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Kolumne
Kreativ und humanistisch

Thomas Klatt über das Bauhaus und die Lehren für die Gegenwart.
Thomas Klatt über das Bauhaus und die Lehren für die Gegenwart. © Foto: MMH
Thomas Klatt / 06.11.2019, 08:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Brandenburg ist, anders als Thüringen und Sachsen-Anhalt, nicht unbedingt als eine Hochburg des Bauhauses zu sehen. Trotzdem hat die Region in Süd- und Ostbrandenburg bis hinein nach Polen einiges zu bieten. Wenn man dann noch den Begriff des Bauhauses ersetzt durch den der Moderne, wird das Bild sehr vielfältig. Da ist im Süden die Glasgestaltung von Wilhelm Wagenfeld in Weißwasser, (heute Sachsen). Da ist Veltener und Marwitzer Keramik, da sind Bauten wie das Musikheim in Frankfurt ebenso wie die Kupferhaussiedlung in Eberswalde und das Theater in Grünberg. Mies van der Rohe, der wichtigste Architekt des 20. Jahrhunderts, baute sein erstes "Musterhaus" in Guben. In vielen Städten entstanden Wohn-Siedlungen als bezahlbare Unterkünfte für Arbeiter; nicht luxuriös, aber zweckmäßig.

Die Malerei findet neue Sujets, Frauen werden selbstbewusster, auch Männer dürfen unsicher sein und ihre scheinbar festgefügte Rolle in Frage stellen. Fünf aktuelle Ausstellungen des Landesmuseums für moderne Kunst in Cottbus und Frankfurt (Oder) künden davon. Verwundert blicken wir zurück in eine Zeit, die beinahe 100 Jahre zurückliegt und doch so nah ist. Nie wieder in diesem Jahrhundert waren Kreativität, Humanismus und Freiheit so nah beieinander. Vieles fasziniert noch immer: Architekten, Stadtbaumeister und Bürgerschaften arbeiteten zügig Hand in Hand. Das Bauen ging unbürokratisch schnell. Man erkannte die Probleme der Zeit: starke Industrialisierung und Wanderungsbewegungen in die großen Städte. Und versuchte – oftmals mit Erfolg – Lösungen zu finden.

Welche Lehre hinterlässt uns die Moderne? Warum gelingt es heute so schlecht, die Probleme unserer Zeit zu lösen? Ist der Wille nicht vorhanden? Die Gesetze zu starr, die Ideen zu schwach, die Egoismen zu stark? Vor den Städten entstehen Eigenheimsiedlungen, die oftmals keck mit dem beliebten Adjektiv "schmuck" versehen werden.

Manchmal wäre man schon über kleine Veränderungen froh. Konrad Wachsmann, ein gebürtiger Frankfurter, Architekt, revolutionierte in Deutschland, später in den USA, das Bauen mit Holz und perfektionierte die Fertigbauweise. Nun haben Holz und Schrauben – anders als Stahlrohr und Teekännchen – wenig Chic. Wachsmann verfügte in den USA, wo er bis zu seinem Tod lebte, dass er in seiner Heimatstadt die letzte Ruhe finden sollte. Die Stadt hat das offenbar wörtlich genommen. Bitte mehr Aufmerksamkeit für einen großen Architekten der Moderne!

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