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zum Kapitalismus
Es braucht Mut, um den Konflikt Wirtschaft-Umwelt zu lösen

Igor Steinle
Igor Steinle © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Meinung
Igor Steinle / 04.12.2018, 20:30 Uhr
Berlin (MOZ) Das gesamte 20. Jahrhundert über war der Gegensatz, der die politischen Lager trennte, jener zwischen Kapital und Arbeit.

Auf der einen Seite die Konservativen und Liberalen, die sich für die Interessen der eher Wohlhabenderen einsetzten. Auf der anderen Sozialdemokraten und Sozialisten, die an der Seite der Lohnabhängigen standen. Dieses Bild jedoch ist in Bewegung geraten. Betrachtet man die politische Großwetterlage der vergangenen Jahre, stellt man fest: Eine neue Konfliktlinie hat sich nach vorne gedrängt. Die zwischen Umwelt und Wirtschaft.

Während Umweltschützer in der Vergangenheit vor abstrakten Gefahren warnen mussten, ist die Zukunft von damals längst Gegenwart geworden. Der Konflikt ist heute derart omnipräsent, dass die Grünen laut Umfragen zwischenzeitlich stärkste Kraft waren. Er wird an Straßenkreuzungen sichtbar, wo Stationen Stickstoffoxid-Werte messen. Und im globalen Süden, wo Menschen wegen des steigenden Meeresspiegels und Dürre fliehen.

Seitdem klar ist, wie sehr die Gesellschaften des Nordens in diesem Konflikt ihr Wirtschaftsmodell verändern müssen, fordern die Gewerkschaften einen gerechten Übergang für Arbeitnehmer der Industrieländer, etwa für die Kohlekumpel. Auf der Klimakonferenz in Kattowitz wird dieser Konflikt erstmals verhandelt. Und in Deutschland warnen die Ost-Ministerpräsidenten zu Recht: Wir im deindustrialisierten Osten haben bereits genug CO2 eingespart, jetzt ist der Rest der Republik dran.

Eine Lösung könnte lauten, den europäischen Emissionshandel auszuweiten. Bislang ist nur die Strom- und die Schwerindustrie Teil davon, sie müssen für das CO2 zahlen, das sie ausstoßen. Auf Verkehr und Gebäudewirtschaft ausgeweitet, hätte der Emissionshandel das Zeug, den CO2-Ausstoß zu verringern. Das birgt aber die Gefahr, dass die Preise steigen. Mit einem gerechten Wandel hätte das wenig zu tun. Verbraucher müssten deshalb zwingend entschädigt werden. Etwa über die Stromsteuer, dies würde auch die Ärmeren entlasten.

Und wieso auch nicht? Deutschland versöhnte den  Konflikt zwischen Arbeit und Kapital im 20. Jahrhundert vorbildlich. Wieso sollte das nicht erneut gelingen? Der Weg dahin ist vorgezeichnet, man muss nur den Mut haben, ihn zu gehen.

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