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Sonderbare Clubs mit zweifelhafter Außenwirkung

Christian Stiller
Christian Stiller © Foto: Heinz Köhler
Christian Stiller / 25.11.2012, 19:47 Uhr
(MOZ) Ehre, Freiheit, Vaterland - das sind derzeit nicht mehr die Werte, mit denen man in einer multikulturellen Gesellschaft punkten kann. Angesichts des Missbrauchs dieser Werte ist das auch verständlich. Ob hingegen die - mitunter krampfig verordneten - bunten Lebensentwürfe auf Dauer für eine Gesellschaft tragfähiger sind, mag dahingestellt sein.

Vereinigungen jedoch, die sich über Nation, Treue, und zünftige Trinkkultur sowie schmissige Mensuren definieren, wie die Burschenschaften, haben es schwer, in dieser Zeit ihren Platz zu finden. Erst recht, wenn man noch Mitglieder mit offen rechtsextremistischen Äußerungen in den eigenen Reihen versammelt, wie der gerade geschasste Chefredakteur der Verbandszeitung, Norbert Weidner. Interne Richtungskämpfe beschleunigen dabei den Prozess des Zerfalls. Davon konnte der Burschentag in Stuttgart wieder einmal ein eindrucksvolles Bild vermitteln.

Einst ist diese revolutionäre Studentenbewegung aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon hervorgegangen und kämpfte für politische Freiheit und nationale Einigung. Im Kaiserreich prägte sie das Establishement. Heute - so scheint es oft - sind es nur noch sonderbare Clubs mit zweifelhafter, mitunter rechtsextremer Außenwirkung. Derweil sind die einstigen politischen Ziele längst erfüllt - selbst die schon einmal verspielte Einheit ist wiederhergestellt. So wird denn auch die Mitgliederzahl in den rund 100 unter dem Dach der Deutschen Burschenschaft (DB) versammelten Verbände auf nur noch 10000 geschätzt - Tendenz sinkend. Die Zahl der aktuellen Studenten beläuft sich dagegen auf über 2,3 Millionen.

Jedoch scheint sich eine wachsende Zahl der Mitglieder mit dem rechtsextremistischen Trend, der im Vorstand maßgeblich von großdeutschen Phantasten österreichischer Burschenschaften forciert wird, nicht mehr abfinden zu wollen. Sollte auf dem nächsten Verbandstag die mittlerweile verfassungsfeindliche Aufnahmeregel der Deutschstämmigkeit nicht gelockert werden, was in vielen einzelnen Verbindungen längst der Fall ist, droht der DB eine Spaltung - eine abermalige. Denn auch die Flügelkämpfe haben in diesem sonderbaren Männer-Netzwerk Tradition, nur dass sie nun dessen Marginalisierung beschleunigen. Die Eliten stellen Burschenschaftler schon lange nicht mehr.

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abc 27.11.2012 - 17:17:18

@ Autor

Sie haben aber auch ein Talent, immer völlige Nichtigkeiten zu kommentieren. Das muss man ja fast schon wieder bewundern. Neulich die Waffenlobby, heute die Burschschaften. Gucken Sie sich das reelle Leben in Brandenburg an und suchen sich dann genau das heraus, was es NICHT gibt?

Europäer 26.11.2012 - 21:42:14

Europa ist wenn Deutschland zahlt

Ja ja, ist schon gut, immer wieder diese gleiche Botschaft: Allles Nationale ist Mist. Hoch lebe die internationale Solidarität! Oder anders gesagt: Europa ist wenn Deutschland zahlt und alle Bestrebungen sich dagegen zu wehren ist national, also böse. Für diese Propaganda werden alle Register gezogen. Selbst die seltsamsten Vereinigungen müssen dafür herhalten. Wieviel Prozent der Bevölkerung machen diese Bruderschaften aus? Da sollte man viel mehr darüber berichten. Europa ist nicht der Euro und auch nicht die EU! Der Euro ist die Umverteilungsgarantie für die Eliten und die EU eine Diktatur diese politisch zu sichern. Europa wird es immer geben, auch wenn diese Diktatur wieder der Geschichte angehört.Das werden Sie aber erst in einigen Jahrzehnten erkennen. Aber dann hat ja wieder mal niemand dabei mitgemacht.

Kurt 26.11.2012 - 21:20:18

Kritiker

Die Anti-Rechts-Hype in Deutschland muss weitergedreht werden, der Feind ständig beschworen werden. So auch in diesem überflüssigen Kommentar über Burschenschaften, von denen es an Brandenburgs Hochschulen keine einzige gibt. Was heißt "verfassungsfeindliche Aufnahmeregel der Deutschstämmigkeit" bei Burschenschaften? Jeder Verein muss selbst bestimmten können, wen er aufnimmt, so wie Gewerkschaften z.B. keine Rechtsradikalen haben wollen. Und was heißt "sonderbares Männer-Netzwerk"? Würde der für die Kirchenseite der MOZ verantwortliche Autor so schnoddrig auch über die katholische Kirche reden? Alles in allem ein trauriger Mainstream-Kommentar in einem absterbenden Printmedium, das immer weniger Leser hat und so auch immer mehr abstößt.

heino 26.11.2012 - 16:44:06

Zu den sonderbaren Clubs...

..würde ich in erster Lnie den Bundestag zählen.

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