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Leistung und Verpflichtung

Caroline Strang
Caroline Strang © Foto: MOZ
Caroline Strang / 20.11.2012, 21:07 Uhr
(MOZ) Die Zahl klingt sehr hoch: Erstmals sind innerhalb eines Jahres mehr als eine Million Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger verhängt worden. Allerdings betreffen die Strafmaßnahmen gerade mal drei Prozent der Leistungsempfänger. Das ist der ermutigende Teil der Nachricht.

Auch ist positiv, dass der Anteil der Verweigerer unter Langzeitarbeitslosen gesunken ist. Mehr als zwei Drittel der Sanktionen wurden wegen Meldeversäumnissen ausgesprochen - Termine wurden nicht wahrgenommen. Besorgniserregend ist allerdings, dass laut Statistik vor allem junge Menschen ihre Beratungs- und Vorstellungsgespräche versäumen - viele wohl auch als Wiederholungstäter. Sie verspielen sich die Chancen auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt - und erhöhen die Gefahr einer "Hartz-IV-Biographie".

Auch wenn die Linke angesichts der Sanktionen von "gesetzlich verordneter Herzlosigkeit" spricht - wer als Arbeitsloser Leistungen bezieht, geht mit der Agentur für Arbeit einen Deal ein. Seine Pflicht ist, dass er zu Beratungsterminen geht, Bewerbungen schreibt und vermittelte Vorstellungsgespräche besucht. Für die eigene Zukunft.

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Social ICINESS 21.11.2012 - 19:52:49

Wenn kein Durchblick dann Information

96,8 Prozent der 4,35 Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Bezieher halten sich an die Gesetze. So und ähnlich hätten die Schlagzeilen lauten können und müssen, wenn unsere Medien ehrlich berichten würden und nicht auf herablassende Diffamierung der Hartz-IV-Bezieher aus wären. Stattdessen titelte die SZ: „Neuer Rekord: Jobcenter verhängen mehr als eine Million Hartz-IV-Sanktionen“. Inzwischen übernahmen alle, aber auch alle, die Meldung in dieser Form: Welt, Spiegel, Bild, Stern, Handelsblatt usw. Selbst die “taz” ist sich nicht zu schade und titelt: “Rekord bei Hartz-IV-Sanktionen. Strafe muss sein.” Die Aufmache der SZ wie auch die unkritische Übernahme durch andere Zeitungen ist skandalös. Rücksichtslos wird nach dem Titel gesucht, der die Aufmerksamkeit der Leser erregt. Es ist wahrlich nichts Neues, dass Schlagzeilen zugespitzt werden, die Diffamierung ganzer Bevölkerungsgruppen ist unverantwortlich. Freiwillige Gleichschaltung könnte man das nennen. Nun könnte man einwenden, dass in den Artikeln selbst die Schlagzeilen selbst relativiert werden. Aber wie hat bereits im Oktober, als die Bild-Zeitung mit einer ähnliche Meldung aufmachte, Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur, vermerkt: “Es sind genau solche Schlagzeilen über Sanktionen, die Vorurteile in der Bevölkerung verstärken. http://www.nachdenkseiten.de/?p=15197 Und so wird wieder einmal am großen Rad der Volksverhetzung gedreht. Glaubt im Ernst jemand, dass hier Lukas, 23, 33 gilt: ” … sie wissen nicht, was sie tun”. Hier wird durch eine schlichte Umschichtung einer relativ bedeutungslosen Zahl zumindest Material für Volksverhetzung geliefert. Und bald werden Politiker bei passender Gelegenheit (Wahlen) die Steilvorlage aufnehmen und wie weiland Wolfgang Clement absurden Missbrauchszahlen einbringen oder gar wie dieser Broschüren herausgeben, mit den Titel: “Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat”, darin die Rede war von Schmarotzen, Trittbrettfahrern, Abzockern und Parasiten. Möge es allen anderen die ganau so hetzen niemals treffen, erst dann werden sie erwachen wenn die anderen hetzen.

gutmensch 21.11.2012 - 18:03:36

@Bösmensch

wenn du meinst... beweise mir, dass wir in einer leistungsgesellschaft leben! leben wir eben nicht! die, die am härtesten und am längsten arbeiten, bekommen am wenigsten geld, oder ist das etwa falsch? bekennender gutmensch ist auch gut. aber anscheinend bin ich nicht zu allen menschen "gut"... naja, für deinen horizont kann ich ja nun auch nix...denken musste dann halt schon alleine! achso, links bin ich übrigens auch nicht, aber auch nicht rechts. solche denke ist mir dann zu eindimensional.... ich hoffe dein weltbild wird nicht zu arg erschüttert....

gutmensch 21.11.2012 - 15:06:04

parallelwelten?

"Richtig, ohne Leistung kein Geld! Alles andere ist Quatsch!" haha, der witz des jahres! wir scheinen in verschiedenen gesellschaften zu leben....das sein bestimmt eben doch das bewusstsein!

Edeltraud Lademann 21.11.2012 - 14:46:44

@ Renate Lehmann

Sie glauben bzw. beschränken sich auf die Statistik? Ach so. Wissen Sie auch, wie "Meldeversäumnisse" von "Wiederholungstätern" zustande kommen können? Reicht Ihre Phantasie nicht aus, dass Sie sich vorstellen könnten, dass gedemütigte Menschen depressiv oder zumindest mutlos werden, nicht mehr an sich und ihre Zukunft glauben können, bei all diesen Schikanen, denen sie auf dem Amt gesetzeskonform ausgesetzt sind? Diese naive Vorstellung von der Zukunft, die die Journalistin Strang suggeriert, ist eine Zumutung für betroffene Leser. "es ging hier weder um die gesamte Wirtschafts- oder Arbeitsmarktlage, noch um das Bankensystem... Frau Strang hat lediglich geäußert...." Frau Lehmann, dann haben Sie die Situation nicht erfasst. In diesen von den Kommentatoren erwähnten Zusammenhängen müssen Sie denken, um begreifen zu können. Es geht immer vorrangig um Einsparungen bei den Betroffenen. Das wird sogar fürstlich belohnt, diese Lohndupingspirale zu bedienen.

Günther Sommer 21.11.2012 - 13:56:44

@ Frau Lehmann

Richtig, ohne Leistung kein Geld! Alles andere ist Quatsch!

Renate Lehmann 21.11.2012 - 12:47:53

Rechnerisch...

... kommt man dann auf 3%, wenn eben nur 84.000 Arbeitslose sanktioniert wurden... das dann aber durchschnittlich jeweils 12mal in einem Jahr... scheint mir persönlich auch etwas unwahrscheinlich... Ansonsten verstehe ich die meisten Kommentare hier nicht... es ging hier weder um die gesamte Wirtschafts- oder Arbeitsmarktlage, noch um das Bankensystem... Frau Strang hat lediglich geäußert, daß sie es richtig findet, wenn jemand sanktioniert wird, der unentschuldigt vereinbarten Terminen fernbleibt. Hallloooo??? Wer als Arbeitnehmer unentschuldigt seinem Dienst fernbleibt, wird genauso sanktioniert... im Zweifel durch eine fristlose Kündigung... wozu also die ganze Aufregung hier???

Reimund Arbeitslos 21.11.2012 - 12:16:46

84.000 Verweigerer von 2,8 Millionen = 3%

Der entscheidende Satz lautet: "Allerdings betreffen die Strafmaßnahmen gerade mal drei Prozent der Leistungsempfänger." Drei Prozent von 2,8 Millionen Leistungsempfänger entsprechen somit 84.000 ALG2-Empfänger. Diese 84.000 Menschen erlauben sich im Jahr offenbar mehrere Versäumnisse, so dass sich alle ihre Versäumnisse auf 1 Million addieren. Statistisch bedeutet dies, dass jeder der 84.000 Verweigerer sich durchschnittlich 12 mal im Jahr verweigert hat! Dass wäre sehr heftig = in jedem Monat eine Verweigerung! Da zeigt sich ein brisantes soziales Problem, das demnächst flächendeckend explodieren wird. Entweder ignorieren diese 84.000 mehrere Jobcenter-Termine oder sie ignorieren diverse Bewerbungsvorschläge der Jobcenter. Somit "verderben" 84.000 Hartzer die schöne Statistik! Wir brauchen für diese Verweigerer unbedingt 84.000 Urlaubsplätze im Südpazifik (Antarktis), damit unser aller Arbeitslosen-Statistik wieder schick aussieht!!!

Nurmut 21.11.2012 - 12:06:27

@ Nobert Rost

Prima Kommentar!. Toller Link. Danke

Angelika Fricke 21.11.2012 - 11:58:11

unverschämtheit

Ihr Artiekl ist eine unverschämtheit! ich hoffe, Ihnen vergeht irgendwann ihr Grinsen bei dem Thema.

gutmensch 21.11.2012 - 11:11:23

wahrscheinlich...

...bin ich zu doof, aber mir müsste mal jemand erklären, wie man bei 2,8 millionen arbeitslosen und einer millionen sanktionen auf 3 prozent kommt.

Edeltraud Lademann 21.11.2012 - 10:57:54

Im Jahr 2011 rund 10.400 Totalsanktionen, Tendenz steigend!

Frau Caroline Strang, Sie sollten mal einen Selbstversuch als HartzIV-Bezieher machen, einen "Deal" mit dem Jobcenter, wie Sie es nennen. Sie glauben ja tatsächlich noch, dass Sie "Ihres Glückes eigener Schmied" sind. Da hätten Sie ´mal letzte Nacht den Anrufern bei Deutschlandradio Kultur zuhören sollen. In der einen Nachtstunde erfuhr ich von Zuständen und Erlebnisberichten, die mich hellwach machten, z.B. "Nullauszahlung am Ende der Sanktionskette ist versuchter Mord!" und " Wie früher z.B. die Sinti und Roma werden HartzIV-Empfänger ausgegrenzt, rechtlich gesondert behandelt und demnächst wohl auch wieder in Heimen zusammengepfercht getthoisiert."

Norbert Rost 21.11.2012 - 10:32:21

zu kurz gedacht

Stellen Sie sich vor, jemand würde beim Dumpinglohn nach zwei Stunden aufhören zu arbeiten oder langsamer arbeiten mit dem Hinweis: Mehr Leistung ist für das Geld nicht drin. Schließlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft. Anständige Leistung muss anständig bezahlt werden. Was meinen Sie, zu welcher Leistung Superreiche verpflichtet sind, wenn kapitalrenditen in Millionenhöhe kassiert werden? Was meinen Sie, wer dieses Geld das leistungslos zufließt erwirtschaften muss? Warum meinen Sie werden seit jahren Löhne gekürtzt und Reicher werden immer reicher? Könnten Sie sich Zusammenhänge vorstellen? Etwas Nachhilfeunterricht: http://www.youtube.com/watch?v=MLHpNLGGFGs

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