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China: Genmanipulierte Babys angeblich gegen HIV resistent

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui behauptet, er habe geholfen, die ersten genetisch veränderten Babys der Welt zu zeugen: Zwillingsmädchen, deren DNA er seiner Meinung nach verändert hat.
Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui behauptet, er habe geholfen, die ersten genetisch veränderten Babys der Welt zu zeugen: Zwillingsmädchen, deren DNA er seiner Meinung nach verändert hat. © Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa
dpa-infocom / 26.11.2018, 12:38 Uhr - Aktualisiert 26.11.2018, 12:40
Peking (dpa) Einem chinesischen Wissenschaftler zufolge wurden weltweit erstmals Babys nach einer Genmanipulation geboren. «Zwei wunderschöne kleine chinesische Mädchen namens Lulu und Nana kamen vor einigen Wochen weinend und so gesund wie jedes andere Baby zur Welt.»

Das sagt Forscher He Jiankui in einem Youtube-Video. Demnach hatte der an Embryonen vorgenommene Eingriff mit dem noch sehr jungen Verfahren Crispr/Cas9 das Ziel, die Kinder resistent gegen HIV zu machen. Eine geprüfte wissenschaftliche Veröffentlichung zu dem Eingriff gibt es nicht, lediglich einen Eintrag in einem chinesischen Register für klinische Tests. Eine Bestätigung von anderen Stellen gab es zunächst ebenfalls nicht.

In Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern sind derartige Manipulationen an menschlichem Erbgut verboten, weil die Risiken bisher kaum abschätzbar sind und Veränderungen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. In China hat man offenbar weniger ethische Bedenken. «Die Forschung scheint von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften zumindest nicht ungedeckt zu sein», sagte Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. «Es liegt nahe zu vermuten, dass es hierbei auch darum geht, die Führerschaft der Chinesen im Bereich Lebenswissenschaft zu demonstrieren.»

«Bei den Experimenten handelt es sich um unverantwortliche Menschenversuche», betonte er. «Ob es stimmt oder nicht, was der chinesische Forscher He behauptet: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind solche Versuche und auch Ankündigungen aufs Schärfste zu kritisieren.» Laut nahezu einhelliger Einschätzung von Experten sei die Grundlagenforschung zu Crispr/Cas noch weit entfernt vom Einsatz beim Menschen. «Die Neben- und Spätfolgen sind noch unabsehbar und schwer zu kontrollieren.» Die Zukunft der genveränderten Kinder sei vollkommen ungewiss.

Dem Eintrag in einem chinesischen Register zufolge brachte das chinesische Team ungewollt kinderlose Paare aus gesunder Mutter und HIV-infiziertem Vater dazu, bei den Versuchen mitzumachen. Mittels künstlicher Befruchtung wurden zahlreiche Embryos geschaffen, deren Erbgut mit der erst seit 2012 in Labors eingesetzten Genschere Crispr/Cas9 verändert wurde. Die Forscher um He zielten dabei dem Eintrag zufolge auf das Gen für den sogenannten CCR5-Rezeptor ab, an den sich HI-Viren für eine Infektion der Zelle anheften. Menschen ohne funktionales CCR5-Protein stecken sich nicht mit dem Virus an - ein berühmtes Beispiel ist der «Berlin-Patient» Timothy Ray Brown.

Die Kinder vor einer möglichen HIV-Infektion durch ihre Eltern zu schützen, war allerdings nicht die Motivation - dafür gibt es andere, einfache und risikoarme Wege. «Das Verfahren ist nicht vergleichbar mit einer Impfung, die einen hohen Schutz bieten soll», erklärte Dabrock. Bei einem der Zwillinge habe sich schon in der Petri-Schale gezeigt, dass die Manipulation nicht zum Tragen gekommen sei. Trotzdem seien beide Embryos eingepflanzt worden. «Auch das ist ein Beleg dafür, dass es ihm (He Jiankui) nicht um eine Therapie oder einen Heilversuch geht.»

Ihm sei bewusst, dass seine Arbeit Diskussionen auslösen werde, erklärt He in seiner Videobotschaft. «Aber ich glaube, Familien brauchen diese Technik.» Es gehe ihm nicht darum, Kinder zu erschaffen, deren IQ erhöht und deren Haar- und Augenfarbe ausgewählt werden kann, behauptete er. Genveränderungen sollten «ein Instrument der Heilung» bleiben: «Eltern wollen kein Designer-Baby, sondern nur eines, das nicht von Krankheit betroffen ist.»

Klar ist jedenfalls: He hält mehrere Patente für Techniken zur Veränderung von Erbgut, handfeste finanzielle Interessen dürften daher zumindest Teil seiner Motivation sein. Studiert hat der Forscher an den Universitäten Rice und Stanford in den USA, bevor er in seine Heimat zurückkehrte und die Leitung eines Labors an der Southern University of Science in der südchinesischen Stadt Shenzhen übernahm. Laut chinesischen Staatsmedien besitzt er auch eine Firma für Gentestgeräte.

Die Shenzhener Universität, an der He forscht, wies am Montag jedes Wissen über seine Experimente zurück. «Wir sind zutiefst schockiert», hieß es in einer auf der Website der Hochschule veröffentlichten Mitteilung. Die Forschungsarbeiten wurden demnach außerhalb der Universität durchgeführt. Auch habe He die Hochschule nicht über seine Arbeit unterrichtet. He habe «ernsthaft gegen die akademische Ethik und akademische Normen» verstoßen. Ein Gremium sei damit beauftragt worden, eine eingehende Untersuchungen des Falls durchzuführen.

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