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Krieg, immer nur wieder Krieg

Günther Marx
Günther Marx © Foto: MOZ/Gerd Markert
Günther Marx / 13.07.2014, 18:47 Uhr
(MOZ) Kein Staat der Welt kann es hinnehmen - wenn er sich denn nicht selbst aufgeben will -, dass sein Territorium von außen permanent unter Feuer genommen wird. Das gilt auch dann, wenn die Raketen, wie sie derzeit vom Gazastreifen auf Israel abgeschossen werden, im Regelfall selten größeren Schaden anrichten. Potenziell tödlich sind sie allemal; abgesehen vom Dauerstress für die Bevölkerung, die im permanenten Ausnahmezustand lebt. Etwa 12 000 dieser Raketen sollen seit 2005, also seit dem israelischen Rückzug aus Gaza, auf den jüdischen Staat niedergegangen sein.

Die Frage ist: Wie kann Israel mit dieser Situation umgehen? Das Land reagiert militärisch. Wenn der Geschosshagel im Gefolge politischer Spannungen dichter wird, steigert sich der Einsatz, der bis zum Einmarsch in den Gazastreifen reichen kann. Das war 2009 so mit der bislang massivsten Operation; etwas Ähnliches könnte jetzt wieder bevorstehen. Das Ergebnis lässt sich vorhersehen. Schon jetzt sind die Verluste auf der Gegenseite hoch, darunter viele Unschuldige, die nur deshalb Opfer werden, weil sie keine Möglichkeit zur Flucht haben oder einfach zur falschen Zeit am falschen Ost sind.

Es muss allerdings auch darauf hingewiesen werden, dass die Hamas die eigene Bevölkerung als Geisel nimmt, indem sie ihre Waffenlager, Abschussbasen, Treffpunkte mitten in Wohngebiete legt. Die Hamas soll ein ganzes Tunnelsystem gegraben, Schutzräume für die Menschen nicht. So werden mutwillig zivile Opfer produziert, um der Welt das "Werk der verbrecherischen Zionisten" präsentieren zu können. Dass die Israelis zivile Bewohner zuweilen auch telefonisch vorwarnen, dürfte es auf der Welt nicht oft geben. Trotzdem sind die sogenannten Kollateralschäden hoch.

Aber selbst wenn es Israel gelänge, mit seinem Vorgehen die Infrastruktur der Hamas zu zerschlagen - was käme danach? Statt des einen, so paradox das klingen mag, verlässlichen Feindes, gäbe es eine Vielzahl radikalisierter, unkontrollierbarer Kleinstgruppen. Der Terror wäre nicht zu Ende, dafür anarchischer. Das Tragische und Ausweglose ist, dass Israel den Geschosshagel aus Gaza unterbinden muss, dabei aber auch zu Mitteln gezwungen ist - die Hamas will immer noch die Vernichtung Israels! -, die den nächsten Krieg nur wieder vorbereiten. Das ist die unheilvolle Tradition des Nahen Ostens.

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Isenhagen 16.07.2014 - 10:51:12

der Krieg wird erst zu Ende gehen

wenn die im Kolonialstil durchgeführte Staatsgründung auf anderer Leute Land rückgängig gemacht ist oder verhandlungsseitig ebenso zur Disposition steht wie das von den Flüchtlingen zurück gelassene Eigentum der Palästinenser. Da kann der Westen noch hunderte Billionen nach Israel pumpen. Gerechtigkeit kann man nicht herbeibomben. Und die Gefahr wird für den Westen von Jahr zu Jahr größer denn die Feinde werden mehr, die anderen weniger.

Achim Freyer 14.07.2014 - 18:17:02

@egal

Dürftigkeit ist aber auch keine Qualität. Und Verleumdung noch lange nicht.

Christoph 14.07.2014 - 15:29:36

es kann keiner was dafür

das extreme parteien texte kopieren und sie diese lesen und alles in irgendeine ecke schieben

Egal 14.07.2014 - 14:23:44

chris topf

Quantität ersetzt keine Qualität. Auch nicht, wenn es aus dem letzten NPD-Newsletter herauskopiert wurde.

Christoph 14.07.2014 - 14:13:38

joa achim

das nenne ich mal nen kommentar ob da wohl der ein oder andere wortkarge schreiber dazu auch weinerlich schreibt?

Achim Freyer 14.07.2014 - 14:06:53

Vergeßlichkeit?

Herr Marx, Sie haben vergessen zu erwähnen, was dem Raketenbeschuss durch die Palästinenser vorausging. Es war die kriegerische Reaktion, die Rache der israelischen Regierung, auf die Entführung und Ermordung der drei israelischen Jugendlichen. Die Sicherheitsdienste der Palästinensischen Behörde, die mit dem israelischen Sicherheitsdienst überall zusammenarbeitete, spielte eine große Rolle beim frühen Entdecken der Identität der beiden Entführer (ohne sie zu fangen). Mahmood Abbas, der PA-Präsident, stand bei einem Treffen der arabischen Länder auf und verurteilte das Kidnapping unmissverständlich und wurde von vielen seiner eigenen Leute als arabischer Quisling bezeichnet. Trotzdem flog Israel in der Nacht der Beisetzung der Jugendlichen massive Luftangriffe auf den Gazastreifen. Ein ganzes Volk wurde für die Tat Einzelner bestraft. Noam Perl, Weltchef von Bnei Akiva, die Jugendbewegung der Siedler: „Eine ganze Nation und Tausende von Jahren Geschichte verlangen: Rache!“ Und Benjamin Netanjahu selbst schürt den Hass, spricht über das ganze palästinensische Volk: „Sie sind nicht wie wir. Wir heiligen das Leben, sie heiligen den Tod!“ Was aber ging der Tötung der Jugendlichen voraus? Die politische Einigung zwischen den bis dahin verfeindeten Organisationen von PLO und Hamas. Das passte den zionistischen Kräften in Israel nicht ins Konzept. Im Endeffekt sind diese Kräfte an einer Verhandlungslösung des Nahost-Konfliktes nicht interessiert. Seit 2000 sind über 9000 Palästinenser, darunter viele Frauen und Kinder, durch israelisches Militär getötet worden. Die Hamas ist damit weder besiegt worden, noch in die politische Bedeutungslosigkeit versunken. Im Gegenteil: Die Errichtung von illegalen, israelischen Siedlungen auf palästinensischem Gebiet und die Tötung von Angehörigen durch israelische Soldaten hat und wird die Mitglieder der Hamas nur weiter radikalisieren. 2009 wurden bei der Militäraktion "Gegossenes Blei" 450 Bewohner von Gaza durch israelische Raketen getötet. Jedes vierte Opfer war eine Frau oder ein Kind. Auf israelischer Seite starben 4 Menschen. Auch im gegenwärtigen Konflikt sind bisher 120 Bewohner von Gaza getötet worden. Über 500 wurden verletzt. Auf israelischer Seite wurde niemand durch Raketen getötet. Der israelische Siedlungsbau mit Annektion palästinensischer Gebiete, Vertreibung der Bewohner eingeschlossen geht weiter. Da stellt sich doch die Frage: Wessen Land und wessen Bevölkerung ist eigentlich bedroht?

egal 13.07.2014 - 21:51:18

christoph

Wie weinerlich ...

Christoph 13.07.2014 - 21:04:26

Herr Redakteur

wo bleibt denn da die gegendarstellung offensichtlich wird hier polemisch gegen die bürger im Gazastreifen mit wortpatronen geschossen man darf nie vergessen was aus israelischer sicht ein terrorchef ist ist des anderen bürgermeister und vergesst nicht das israel mit luftbombardements antwortet und israel seit jahren im palästinagebiet siedlungen errichtet um systematisch den anderen bevölkerungsteil zu verdrängen

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