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Schnecken unter Wasser
Immer mit der Ruhe

Mario Merkel / 12.09.2018, 12:39 Uhr
Frankfurt (Oder) Mit über 3000 natürlichen Seen ist Brandenburg das seenreichste deutsche Bundesland. Aber wie sieht eigentlich das Leben unter der Wasseroberfläche aus? Unsere Sommerserie lüftet einige Geheimnisse. Teil 11: die Langsamen.

Sie scheinen alle Zeit der Welt zu haben. Nichts bringt sie aus der Ruhe. Gemächlich und doch entschlossen machen sie sich auf den Weg, um irgendwann irgendwo anzukommen. Spuren im Schlamm zeugen von ihren verhältnismäßig langen Wegstrecken. Schnecken unter Wasser leben ihre Gelassenheit wie die uns bekannten Verwandten an Land. Auf den ersten Blick scheinen es nur Schnecken zu sein. Doch beim näheren Hinschauen erkennt man die Schönheiten dieser Bewohner von Seen und Flüsse.

Bei meinen Streifzügen durch die heimische Unterwasserwelt begegnen mir häufig Schlammschnecken. Diese Wahrnehmung liegt sicher auch an ihrer Größe im Vergleich etwa zur Neuseeländischen Zwergdeckelschnecke, die mit bloßem Auge kaum auszumachen, aber dennoch weit verbreitet ist.

Markant für die Schlammschnecken sind ihre großen, dreieckigen Fühler. Sie sehen aus wie Flügel oder große Ohren. Es sind hilfreiche Sinnesorgane, um sich in der Umgebung zurechtzufinden. Die Form des Schneckenhauses unterscheidet einige Arten und ist namensgebend. Bei der Spitzschlammschnecke läuft das Haus lang und spitz aus, während die Ohrschlammschnecke ein kurzes, ohrmuschelähnliches Haus trägt.

Diese Art lebt erfolgreich unter Wasser und ist dennoch ein Lungenatmer, der die Oberfläche oder andere Luftquellen aufsuchen muss. Beeindruckend ist immer wieder, wie elegant diese Tiere sich im Pflanzendschungel über Halme und Blätter mit ihrem großen Haus bewegen.

Wie die meisten Schnecken, sind Schlammschnecken Zwitter. Die große Sumpfdeckelschnecke hingegen ist getrennt geschlechtlich. Weibchen und Männchen unterscheiden sich sehr gut an der Form der Fühler. Haben die Weibchen zwei gleich lange, schlanke Fühler, ist bei den Männchen der rechte Fühler kurz und verdickt. Er enthält das Begattungsorgan.

Die Vielfalt im Kleinen macht unsere Brandenburger Gewässer zu einem einzigartigen Lebensraum. Bei den Sumpfdeckelschnecken schlüpfen die Jungschnecken bereits im Muttertier und werden als kleine, fertige Schnecken ins Nass entlassen. Gallertartige Eiergelege an Wasserpflanzen und Steinen sind somit den Schlammschnecken zuzuordnen. Zur Paarungszeit sind die Tiere besonders aktiv und auch in großer Vielzahl zu beobachten.

Wasserschnecken sind keineswegs langweilig, wenngleich sie in Form und Farbe gegenüber ihren Verwandten tropischer Meere eher ein Mauerblümchendasein führen. Die Posthornschnecke und die geschützte Gemeine Kahnschnecke komplettieren die Vertreter häufig vorkommender Schnecken in Brandenburgs Unterwasserwelt.

Mit ihren raspelartigen Mundwerkzeugen schaben und zerkleinern die Schnecken Algen vom festen Untergrund und verspeisen Pflanzenteile. Auf ihren Häusern siedeln nicht selten Dreikantmuscheln und Süßwasserpolypen. Meine Unterwasserbeobachtungen zeugen davon, dass die Weichtiere dem Flusskrebs und Fischen wie Aal zu schmecken scheinen. Schnecken sind ein wichtiger Bestandteil im Ökosystem Süßwasser. Sie gehören  in unsere Seen und Flüsse wie Hecht, Zander und Aal.

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