Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ein Funke Hoffnung und sehr viel Misstrauen

Dietrich Schröder
Dietrich Schröder © Foto: MOZ
18.04.2014, 22:57 Uhr
(MOZ) Noch ist es viel zu früh, von einem Durchbruch im Ukraine-Konflikt zu sprechen. Nach wie vor stehen Zehntausende russische Soldaten an den Ostgrenzen des Landes, während die Nato ihre Präsenz in den westlichen Nachbarstaaten gerade verstärkt. Und ganz gewiss beobachten sich die Geheimdienste beider Seiten so intensiv wie noch nie seit dem Ende des Kalten Krieges. Zudem tobt die ideologische Auseinandersetzung über die Frage, welche Seite die größere Schuld an den geschürten Spannungen habe.

Die Spirale der Eskalation, die sich seit Monaten gefährlich noch oben schraubte, scheint bestenfalls für einen Moment gestoppt. Angesichts des Umstands, dass westliche und orthodoxe Christen das Osterfest in diesem Jahr am gleichen Datum feiern, ist das freilich kein schlechtes Zeichen. Doch erst muss der in Genf vereinbarte Friedensfahrplan umgesetzt werden, bevor von Entspannung die Rede sein kann.

Für einen Moment bietet sich auch die Gelegenheit zu einer Zwischenbilanz der Ereignisse. Wladimir Putin hat dem Westen mit allem Nachdruck gezeigt, dass er seine neue Doktrin von den besonderen russischen Sicherheitsinteressen im nahen Ausland - womit praktisch das Territorium der früheren Sowjetunion gemeint ist - und dem Schutz der dort lebenden Menschen russischer Nationalität absolut ernst meint. Die Annexion der Krim, aber auch das Schüren der Proteste in der Ostukraine wurde von Spezialtruppen umgesetzt, die erst in den vergangenen Jahren aufgebaut wurden. Deren Aufgabe besteht nicht in einer klassischen militärischen Auseinandersetzung, sondern eben in solchen guerilla-artigen Einsätzen.

Andererseits ist deutlich geworden, wie die Nato auf derart völkerrechtswidriges Verhalten reagieren kann. Weniger mit militärischen Mitteln, dafür aber mit politischem Druck, der unweigerlich wirtschaftliche Folgen hat. In den vergangenen Monaten ist infolge der Verunsicherung so viel ausländisches Kapital aus Russland abgeflossen, wie lange nicht. Dies dürfte dem Kreml noch großes Kopfzerbrechen bereiten, zumal Putin ja unmittelbar vor der Ukraine-Krise selbst eingeräumt hatte, dass Russland sich nicht mehr nur auf den Export von Öl und Gas verlassen kann, sondern eine grundlegende Modernisierung der Wirtschaft anstreben muss.

So etwas wird aber wohl nur mit westlichen Technologien und Partnern gelingen. Deshalb dürfte der riesige Vertrauensverlust, der jetzt entstanden ist, Russland noch auf die Füße fallen.

Am kritischsten ist freilich die Situation in der Ukraine selbst. Das Gezerre von West und Ost hat das ohnehin krisengeschüttelte Land schon fast zerrissen. Gemeinsam etwas für die Stabilität der Ukraine zu tun, könnte eine Aufgabe für EU und Russland sein. Doch das ist derzeit schon wieder fast zu viel der guten Hoffnung.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
omen 26.04.2014 - 01:56:49

Russophobie par excellence!

Na ja Herr Schröder, wenn's mit der grobschlächtigen Russophobie nicht klappt, dann versucht man's unterschwellig, was? Also, wie immer: * In den vergangenen Monaten ist infolge der Verunsicherung so viel ausländisches Kapital aus Russland abgeflossen, wie lange nicht. * - gut, mag sein, wobei hier nicht unbedingt eine Korrelation mit den Ereignissen in der Ukraine vorliegt, denn diese "vergangenen" Monate haben begonnen, lange BEVOR die UA in die jetzige Krise rutschte! Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass angesichts der dilettantischen Sanktionpolitik mit Kontensperrungen u.ä. eine Reihe von Reichen und Superreichen ihre bisher im Ausland geparkten Gelder verstärkt zurück nach Russland pumpen. Ich war grad dort und in Gesprächen mit etlichen Leuten, die früher wie heute kritisch zu Putin stehen, war zu erfahren, dass sich gerade in den eher putinkritischen Großstädten die Stimmung gewandelt hat - die Reihen um Putin haben sich stärker denn je geschlossen. *sondern eine grundlegende Modernisierung der Wirtschaft anstreben muss. So etwas wird aber wohl nur mit westlichen Technologien und Partnern gelingen. ... Russland noch auf die Füße fallen* - Die ersten vor allem US-amerikanische Partner haben ihre Zusammenarbeit aufgekündigt oder stark eingeschränkt - andere Firmen sind in die Bresche gesprungen, teilweise werden Umgehungslinien über China etc. gefunden - wie während des Kalten Krieges mit seinem Embargo - Leidtragende sind in erster Linie die westlichen Firmen selbst. Aber auch ein Umdenken ist schon zu sehen - man besinnt sich wieder darauf, autark zu werden, selbst etwas auf die Beine zu stellen, Waren und Leistungen selbst herzustellen/ zu erbringen. *Gemeinsam etwas für die Stabilität der Ukraine zu tun, könnte eine Aufgabe für EU und Russland sein.* - Herr Steinmeier, sowie die ganzen osteuropäischen Neu-NATO/EU-Staaten legen aber gerade wieder eine andere, eine säbelrasselnde, fordernde Rhetorik an den Tag, als säßen wir am Drücker und nicht derzeit die Russen. Schade - mal wieder eine Chance, sich als OE-Kenner zu zeigen, vertan, Herr Schröder!

