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Warnungen großer alter Politiker

Dietrich Schröder
Dietrich Schröder © Foto: MOZ
Dietrich Schröder / 09.11.2014, 22:20 Uhr
(MOZ) Michail Gorbatschow wird von vielen Deutschen bis heute für seinen Anteil an der Wiedervereinigung 1989/90 verehrt. "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben", dieser legendäre Satz, den er - wenn auch im russischen Original etwas anders - bei seinem DDR-Besuch im Oktober 1989 sagte, wurde zum Schlüsselwort für die Veränderungen. Unter keinem seiner Vorgänger im Kreml wären wohl die hierzulande zu Tausenden stationierten sowjetischen Panzer in den Kasernen geblieben, als die Ostdeutschen friedlich auf der Straße demonstrierten.

Gerade wegen dieser Autorität, die Gorbatschow besitzt, macht es so nachdenklich, wenn er ein Vierteljahrhundert später vor dem Ausbruch eines neuen kalten Krieges warnt und dem Westen vorhält, das damalige russische Vertrauen in die friedliche Zukunft Europas missbraucht zu haben. Der 83-jährige Friedensnobelpreisträger bringt damit aber nicht nur ein Gefühl vieler seiner Landsleute zum Ausdruck. Zumindest seine Warnung vor dem kalten Krieg ist in ähnlicher Weise derzeit auch von Helmut Kohl, dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger und von Hans-Dietrich Genscher zu hören. Alle diese Politiker, die auf unterschiedliche Weise dazu beigetragen haben, 1989 den kalten Krieg zu beenden, warnen vor den großen Gefahren, die aus einer weiteren Verschlechterung der Beziehungen zu Russland erwachsen würden.

Das Problem ist freilich, dass es der Westen heute nicht mit einem Politiker vom Schlage Gorbatschows im Kreml zu tun hat, sondern mit Wladimir Putin. Dieser versucht die strategischen Probleme seines Landes durch die Verletzung der Souveränität anderer Staaten und taktisches Säbelgerassel zu übertünchen.

Wenn ausgerechnet Gorbatschow jetzt den gleichen Putin in Schutz nimmt, den er in früheren Jahren wegen der Einschränkung der Pressefreiheit und anderer demokratischer Regeln scharf kritisiert hat, dann geschieht dies wohl vor allem in der Hoffnung, dass es der Westen noch einmal auf andere Weise als nur mit Sanktionen gegen Russland versucht. Dies ist zweifellos kein einfaches Unterfangen. Allerdings haben Leute wie Kissinger und Gorbatschow ihre Erfahrungen in Zeiten gemacht, als die Ost-West-Konfrontation noch viel schärfer war als in der Gegenwart.

Schlagwörter

Wiedervereinigung Dietrich Schröder Warnung Michail Gorbatschow Verehren

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Monika 11.11.2014 - 09:37:29

schämen Sie sich!

Ohne Gorbatschow würden unsere Kinder immer noch mit Halstüchern herum laufen.

Frankfurter 10.11.2014 - 21:51:32

wiederlich

Der Menn dem Deutschland alles zu verdanken hat redet Klartext und was macht die gekaufte Journaille? Stimmung!

Erich 10.11.2014 - 21:31:32

Genosse Gorbatschow

hat die Entwicklung fundamental eingeschätzt. Glasnost und Perestroika hätten wesentlich langsamer und kontrollierter eingeführt werden sollen. Dann hätte es nicht die Oligarchen und Nationalisten gegeben. Er hat für 'nen Appel und 'nen Ei unsere schöne DDR verraten.

Armin 10.11.2014 - 21:12:12

Politiker

Ist es nicht komisch ,dass die eigenen Worte Gorbatschow ihn zu später Einsich bringen ,denn "wer zu spät kommt ,den bestraft das Leben " oder die USA und der Westen !

