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Islamistische Angriffe auf Christen: Die Lunten am Pulverfass Nigeria brennen

08.01.2012, 18:47 Uhr
Kapstadt/Abuja (dpa) Die Verzweiflung war Präsident Goodluck Jonathan fast anzusehen. Staatsmännisch vor der Flagge Nigerias sitzend, mit dem unvermeidlichen schwarzen Hut auf dem Kopf und mit ernster Miene appellierte er an sein Volk, das Land nicht weiter in die Krise zu treiben. "Dies sind keine einfachen Zeiten, aber es braucht harter Entscheidungen. Ich fühle Euren Schmerz, aber wir müssen handeln", beschwor er seine Landsleute in einer Fernsehansprache am Samstagabend.

Jonathan fürchtet neue soziale Unruhen, nachdem die Gewerkschaften wegen seines strikten Sparkurses und der Streichung von Benzin-Subventionen zum Generalstreik aufgerufen haben. Der seit 2010 amtierende Präsident ist in dem ölreichen Vielvölkerstaat, der etwa dreimal so groß ist wie Deutschland, plötzlich an mehreren politischen Fronten gefordert - manche fürchten sogar die Gefahr eines Bürgerkriegs. Denn die radikalislamische Sekte Boko Haram überzieht die Christen im Norden des Landes mit Terror, dem auch am Wochenende wieder viele Menschen zum Opfer fielen.

Nach der Verdoppelung des Benzinpreises brach sich vergangene Woche der Zorn der Menschen in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas seine Bahn. Die teilweise gewalttätigen Proteste offenbarten eine tief sitzende Unzufriedenheit der Bürger. Denn in dem an Bodenschätzen und fruchtbaren Böden enorm reichen Land leidet die Mehrheit der 150 Millionen Bürger nach wie vor unter bitterer Armut. Vor allem Korruption und Misswirtschaft verhindern seit Jahrzehnten eine wirtschaftliche Blüte des Landes.

Die von Weltbank und Internationalem Währungsfonds bejubelten Wachstumsraten der Wirtschaft kamen vor allem einer kleinen Minderheit im Land zu Gute. Jonathan will nun mit seinem Sparkurs Mittel für längst überfällige Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur freibekommen - die Bürger allerdings sehen erst mal nur Verschlechterungen ihrer Lebensbedingungen.

Auch der Konflikt im islamisch geprägten Norden hat teilweise ökonomische Hintergründe. Boko Haram nutzt den Unmut der Menschen über den Staat und das Gefühl der Benachteiligung gegenüber dem reicheren, christlich geprägten Süden Nigerias aus, um gegen Christen zu hetzen. Inzwischen nimmt der blutige Feldzug der Islamisten immer bedrohlichere Formen für die Zentralregierung an.

Auch eine Offensive der Sicherheitskräfte im Norden, die Verhängung von Ausnahmezustand und Ausgangssperren sowie interreligiöse Gesprächsforen haben weder neue Anschläge noch die Flucht tausender Christen aus dem Norden verhindern können. Aber auch aus dem Süden sollen bereits tausende von Muslimen aus Angst vor Vergeltungsangriffen von Christen nach Norden geflohen sein.

Nichts deutet darauf hin, dass die Sekte ihren Kampf aufgeben könnte. Ihrem Ultimatum vom Montag, demzufolge die Christen binnen drei Tagen den Norden verlassen sollten, hat sie blutige Taten folgen lassen. Etwa 30 Menschen fielen verschiedenen Anschlägen zum Opfer. Bereits an Weihnachten hatte der islamistische Terror etwa 50 Menschenleben gekostet.

Boko Haram, was übersetzt in etwa "Westliche Bildung ist verboten" heißt, bedroht zunehmend die Einheit des Landes mit seinen über 400 Völkern. Die Islamisten genießen manche Sympathien bei der sehr jungen Bevölkerung, die wenig Perspektiven zu haben glaubt. Boko Haram beeindruckte sie 2010 mit spektakulären Anschlägen - wie gegen die Hauptquartiere der Polizei sowie der Vereinten Nationen in der Hauptstadt Abuja.

Das Vertrauen in Staat und Ordnungskräfte ist in Nigeria traditionell nicht groß. Wie wenig die Regierung in Abuja das Land unter Kontrolle hat, zeigten vor kurzem auch blutige Stammesfehden im Süden des Landes. Im Streit um Land starben am 2. Januar in dem Ort Ezillo im südöstlichen Bundesstaat Ebonyi mehr als 50 Menschen.

Vor allem unter den 60 Millionen Christen im Land wächst die Unruhe. Die Kirchen werfen dem Oberhaupt der Moslems, dem Emir von Sokoto, vor, nicht eindeutig genug die Sekte als Terrororganisation zu geißeln. Der Präsident der Dachorganisation christlicher Kirchen Nigerias, Pastor Ayo Oritsejafor, erinnerte jetzt an die schlimmsten Zeiten in der Geschichte Nigerias, als nach der Sezession Biafras vor über 40 Jahren beim Bürgerkrieg über eine Million Menschen starben. Der Terror gegen Christen komme "ethnischen und religiösen Säuberungen" gleich.

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Siegfrie Müller 09.01.2012 - 13:59:38

Nicht nur in Nigeria, die Christenverfolgung nimmt weltweit

Zitat aus dem Kommentar „Der Terror gegen Christen komme "ethnischen und religiösen Säuberungen" gleich.“ Das Schema , das gerade in Nigeria abläuft und wahrscheinlich mit Erfolg abgeschlossen wird, zieht sich über die ganze Welt. Moslems „reinigen“ ihr Gebiet komplett von Andersgläubigen, lassen sich aber in den Gebieten der Andersgläubigen nieder und spielen sofort die Beleidigten, wenn das den verachteten Ungläubigen nicht gefällt. Das kann man an der Geschichte der Türkei oder Ägypten sehen, die von Nichtmoslems“ gereinigt“ wurde, was man Bevölkerungsaustausch nannte, aber in Wahrheit eine Vertreibung und ein Massenmord z. Bsp des armenischen Bevölkerungsteils ca. 1,5 Mill Menschen 1915-1917 war. Ich erinnere nur an die brutalen Anschläge vor Weihnachten auf die letzten paar verbliebenen Christen ,die Kopten in Ägypten. Irak darf auch nicht unerwähnt bleiben , wo Christen mit Terror gegen sie aus dem Land vertrieben werden. Auch auf den Philippinen geht es ähnlich zu. Im Süden Mindanaos haben sich die Abu Sayyaf festgebissen und vertreiben dort Christen bzw. kidnappen sie, um Lösegeld zu fordern. Aber andere Moslems machen sich gegen den Willen der Bevölkerung ungehindert in allen Gegenden der Philippinen breit. Frieden zwischen den Religionen ist wohl nur möglich. wenn es nicht um den Islam geht. Der Islam hat in seine Verfassung (Koran) den Nichtrespekt gegen Andersgläubige festgeschrieben und die Ungläubigen können nur dann Erfolg haben, wenn sie sich am Koran orientieren. Leider ist das bis zu unseren Politikern noch nicht durchgedrungen, die nennen es Toleranz oder Religionsfreiheit , was schamlos für expandierenden Zwecke ausgenutzt wird. „Die Demokratie ist nur der Zug ,auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen , die Minareete unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten . Quelle Tayyip Erdogan, Regierungschef der Türkei http://dewidipedia.org/wiki/Recp_Tayyip_Erdogan Hierzulande will man dem Islam mit der Nächstenliebe des Christentums begegnen und das Christentum gleichzeitig verteufeln, selbst wenn man das „C“ im Parteinamen trägt. Frau Böhmer , Integrationsstattsministerin als typische weltfremde Gutmenschenfrau versteht diese Gewalt- und Hasskultur als kulturelle Bereicherung. So sind halt unsere Gutmenschenträumer, die wir wählken. Die werden wir nicht ändern können, da es als IIdeolgie in Ihren Köpfen festgeschrieben ist Diese Ereignisse der Christenverfolgung auf der ganzen Welt erlauben uns eine Zeitreise in die Zukunft des „multikulturellen Europas” der Brüsseler Multikultifanatiker ? Wie sagte Dieter Nuhr “.Es ist ja vielen noch nicht klar, dass wenn wir mit denen wieder auf ne freundschaftliche Basis kommen wollen werden wir ums Konvertieren nicht herumkommen. Wird für die Frauen nicht ganz einfach, aber man gewöhnt sich an alles.”

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