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Erbgut
Ethikrat will die Gen-Schere auf Eis legen lassen

Forschungsministerin Anja Karliczek (2.v.r.) mit Andreas Lob-Hüdepohl, Alena Buyx und Peter Dabrock vom Ehtikrat.
Forschungsministerin Anja Karliczek (2.v.r.) mit Andreas Lob-Hüdepohl, Alena Buyx und Peter Dabrock vom Ehtikrat. © Foto: Paul Zinken/dpa
Hajo Zenker / 10.05.2019, 07:30 Uhr
Berlin (MOZ) Angesichts der ersten "Designer-Babys" fordert das Gremium ein weltweites Moratorium. Zunächst müssten Sicherheit und Wirksamkeit gewährleistet werden. Eine breite Debatte sei nötig.

Eingriffe in das menschliche Erbgut sind prinzipiell zulässig, beim heutigen Stand der Technik jedoch unverantwortlich. Diese Auffassung vertritt der Deutsche Ethikrat. Bevor man damit anfange, Krankheiten wie Brustkrebs, Mukoviszidose oder HIV per Gen-Schere zu Leibe zu rücken, müsse für eine "hinreichende Sicherheit und Wirksamkeit" gesorgt und eine breite gesellschaftliche Debatte geführt werden, so das Beratergremium in einer am Donnerstag vorgestellten Stellungnahme.

Bundesregierung und Bundestag sollten sich deshalb dafür einsetzen, klinische Anwendungen beim Menschen weltweit auf Eis zu legen. Denn die Menschheit, meinte der Vorsitzende Peter Dabrock, stehe "an der Schwelle einer neuen Zeit, in der sie grundsätzlich die Möglichkeit erhält, ihre eigenen biologischen Bedingungen zu ändern". Dabei gebe es durchaus legitime Einsatzmöglichkeiten, etwa zur Vermeidung schwerer Erbkrankheiten.

Um durch Forschung Klarheit zu bekommen, hält die Mehrheit der 26 Mitglieder auch eine Änderung des strengen Embryonenschutzgesetzes für notwendig. Dabrock warnte davor, das Thema aussitzen zu wollen. Es gebe eine "ungeheure Dynamik". Noch 2016 habe man tatsächliche Eingriffe in Menschen für wilde Spekulation gehalten. Und dann sei der 26. November 2018 gekommen: An dem hatte der chinesische Forscher He Jiankui die Geburt von Zwillingen verkündet, deren Erbgut er mithilfe einer sogenannten Gen-Schere verändert habe. Angeblich sollen die Mädchen deshalb resistent gegen den HIV-Erreger sein. Die "Designer-Babys" hatten weltweit für Entsetzen gesorgt. Gegen He Jiankui wird ermittelt, seine Universität hat ihn beurlaubt.

Folgen nicht absehbar

Durch die Entdeckung der Gen-Schere Crispr/Cas9 sind gezielte Eingriffe in das Erbgut möglich, also das Ausschneiden und Ersetzen bestimmter Genabschnitte. So entstandene DNA-Veränderungen werden weitervererbt. Die Folgen davon sind bisher nicht absehbar. Weltweit forschen Wissenschaftler an Anwendungsmöglichkeiten – für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Allerdings plädiert mittlerweile auch die Französin Emmanuelle Charpentier, eine der beiden Entdeckerinnen der Gen-Schere, für ein internationales Moratorium, um einen Konsens herzustellen, wie und wozu in das menschliche Erbgut eingegriffen werden darf. Leicht durchzusetzen aber dürfte das nicht sein, räumte Alena Buyx, Mitglied des Ethikrats und im Expertengremium der Weltgesundheitsorganisation vertreten, ein. Längst nicht jedes Land wolle die Arbeit unterbrechen. "Noch gibt es keinen Konsens über ein Moratorium."

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Ethikrat Emmanuelle Charpentier Wirksamkeit Alena Buyx Moratorium

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