Achim Freyer 10.11.2014 - 19:50:45

@Danylo

Auch wenn ich bei Ihnen wenig Hoffnung auf Einsicht habe, möchte ich Sie darauf hinweisen, dass Siem im Irrtum sind. Danylo, in einem Rechtsstaat gibt es keine Beweislastumkehr. Das habe ich Ihnen zwar schon öfter gesagt. Nicht der, dem etwas vorgeworfen wird, muss seine Unschuld beweisen, sondern es muss demjenigen, dem eine Straftat vorgeworfen wird, seine Schuld bewiesen werden. Und da sind ihre Aussagen etwas mager. Aber da Sie das nicht zustande kriegen, habe ich mich mal schlau gemacht. Unter dem Datum 7. November finden sie einen Artikel unter der Überschrift " Ukrainische Regierung legt erstmals Beweise für russische Truppeninvasion vor" In dem Artikel gibt es auch Aufnahmen der russischen Truppen in der Ukraine. Hier der Link für die Beweisfotos: http://propagandaschau.wordpress.com/ Seien Sie aber bitte vorsichtig mit der Weiterverbreitung dieser Bilder, sie sind urheberrechtlich geschützt. Ansonsten kann ich ihrer Logik nicht folgen, warum muss denn, weil die baltischen Staaten zur NATO gehören, Russland auch dazugehören? ABer das soll ihr Geheimnis bleiben. Sie müssen ja nicht mit allem Ihren Offenbarungseid leisten. Was das Foto betrifft, habe ich mich bereits geäußert, für Sie tue ich das gern noch einmal, auch wenn ich da wenig Hoffnung habe. In Ermangelung von russischen Militärgerät hat man eben ukrainisches fotografiert. Früher hat man alte Manöverfotos aus dem Jahre 2008 verwendet, um einen Invasionsartikel zu bebildern. Heute ukrainisches Militärgerät, so what. Irgendwas wird schon hängenbleiben. Sprache ist ja sehr veräterisch, und Ihr verlinkter Artikel steht ja unter der Überschrift "OSZE äußert sich besorgt über russische Truppentransporte". Bei solch einer aussagekräftigen Überschrift fällt mir folgender Witz dazu ein: Schmidtchen spaziert auf der Straße und sieht plötzlich einen Kopf dort liegen. Er schaut ihn sich genau an: Ist das Meyer? Und ruft dann plötzlich ganz BESORGT aus: Dem wir doch hoffentlich nichts passiert sein. Eine ähnlich kabarettistisch absurde Qualität hat die Überschrift, wenn sie das beschreiben soll, was die Journalisten der OSZE als Aussage in diesem Artikel in den Mund legen. Zur Zensur der MOZ, die meinen zweiten Kommentar zu Danylo gelöscht hat, kann ich nur meinen Kopf schütteln. Was soll man von einem Nachfolgeblatt einer SED- Bezirkszeitung anderes erwarten.

Danylo 10.11.2014 - 17:27:36

@Achim Freyer

Was stimmt denn an dem Foto inkl. Bildunterschrift denn nicht? Klären sie uns auf, wo sie einen Fehler sehen. Zu ihren "Propagandisten des Westens" zählt also auch die OSZE und damit auch alle Nachfolgestaaten der Sowjetunion und daher auch Russland. Wie weit geht denn der Westen bei ihnen? Haben sie wohl möglich andere Quellen als die OSZE-Mission vor Ort oder die Menschen im Donbas explizit in Makijiwka und Donezk, die die Konvois bezeugen können. Welche Quellen können sie denn anführen?

Achim Freyer 10.11.2014 - 16:57:24

@Danylo

Interssant, auf dem Foto des Artikels, den Sie verlinkt haben, ist keine russische, sondern die ukrainische Fahne zu sehen. Kennen Sie die Flagge ihres eigenen Landes nicht mehr, oder sehen Sie jetzt schon in allem die Russen? Das wäre dann ein Fall für den Arzt und nicht für die Kommentarspalte. Aber offensichtlich haben auch die Propagandisten des Westens keine russischen Panzer fotografieren können, weshalb sie dann mit den Ukrainern vorlieb nehmen mussten. Armes Deutschland!

.... 10.11.2014 - 16:35:34

nunja ...

... was ist eigentlich aus diesem Hauptmann hier geworden ? http://hinter-der-fichte.blogspot.de/2014/04/zdf-kleber-der-hauptmann-von-kopenick.html

Danylo 10.11.2014 - 15:41:32

Während ...

