Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Sieben von zehn Lehrlingen sind mit ihrer Ausbildung zufrieden / Gewerkschaft legt neuen Report vor

Frust
Auszubildende beklagen Überstunden

Sieben von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Lehre zufrieden.
Sieben von zehn Auszubildenden sind mit ihrer Lehre zufrieden. © Foto: dpa/Oliver Berg
Dieter Keller / 04.09.2018, 08:45 Uhr - Aktualisiert 04.09.2018, 12:06
Berlin (MOZ) Gut 70 Prozent der Lehrlinge sind zufrieden mit ihrer Ausbildung. Allerdings zeigt die Kurve nach unten: 2010 waren es noch über 72 Prozent. Klagen gibt es über regelmäßige Überstunden und eine schlechte Ausbildung in manchen Berufen.

Besonders groß ist der Frust bei Hotelfachleuten, zahnmedizinischen Fachangestellten und angehenden Lebensmittelverkäuferinnen, ergab der jährliche Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), für den 15 000 Auszubildende in den 25 am häufigsten gewählten Berufen befragt wurden. Dagegen sind Verwaltungsfachangestellte und Mechatroniker besonders zufrieden.

Am Ausbildungsmarkt sieht es so gut aus wie seit der Einheit nicht mehr: Ende August waren bei den Arbeitsagenturen noch 148 500 unbesetzte Lehrstellen und 91 400 unversorgte Bewerber registriert.  Zusätzlich steckten allerdings schon vor einem Jahr 290 000 junge Menschen in diversen Maßnahmen zum Übergang von der Schule in den Beruf, klagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Sie forderte die Arbeitgeber auf, die Bestenauslese zu beenden und mehr betriebliche Ausbildungsplätze zu schaffen.

Über ein Drittel der Auszubildenden muss regelmäßig Überstunden machen, und zwar im Schnitt 4,1 Stunden pro Woche. Seit 2010 ist der Anteil zurückgegangen. Zudem müssen immer noch Jugendliche unter 18 Jahren regelmäßig mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, obwohl dies gesetzlich verboten ist. Ein Viertel arbeitet in Schicht. Davon hat nur jeder Zweite immer die vorgeschriebene Ruhezeit von mindestens elf Stunden zwischen zwei Schichten.

Jeder dritte Azubi hat keinen Ausbildungsplan, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben ist. Jeder Neunte klagt, er müsse häufig ausbildungsfremde Tätigkeiten ausüben, oder er sehe selten seinen Ausbilder. Die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts beurteilen nur 56 Prozent als sehr gut oder gut.

Im Schnitt bekommen die jungen Leute 766  Euro Ausbildungsvergütung im Monat. Gibt es einen Tarifvertrag, dann sind es 110 Euro mehr. Dabei hat der Osten knapp 94 Prozent des West-Niveaus erreicht. Der DGB fordert eine gesetzliche Mindestvergütung, und zwar 80 Prozent dessen, was in Tarifverträgen vereinbart ist. Im ersten Ausbildungsjahr entspräche das mindestens 635 Euro.

Die Klagen des DGB kann der Generalsekretär des Handwerksverbands ZDH, Holger Schwannecke, nicht verstehen: „Das sich alljährlich gebetsmühlenartig wiederholende Klagelied des DGB verkennt die hohe Ausbildungsleistung und -qualität gerade im Handwerk.“ Von Zustimmungsraten über 70 Prozent könne man an anderer Stelle nur träumen. Von einer „Bestenauslese“ könne keine Rede sein, sagte Achim Dercks vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. „Rund 80 Prozent der Ausbildungsbetriebe geben schwächeren Bewerbern Chancen; viele organisieren sogar eigene Nachhilfekurse.“

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG