Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

zur Vereinnahmung der Wende in der DDR durch die AfD
Ein falsches Spiel

Stefan Kegel.  Thomas Koehler/photothek.net
Stefan Kegel. Thomas Koehler/photothek.net © Foto: Thomas Koehler/photothek.net
Meinung
Stefan Kegel / 12.08.2019, 18:34 Uhr - Aktualisiert 12.08.2019, 18:36
Berlin (MOZ) Bei den bevorstehenden Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen schickt die AfD sich den Umfragen zufolge an, die Parteienlandschaft des Ostens auf den Kopf zu stellen.

Mit Parolen wie "Wir sind das Volk"  oder "Vollende die Wende" bemächtigt sie sich dafür des Erbes der DDR-Bürgerrechtsbewegung. Das Kalkül dahinter ist klar: Sie will jene Wut wieder heraufbeschwören, die vor fast genau 30 Jahren hunderttausende Ostdeutsche gegen ihre Regierung auf die Straße trieb. Es ist ein beispielloser Vorgang, wie eine Riege westdeutscher rechtskonservativer Nationalisten die nostalgischen Gefühle der Ostdeutschen nutzt, um sie für ihre Ziele zu vereinnahmen.

Diese Übernahme erweist sich als ein Lehrstück gekonnter medialer Inszenierung. Sie baut auf den Enttäuschungen der Vergangenheit in Ostdeutschland auf. Das Gefühl, nach der selbst herbeigeführten Wende der Bundesrepublik einverleibt und um die eigene Wegbestimmung gebracht worden zu sein, existiert – bei allem materiellen Wohlstand – vielerorts in den neuen Bundesländern. Es blieb bei einem Teil der Menschen ein Unterlegenheitsgefühl.

Nachdem die PDS durch die Vereinigung mit der WASG zur Linkspartei vor zwölf Jahren ihre ostdeutsche Prägung nach und nach verlor, bemächtigt sich nun die AfD des Unmuts und versucht, sich in die Tradition der DDR-Bürgerrechtler zu setzen. Wie geschichtsvergessen sie dabei agiert, zeigen nicht nur ihre Wahlplakate, sondern auch Äußerungen wie vom thüringischen Spitzenkandidaten und Rechts-Ausleger Björn Höcke. Der schwadronierte jüngst, dass es sich "schon wieder so anfühle" wie in der DDR. "Und dafür haben wir nicht die friedliche Revolution gemacht, liebe Freunde." Das muss man sich vorstellen. Ein Westdeutscher – Höcke ist in Westfalen geboren und ging 1989 als 17-Jähriger in Rheinland-Pfalz aufs Gymnasium –  verleibt sich die DDR-Revolution ein. Das passt ins Bild der Partei, die im Osten so große Erfolge feiert. Von den 13 Vorstandsmitgliedern hat nur ein einziger eine ostdeutsche Biografie. Bei den drei Spitzenkandidaten in Brandenburg, Sachsen und Thüringen verhält es sich ebenso.

Warum kommt das gerade bei denjenigen Ostdeutschen so gut an, die sich  vom Westen enttäuscht fühlen? Die Antwort darauf liegt in einer geschickten Manipulation. Die AfD versteht es, ihren Wählern in Ostdeutschland mit Slogans wie "Wende 2.0" zu suggerieren, sie seien Vorreiter einer neuen Bewegung, die von ihnen geprägt sei und diesmal nicht jemand anderem in den Schoß fällt wie seinerzeit Helmut Kohl.

Aber stimmt das auch? Wer sich die Verbindungen der Partei ansieht, erkennt, dass sich im Hintergrund Rechtsextreme bereitmachen, um die AfD vollends unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Wähler in Brandenburg, Sachsen und Thüringen haben es in der Hand, ob sie sich zum Steigbügelhalter diese Leute machen wollen. Sie müssen sich fragen, ob die fast ausnahmslos westdeutsche Führungsriege ihnen nicht die nächste Enttäuschung beschert.

leitartikel@swp.de

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Karl Napp 13.08.2019 - 06:15:45

Piefke Sagas Alter Ego meldet sich zu Wort ...

