Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

zu deutsch-französischen Beziehungen
Besseres Verständnis nach schwierigem Start

Ellen Hasenkamp
Ellen Hasenkamp © Foto: MOZ/Gerd Markert
Meinung
Ellen Hasenkamp / 18.01.2019, 21:00 Uhr
Berlin (MOZ) Die Beckhams haben es getan, Beyoncé und Jay-Z ebenso und Heidi Klum machte es sogar jedes Jahr. Vor allem in den USA ist das „vow renewal“ ein echter Trend, der sich ins Deutsche nur mit dem sperrigen Begriff Erneuerung des Eheversprechens übersetzen lässt.

Eigentlich ein schöner Brauch. Ob nach einer überstandenen Krise oder einfach aus vollem Glückslauf; nach einem, fünf oder 60 Jahren noch einmal ausdrücklich ja zueinander zu sagen, kann eine Beziehung eigentlich nur festigen. Auch wenn Heidi und Seal sich dann doch getrennt haben.

Deutschland und Frankreich tun es nun auch – und zwar mit ganz großem Bahnhof. 56 Jahre nach dem Elysée-Vertrag, der schriftlichen Vereinbarung der Partnerschaft zwischen den beiden Ländern, wollen Berlin und Paris ihr Freundschaftsversprechen am Dienstag in Aachen erneuern. Der Krönungssaal ist reserviert, der Sektempfang vorbereitet und das Bürgergespräch geplant. Beim üppigen Festprogramm sollen alle auf ihre Kosten kommen.

Im Mittelpunkt der Party dürfte das symbolische Jubelpaar stehen: Emmanuel Macron und Angela Merkel. So richtig gefunkt hat es zwischen dem jungen Präsidenten und der erfahrenen Kanzlerin allerdings nicht. Von „Mercron“ kann keine Rede sein, von deutsch-französischer Entfremdung allerdings auch nicht.

Der Start für das ungleiche Paar war nicht leicht. Der Enthusiasmus und die Leidenschaft, mit der sich Macron an die französische Staatsspitze kämpfte, sind Merkels uckermärkischem Naturell eher suspekt. Man erinnere sich, wie reserviert sie anfangs auch dem „Yes we can“-Kandidaten Barack Obama begegnete. Man erinnere sich aber auch, welch gutes Gespann aus den beiden wurde.

Die Vollgas-Attitude Macrons beäugt Merkels also mit einer gewissen Skepsis, zumal sie teilweise auf ihre Kosten ging. Insbesondere während der Washington-Reise im April prasselten Hohn und Spott auf Merkel ein, weil sie nur eine Arbeitssitzung von zweieinhalb Stunden bei Donald Trump bekam, während Emmanuel, Donald und Ehefrauen dreitägige Freundschaftsfestspiele inszeniert hatten. Erreicht hatte Macron unterm Strich dann aber auch nicht mehr. Auch Macrons europäische Offensive in seiner Sorbonne-Rede gleich nach der Bundestagswahl setzte Merkel gehörig unter Druck. Eine Antwort blieb sie lange schuldig, so lange, dass die französische Geduld schwand.

Inzwischen haben Kanzlerin und Präsident einen Modus gefunden. Die Gelbwesten-Proteste haben gezeigt, dass auch Macron nicht übers Wasser gehen kann, Merkel hat gemerkt, dass in dem passionierten französischen Präsidenten durchaus ein Pragmatiker steckt, und Macron musste einsehen, dass in Europa eben ein strenges Tempolimit in Sachen Reformen gilt. Mitreißend ist das alles nicht. Aber in Zeiten, da parallel die Scheidungsschlacht zwischen der EU und Großbritannien läuft, kann ein öffentliches Freundschaftsfest wirklich nicht schaden.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG