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zur Entscheidung über die Partei-Führung
Die Wohlfühlfeier der CDU ist zu Ende

Ellen Hasenkamp
Ellen Hasenkamp © Foto: Gerd Markert
Meinung
Ellen Hasenkamp / 05.12.2018, 20:00 Uhr
Berlin (MOZ) Es ist ein wenig so wie auf einer gelungenen Weihnachtsfeier. Erst fühlt sich alles ein bisschen ungewohnt an, dann fühlen sich alle ziemlich wohl. Die Belegschaft berauscht sich an der eigenen guten Laune und an gewürzten Rotwein-Getränken. Plötzlich findet man sogar die Chefin echt nett und den eigenen Laden eigentlich richtig super. So ungefähr lief es auf den Regionalkonferenzen der CDU. Glühwein wurde zwar nicht ausgeschenkt, für Bier und Würstchen aber war gesorgt. Die Stimmung war großartig und erfüllte die Partei mit einem warmen Gefühl.

Doch jetzt nähert sich der Moment, in dem man sich dran erinnert, dass die Bestellung morgen pünktlich raus muss und der Jahresabschluss auch noch nicht fertig ist. Ende der Party. Auch für die CDU. Morgen fällt die Entscheidung, wer die oder der neue Vorsitzende wird. Und spätestens ab übermorgen entscheidet sich dann, was das für das U im Parteinamen bedeutet. Die Einheit der Christdemokraten zu erhalten, wird vom Sieger und seinem Willen und seiner Kraft zur Integration abhängen. Noch viel mehr aber davon, wie die Verlierer und ihre Anhänger mit ihrer Niederlage umgehen. Für manch einen platzt dann sein ganz persönlicher Traum von der Zukunft der Partei.

Erstaunlich gut war es Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn und Friedrich Merz zunächst gelungen, im Wettkampf um die Spitze eine Frontbildung zu verhindern. Das war auch möglich, weil die drei inhaltlich gar nicht so weit auseinander liegen. Doch je näher die Stunde der Stimmzettel in Hamburg rückt, desto deutlicher formieren sich die Lager. Die Lage ist eng, offenbar so eng, dass nun auch Wolfgang Schäuble eingegriffen und offen die Wahl seines Freundes Merz empfohlen hat. Schäuble ist nicht der erste CDU-Promi, der sich bekennt, aber er ist der mit Abstand einflussreichste. Den Worten des Parteiflüsterers wird sich so mancher Delegierte nur schwer entziehen können. Schäubles Stoßrichtung, die er genau in jener Zeitung platzierte, in der Angela Merkel einst den Abschied von Helmut Kohl einläutete, lautet dabei: Die jahrelang erfolgreiche Bloß-niemanden-verschrecken-Strategie von Merkel ist nicht mehr die richtige. Schäuble fordert mehr Polarisierung und polarisiert damit selbst: Und zwar seine eigene Partei. Er hat bei der Wohlfühlfeier der CDU das Licht angeknipst.

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