aber leider, wie üblich, völlig substanzlos. _ _ / / _ _ Mensch Meier, dass Sie eine Schwäche bei den Grundrechenarten haben, ist ja bereits hinlänglich bekannt. Dass Sie jetzt aber auch beim "verstehenden Lesen" schwächeln, ist neu: Wie kann ein Kommentar "keinesfalls eine Kritik an den Nicht-Ostdeutschen-AfD-Kandidaten" sein, wenn darin behauptet wird, dass "eine Riege westdeutscher rechtskonservativer Nationalisten die nostalgischen Gefühle der Ostdeutschen nutzt, um sie für ihre Ziele zu vereinnahmen" oder besonders betont wird: "Das muss man sich vorstellen. Ein Westdeutscher – Höcke ist in Westfalen geboren und ging 1989 als 17-Jähriger in Rheinland-Pfalz aufs Gymnasium – verleibt sich die DDR-Revolution ein". Und die Schlussworte setzen dem Ganzen noch die Krone auf: „Die Wähler in Brandenburg, Sachsen und Thüringen haben es in der Hand, ob sie sich zum Steigbügelhalter diese Leute machen wollen. Sie müssen sich fragen, ob die fast ausnahmslos westdeutsche Führungsriege ihnen nicht die nächste Enttäuschung beschert.“ Nun mal ganz nebenbei: Wo ist der Kommentar dieses Herrn Kegel „mit Fakten untermauert“? Ich lese hier nur plumpe und primitive Polemik heraus … _ _ / / _ _ Selbstverständlich ist aber der Kommentar dieses Herrn Kegel – übrigens genauso wie Ihr Beitrag ¬– von der Meinungsfreiheit gedeckt, wie substanzlos diese Beiträge auch immer sind. Es ist immer von Vorteil, wenn sich Gegner des Meinungspluralismus frühzeitig outen. Versuchen Sie einfach mal das Zitat von Rosa Luxemburg zu verstehen: „Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des anders Denkenden. Nicht wegen des Fanatismus der »Gerechtigkeit«, sondern weil all das Belehrende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die »Freiheit« zum Privilegium wird."

Norbert Wesenberg 13.08.2019 - 05:45:27

"Sie müssen sich fragen, ob die fast ausnahmslos westdeutsche Führungsriege ihnen nicht die nächste Enttäuschung beschert"

Wer nun glaubt, das mit der Wahl der AfD alles besser wird, der ist, gelinde ausgedrückt, mehr als naiv. Nur sieht man sich die Führungsriege der übrigen Parteien (auch in Brandenburg) an so stellt man schnell fest, bei denen kommt auch die Mehrheit als politischer Goldgräber aus den alten Bundesländern. Nur spielt das in den Medien gar keine Rolle. Warum ist die AfD in den neuen Ländern also so präsent? Durch die Enttäuschungen der Altparteien sitzt das Misstrauen so tief, das die vermeintliche Alternative nur die AfD sein kann. Sie taugt allenfalls als Opposition den lahmen Altparteien den Marsch zu blasen; zu mehr aber nicht. Wähler und Wählerinnen können lediglich versuchen das kleinere Übel zu wählen.

Harald Meier 12.08.2019 - 23:38:21

Sie entlarven sich selbst als Feind der Meinungsfreiheit Karl Napp ...

... wenn die Meinung von Herrn Kegel als "widerlich" bezeichnen. Dabei hat er seinen Kommentar mit Fakten untermauert. Hätten sie diesen ordentlich gelesen, dann hätten sie auch mitbekommen, dass dieser keinesfalls eine Kritik an den Nicht-Ostdeutschen-AfD-Kandidaten ist.

Karl Napp 12.08.2019 - 22:22:14

Ihr Kommentar ist plump, primitiv und eigentlich einfach widerlich, Herr Kegel

Wieso schüren Sie hier Ressentiments gegen Leute, die nicht seit der Geburt Ostdeutsche sind? Das hätten Sie doch bereits schon seit Jahrzehnten bei den im Bundestag vertretenen Parteispitzen und auch bei den, nach der Wende ganz speziell hier in Brandenburg tätigen West-Ministern, tun können. Oder nennen Sie mir z.B. einen Grund, warum ausgerechnet ein Österreicher (https://www.moz.de/landkreise/oder-spree/frankfurt-oder/artikel9/dg/0/1/1690324/) die Interessen der (Ost)deutschen besser vertreten sollte, als ein Westdeutscher, die seinen Lebensmittelpunkt seit Jahren in Ostdeutschland hat; . Deutsche und Österreicher - naja, lassen wir das. _ _ / / _ _ Am besten ist es, Sie schauen sich mal in Ihrem Redaktionsumfeld bzw. bei der MOZ insgesamt um, und sprechen denjenigen, die keine gebürtigen "Ossies" sind, das Recht auf eine Meinungsäusserung zu speziellen ostdeutschen Themen ab (BTW: Wo kommen Sie eigentlich her?). _ _ / / _ _ In einer Hinsicht gebe ich Ihnen Recht: "Die Antwort darauf liegt in einer geschickten Manipulation". Schuld daran ist jedoch der Mainstream resp. die obrigkeitshörige Presse; wenn die wirklich kritischen Journalisten öfter mal ohne Staatsräson "das Ohr an die Masse legen würden", hätte man "vox populi" besser verstanden und müsste sich nicht zu so plumpen und primitiven Äusserungen hinreissen lassen. Ja, ein falsches Spiel, Herr Kegel. Aber von der Presse ...

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG