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Eine neue Dimension des medialen Gigantismus

Uwe Stiehler
Uwe Stiehler © Foto: MOZ/Dietmar Horn
Uwe Stiehler / 29.10.2012, 19:41 Uhr
(MOZ) Als der Buchdrucker Carl Bertelsmann 1850 starb, hinterließ er einen bescheidenen Verlag mit einem guten Dutzend Angestellten. Heute beschäftigt das von ihm gegründete Unternehmen 100000 Mitarbeiter, mit denen Bertelsmann einen Umsatz von über 15 Milliarden Euro erwirtschaftet. In den vergangenen 150 Jahren ist Bertelsmann ununterbrochen gewachsen. Allein seit 1990 hat der Medienriese Mitarbeiterzahl und Umsatz mehr als verdoppelt. Und ist noch immer nicht satt.

Was Bertelsmann nun ins Auge fasst, ist die größte Fusion der Medienbranche, bei der der größte Verlag der Welt entstehen soll. Das Unternehmen aus Gütersloh will seine Random House Verlagsgruppe mit dem Penguin-Verlag von Pearson zusammenschmieden, um Kosten zu sparen natürlich. Die Manager versprechen sich außerdem von dieser Fusion, beim Geschäft mit den E-Books ganz vorn mitmischen zu können. Dass die Synergien genutzt werden sollen, um den Buchmarkt inhaltlich zu beleben, wurde allerdings in keiner Verlautbarung der beiden Unternehmen erklärt. Und da liegt das Problem dieser neuen Dimension des medialen Gigantismus.

Man könnte meinen, angesichts der Unzahl von Buchverlagen wären wir mit einer medialen Vielfalt gesegnet, die es so noch nie gegeben hat. Doch diese Buntheit ist trügerisch. Denn die ganze Branche konzentriert sich immer mehr auf wenige Großkonzerne. Eine Gesellschaft, die meint, der ganzen Welt Meinungsfreiheit vorleben zu können, kultiviert schon lange die Eintönigkeit als Geschäftsmodell. Allein unter dem Dach der von Bertelsmann geschluckten Random House Gruppe ducken sich weltweit 200 Verlage, hierzulande gehören 45 dazu. Und die meisten davon produzieren Bücher wie McDonald´s seine Burger: billig, schnell, leicht konsumierbar und ohne viel Geschmack. Der einzige Verlag, der sich von der Durchschnittlichkeit der Bertelsmann-Anhängsel abhebt, ist Luchterhand.

Willkommen in der Wirklichkeit, könnte man jetzt sagen: Ein Buch ist ein Produkt, kein heiliger Schrein. Und wie bei allen Produkten geht es auch bei Büchern um Effektivität. Das hat Bertelsmann-Chef Thomas Rabe jetzt verkündet. Umso befremdlicher ist die Vorstellung, in einen Buchladen zu laufen und zu fragen: Was bitteschön, ist ihr effektivster Roman?

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Dr. Peter Tiedke 30.10.2012 - 09:11:34

Wie kommt das bloß?

Hübsche Geißelung einer Erscheinung an der Oberfläche des Kulturgeschäftes. Interessanter wäre die Untersuchung der gesellschaftlichen Macht, die ein solches privates "Kultur"-Monopol ausübt, inclusive der angeschlossenen "Denkfabriken". Da muten doch die armseligen Versuche einer Regionalpartei, einzelne Sendungen zu beeinflussen, geradezu demokratisch an. Dr. Peter Tiedke 15328 Golzow

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