... hier ein Redakteur die Wahrheit schreibt und er von den Kommentatoren "nieder geschrien" wird schafft Putin und seine Truppen in der Ost-Ukraine weitere Fakten. http://www.sueddeutsche.de/politik/neue-gewalt-in-der-ostukraine-osze-aeussert-sich-besorgt-ueber-truppentransporte-1.2211604 Nach der Krim verleibt sich Russland nun auch noch das Donbas ein. Wohin die von Gorbatschow geäußerte Appeasement-Politik hinführt kann man am 2. WK sehen. Die Parallelen sind eindeutig zwischen Hitler damals und Putin heute. Nachdem sich Hitler bzw. das Deutsche Reich sich Teile der Tschechoslowakei einverleibt hatte, mit Duldung der Westmächte, war die Gier nach Land und Infrastruktur immer noch nicht bedient und es folgte der Überfall auf Polen, usw.. Gleiches haben wir heute mit der gewaltsamen Einverleibung der Krim, einem Teil der Ukraine, durch Russland. Die Gier nach Land ist aber immer noch nicht gestillt und danach folgte der Einmarsch im Donbas inkl. der fortwährenden Lieferung von Truppen und Kriegsmaterial. Wie auch bei Hitler kann man einem Größenwahnsinnigen nicht mit normaler Politik bei kommen.

Achim Freyer 10.11.2014 - 10:10:22

Schröder, der Putin-Verdreher

Es gibt eine Aufnahme der Tagesschau aus dem Jahr 1990 in der sich der damalige Außenminister Genscher nach den 2+4- Gesprächen gegen eine NATO-Ost-Erweiterung aussprach. Neben ihm stand der damalige amerikanische Außenminister James Baker, der Genscher offensichtlich nicht widersprach. Genscher: “Wir waren uns einig, dass äh nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir da nicht einverleiben wollen, sondern das gilt ganz generell.” Dass die NATO sich an dieses Versprechen nicht gehalten hat, ist doch nicht Putin vorzuwerfen. Aber was will man von einem NTO-Journalisten wie Schröder anderes erwarten, außer Verdrehung d er Tatsachen. Genauso eine Verdrehung der Tatsachen ist doch Schröders Unterstellung, Gorbatschow nimmt Putin in Schutz , um den Westen milde zu stimmen. Hallo, Herr Schröder, noch jemand zu Huase bei Ihnen? Gorbatschow ist vielleicht wirklich besorgt über die Politik des Westens. Genauso besorgt, wie er über die Stationierung des Raketenschildesan den Grenzen von Russland besorgt ist. Als er das in München bei einer Preisverleihung äußerte und auch sagte, dass die Sowjetunion und ihr Nachfolger nie einen Krieg geplant haben und er müsse es wissen, denn er war mal Präsident dieses Landes, da lächelten die westpolitischen, kriegstreibenden Zuhörer im Auditorium süßsauer und von da ab war Gorbatschow nicht mehr Muttis Liebling im Westen. Eine Ehrengala zu seinem Geburtstag, die an einem Berliner Theater geplant war, wurde umgehend abgesagt. Also der Westen behandelt nicht nur die "Bösen" wie Putin Scheisse, sondern alle, die sich ihren Interessen widersetzen. Aber das ignoriert Schröder mal großzügig. Wer nicht wie der Westen denkt und handelt, der ist ganz, ganz böse und muss bekämpft werden. Und wenn man dafür einen Krieg führen muss. Selbstverliebter und selbstgerechter kann ein Journalist diesen Westen nicht präsentieren. Völlig unlogisch ist der Schlusssatz von Schröders Kolummne. Wenn die Zeiten des kalten Krieges damals so hart waren, wie Schröder beschreibt, dann müsste Gorbatschow das heutige Handeln des Westens doch als Lapalie empfinden. Das tut er aber nicht, weil er es nicht als Lapalie sondern als sehr gefährlich empfindet und dafür kritisiert er den Westen.

Klaus 10.11.2014 - 09:50:08

der Neue Tag was gar nichts dagegen

Herr Schneider polarisiert mal wieder, als sich zu fragen, wie Herr Gorbatschow auf seine Meinung kommt. Leider bringen solche Schwarz-Weiß-Malereien nichts konstruktives und gießen nur Öl ins Feuer in eine Brühe die hochexplosiv ist. In dieser Art und Weise wäre die Deutsche Einheit niemals zustande gekommen. Gut dass es solche Diplomaten wie Gorbatschow gibt!

Eli T. 10.11.2014 - 09:16:13

Kommentator Schröder spricht Nobelpreisträgern Urteilsvermögen ab

Michail Gorbatschow, Henry Kissinger, Helmut Kohl und Hans Dietrich Genscher sind nach der hier geäußerten Meinung von Herrn Schröder nicht in der Lage, die aktuelle politische Lage zu erkennen und zu beurteilen. Wie groß ist der Druck im deutschen Medienwesen, wenn sich ein Kommentator dazu bereit finden muss?

Isenhagen 10.11.2014 - 07:51:53

Der Westen hat Russland nach

1990 betrogen und zwar in großem Stil. Das ist alles.

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