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Das letzte erhaltene, barocke Erbbegräbnis in der Marienkirche muss dringend restauriert werden. Mindestens 30 000 Euro werden dafür nötig sein.

Kunstschatz
Erbbegräbnis muss restauriert werden

Barockes Erbbegräbnis im südlichen Seitenschiff der Kirche: Blick auf den kunstvoll gestalteten Totenschädel und die Engel aus Stuck sowie das von Gips und Salz überzogene Kalottenbild
Barockes Erbbegräbnis im südlichen Seitenschiff der Kirche: Blick auf den kunstvoll gestalteten Totenschädel und die Engel aus Stuck sowie das von Gips und Salz überzogene Kalottenbild © Foto: Thomas Gutke
Thomas Gutke / 18.06.2019, 10:00 Uhr
Frankfurt (Oder) Mehr als 120 Jahre lang führte es ein Schattendasein, das einzige noch erhaltene, barocke Erbbegräbnis in der Marienkirche. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als St. Marien in Trümmern lang, wurde es hinter einer Mauer wiederentdeckt. Heute hat das Epitaph, das etwa um 1700 entstand, eine Restaurierung nötiger denn je. Salze, Gips und Rost zersetzen die Grabanlage. "Hier ist ein größeres Problem aufgelaufen. Es ist lösbar, aber nur in vielen kleinen Schritten", erläuterte Lukas Böwe am vergangenen Sonnabend. Der Diplomrestaurator war im vorigen Jahr von den Kultureigenbetrieben der Stadt mit der Erstellung eines Vorgutachtens beauftragt worden. Vorrangiges Ziel war eine Schadensanalyse. Über seine Erkenntnisse informierte er zum Tag der Backsteingotik nun die interessierte Öffentlichkeit.

Mehr als 30 Erbbegräbnisse soll es einst in St. Marien gegeben haben, berichtete er. Nach 1826 habe  Karl Friedrich Schinkel – mit Sicherungsarbeiten nach einem Turmeinsturz beauftragt – sämtliche barocken Begräbnisse abräumen lassen; teilweise wurden die Steinplatten für den Fußboden verwendet, erzählte Böwe. Eines aber blieb erhalten. "Das Erbbegräbnis hat deswegen überlebt, weil Schinkel es, vermutlich aus Kostengründen, einfach glatt zumauern ließ." Erst kurze Zeit später setzte eine kunsthistorische Inventarisierung ein, weshalb die Anlage hinter dicken Steinmauern auch so lange verborgen blieb. Als die Nische nach 1945 geöffnet wurde, "kam die gut erhaltene Scheinarchitektur und ein strahlendes Kalottenbild zum Vorschein".

Doch der gute Zustand hielt nicht lange an. Relativ schnell nach der Öffnung habe aufgrund des veränderten Binnenklimas und der Witterung – der Kirche fehlte damals das Dach – der Verfall eingesetzt. Ein Salzschleier überzog das Bild in der Halbkuppel, auf dem unter anderem Jesus mit seinen Jüngern und ein brennender Dornbusch zu  sehen sind. Die Inschrifttafeln aus verzinntem Blech waren da bereits fast bis zur Unkenntlichkeit erodiert. Auch der Stuck bröckelte.

Erste Restaurierung in den 80ern

Von 1983 bis 1987 gab es deshalb laut Lukas Böwe bereits erste Restaurierungsarbeiten. Allerdings habe man damals – aus der Not heraus – noch größeres Schadenspotenzial hineingetragen, als beispielsweise mit Acrylputz oder glasfaserverstärkten Polyesterverbindungen (Hobbyplast) Fehlstellen ausgebessert wurden. Mehrere Grundprobleme indes blieben ungelöst.  Böwe sprach unter anderem die "massiven Salzbelastungen" an, die den Stuck angreifen. Und auch den Fußboden selbst, der deutlich über dem früheren Höhenniveau liege. "Er müsste eigentlich ein Stück zurückgebaut werden", erläuterte der Fachmann. Denn die heutigen, in Beton verlegten Terrakottaplatten drückten Feuchtigkeit in die Wand.

"Bevor wir in die eigentliche Restaurierung einsteigen, müssen wir erst einmal den Schadensfortschritt stoppen", urteilte Lukas Böwe. Dazu seien in einem nächsten Schritt weitere laborchemische Untersuchungen notwendig. Aus den Ergebnissen sowie seinem Gutachten ließe sich dann ein angepasstes Restaurierungskonzept entwickeln. Die Kosten für eine Konservierung taxierte  der Restaurator auf mindestens 30 000 Euro, "sodass wir das, was wir haben, erhalten, und an einigen Stellen Verbesserungen vornehmen können".

Angesichts der historischen Bedeutung des lange verborgenen Kunstschatzes kommentierte eine Zuhörerin treffend: "Dann müssen wir wohl wieder sammeln".

Erbbegräbnis in St. Marien

Ein Erbbegräbnis ist eine Grabanlage, die oft in einer Kirche angesiedelt war und an reiche und bedeutende Bürger einer Stadt verkauft wurde. Die Grabanlagen waren teils aufwendig gestaltet, mit marmoriertem Stuck und kleinen, umzäunten Epitaphgärten. Die Särge selbst befanden sich in einer darunter liegenden Gruft. Welcher Frankfurter Familie das noch erhaltene barocke Erbbegräbnis im südlichen Seitenschiff der St.-Marien-Kirche gehörte, ist nicht ganz geklärt. Auf der verrosteten Blechtafel ließ sich nur noch ein Name entziffern: Friedrich-Wilhelm Roloff, der von 1714 bis 1741 lebte. "Es ist naheliegend, das er zur Familie gehörte", so Restaurator Lukas Böwe.⇥thg

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