Achim Freyer 19.04.2014 - 14:50:41

Kritik ist gefährlich

Liebe MOZ-Redaktion, die Kritik an ihrer Arbeit scheint ja ziemlich gefährlich für ihr Selbstverständnis zu sein. Sonst hätten Sie den Verweis auf den Link nicht gelöscht. Die Frage, gegen welche Netiquette mein Posting des Links verstoßen hat, scheint sicher müßig, da Sie sich ja sowieso nicht zu ihren Zensurmaßnahmen äußern. Sehr demokratisch finde ich das nicht und verstößt gegen journalistische Grundsätze einer freien Presse. Offensichtlich geht es doch nicht um Information, sondern um Propaganda.

Linda Wohlgemuth 19.04.2014 - 12:25:23

Es menschelt

Besonders lächerlich an Schröders Kommentar finde ich die religiöse Soße, die er dem Text beifügt und die mit dem Konflikt nichts, aber auch gar nichts zu tun hat. Jesus, der für uns am Kreuz gestorben ist, kann uns unsere Schuld, die wir an diesem Konflikt tragen, nicht von den Schultern nehmen. Wahrscheinlich soll der Verweis der religösen Gemeinsamkeiten dem Scharfmachertext zu den Osterfeiertagen etwas von mildernder Friedfertigkeit geben

Achim Freyer 19.04.2014 - 12:06:04

Korrektur

Ich meine natürlich, dass die Zollunion zwischen beiden ausgeschlossen wird. Man kann auch sagen, dass der Ausschluss der Zollunion festgelegt wird. Aber beides gleichzeitig, ist natürlich Quatsch.

Achim Freyer 19.04.2014 - 12:01:02

Die Geister des heiligen Michael

Nein, Herr Michael, die Geister, die da hervorgerufen wurden, sind nicht von Herrn Putin beschworen worden. Es sind die Geister des kalten Krieges, die Russland aus dem Gemeinsamen Haus Europa ausschließen wollen. Ich erinnere an das Assoziierungsabkommen der EU mit der Ukraine. In diesem wird der Ausschluss einer Zollunion zwischen der Ukraine und Russland ausgeschlossen. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Vertrag ist der Paragraph 7, der eine militärische Zusammenarbeit zwischen beiden Vertragsparteien festlegt. Auf diesen Umstand hat die langjährige Russlandkorrespondentin Krone-Schmalz-Jakobsen aufmerksam gemacht. Die Zapp-Redaktion hat mit ihr ein sehr aufschlussreiches Interview zur Berichterstattung der deutschen Medien über Russland gemacht. Unter diesem Link kann man es sich ansehen.

Steffen Michael 19.04.2014 - 08:01:46

Die Geister, die ich rief...

Ich gehe nicht davon aus, dass sich die Lage langfristig beruhigen wird. Die Geister, welche Putin rief, werden die Ukrainer nun nicht mehr los. Die Separatisten haben sich längst verselbständigt und verweigern die Gefolgschaft.

Isenhagen 19.04.2014 - 04:45:24

ach Herr Schröder,

selbst die Bildzeitung ist ja schon weg von der unendlich großen Zahl russischer Soldaten an der ukrainischen Grenze und einsatzbereit sind sie auch nicht. Also was soll das jetzt einer von euch lügt....

Achim Freyer 18.04.2014 - 23:18:10

Auch die halbe Wahrheit ist eine Lüge

Am Anfang, Herr Schröder, stand ein vom Westen unterstützter Putsch gegen eine gewählte Regierung und die Einsetzung einer Junta, mit der der Osten der Ukraine nichts zu tun haben will. Warum wird das hier immer übersehen? Großzügig übersieht der Westen den Balken im eigene Auge, während er auf den Splitter im anderen weist.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG