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Wenn die Angst vor den Weißen größer ist als vor dem Virus

Ina Matthes ist Mitarbeiterin der MOZ in Frankfurt (Oder). 12. 01. 2007
Ina Matthes ist Mitarbeiterin der MOZ in Frankfurt (Oder). 12. 01. 2007 © Foto: Dietmar Horn/GMD
Ina Matthes / 05.08.2014, 18:51 Uhr
(MOZ) Die Zusage der Hilfsgelder wirkt wie eine Geste der Hilflosigkeit: Mit 200 Millionen Dollar will die Weltbank jetzt Ebola stoppen - bevor die Seuche auf Nigeria übergreift, das bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Unklar ist nur, wie das grassierende Fieber aufgehalten werden soll, gegen das kein Kraut gewachsen ist.

Wären die Millionen wenige Jahre früher geflossen, hätte diese Katastrophe vielleicht verhindert werden können. Gegen Ebola gibt es mehrere Impfstoffe - aber sie alle sind fast ausschließlich an Tieren getestet worden. Für Menschen sind sie nicht zugelassen. Denn es sind vor allem kleine Unternehmen und staatliche Institute, die mit wenig Geld daran arbeiten. Für die Pharmariesen war eine Spritze gegen Ebola bisher wirtschaftlich uninteressant. Die Krankheit ist selten, tritt nur in armen Ländern auf. Ebola gehört zu den zahlreichen vernachlässigten Infektionskrankheiten, die fast nur die Dritte Welt heimsuchen.

Allerdings hat in den vergangenen Jahren bei den Konzernen ein zaghaftes Umdenken eingesetzt. Es wurden Partnerschaften zwischen Wirtschaft, privaten Stiftungen und staatlichen Organisationen geschlossen für neue Therapien gegen die Armutsseuchen. Erst 2013 kam ein Abkommen in Paris zustande. Ebola stand dabei allerdings nicht zur Debatte - man hielt das gefährliche Fieber für viel zu selten.

Selbst mit der Millionen-Dollar-Spritze und dem gutem Willen von Unternehmen wird eine Impfung gegen Ebola jetzt nicht aus dem Hut gezaubert werden können. Zwar wurde ein Mensch mit einem der Seren aus der Forschung gerettet. Das ist ein Hoffnungsschimmer. Mehr nicht: Für eine massenwirksame Impfung braucht es zwei, drei Jahre Entwicklungszeit, schätzen Experten.

Allein mit Medikamenten ist Ebola auch nicht beizukommen. Helfer werden nicht in Dörfer vorgelassen, weil die Menschen mehr Angst haben vor den fremden Weißen in ihren monströsen Schutzanzügen als vor dem Virus. Und von ihren meist korrupten Regierungen erwarten die Menschen zuallerletzt Unterstützung. So hat derzeit niemand einen Überblick über die Ausbreitung der Seuche. Wenn sie eingedämmt werden soll, müssen die internationalen Teams zuerst einen Kampf gewinnen: Den um das Vertrauen der Menschen.

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