Insgesamt also eine deutlich negative Entwicklung, obwohl das Mülltrennungssystem in Deutschland und das Recycling als mustergültig dargestellt werden.
Insgesamt beträgt die Kostenentwicklung zwölf Prozent. In anderen Landkreisen wie zum Beispiel im Barnim und in Märkisch Oderland soll sie noch höher liegen, informiert Frank Czeslick von der Kreisverwaltung. Untypisch in der Uckermark ist lediglich die "beispiellose Menge an Garten- und Parkabfällen", so Czeslick. Auch deren Entsorgung muss bezahlt werden. Noch ein Problem: Bei der Untersuchung der Abfallentsorgung hat eine Hausmüllanalyse zum Vorschein gebracht, dass gerade große Container häufig zu wenig ausgelastet sind. Der Füllgrad liegt demnach bei den 1100-Liter-Behältern, die vor allem in größeren Wohngebieten der Städte stehen, bei nur 70 Prozent und damit deutlich unter dem von kleineren Behältern. Der Kreis reagiert darauf mit einer wesentlich höheren Entleerungsgebühr. Damit würde sich die Umstellung auf kleinere Behälter lohnen.
Ab 2020 steigt die Grundgebühr von derzeit 2,23 Euro pro Person und Monat auf 2,50 Euro. Auch die Gebühr für die regelmäßige Abfuhr der kleineren Abfallbehälter wird angehoben. Geringfügige Änderungen gibt es auch bei der jährlichen Mietgebühr der Behälter.
"Wir mussten diesen Schritt gehen, weil sich schon in den Vorjahren eine Unterdeckung abgezeichnet hat", erklärt Frank Czeslick. Für die Bürger stelle sich die Abfallentsorgung aber immer noch komfortabel dar. Denn viele Leistungen seien über die Grundgebühr gedeckt und müssten nicht extra auf Recyclinghöfen bezahlt werden. Das wirke auch illegaler Abfallentsorgung entgegen.

Die Steigerungen im Vergleich


Ab 2020steigt die von jedem Einwohner zu zahlende Grundgebühr pro Monat von 2,23 Euro auf 2,50 Euro. Die Entleerungsgebühr wird angehoben bei 60-Liter-Behältern von 2,06 auf 2,16 Euro. Bei 80-Liter-Tonnen steigt der Preis von 2,75 auf 2,89 Euro. 120-Liter-Behälter kosten statt 3,89 Euro pro Entleerung nun 4,08 Euro. Der 1100-Liter-Container erhöht sich von 26,44 auf 34,63 Euro. os