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zur politischen Krise auf Malta
Politkrimi auf Malta

Günther Marx
Günther Marx © Foto: Gerd Markert/MOZ
Meinung
Günther Marx / 02.12.2019, 19:30 Uhr
Berlin/Valetta (NBR) In kleinen Staaten ist es oft so, dass auf einer gewissen Ebene von Wirtschaft und Politik, Justiz und Medien jeder jeden kennt und mit jedem persönlich-geschäftlich verbandelt ist. Man kennt und schützt sich. In Malta, jenem Kleinststaat im Mittelmeer, scheint gerade ein mafiöses System aus Korruption und Filz auseinanderzubrechen, das bis in die Spitze der Regierung reicht.

Zwei Jahre nach der Ermordung einer Investigativ-Journalistin, unter deren Auto eine Bombe explodierte, hat der Premierminister seinen Rücktritt angekündigt – für Januar. Zuvor war bereits sein Büroleiter zurückgetreten, der von einem inzwischen inhaftierten Geschäftsmann beschuldigt wird, den Mord an der Journalistin in Auftrag gegeben zu haben. Weitere Minister sind ins Zwielicht geraten. Ein Krimi in der realen Welt des EU-Mitgliedes Malta.

Am Montag reiste nun eine Delegation des EU-Parlaments auf die Insel, um die Unabhängigkeit der Justiz zu überprüfen. Denn nicht nur dauerten die Ermittlungen in dem Fall ungewöhnlich lange, so dass mancher an Verschleppung dachte – der Chefermittler selbst soll mit beschuldigten beziehungsweise in Verdacht geratenen Personen in enger Verbindung stehen.

Vielen Maltesern ist die Rücktrittsankündigung des Premiers zu wenig. Sie wollen, dass er sofort geht, um ihm die Möglichkeit zu nehmen, auf den weiteren Gang der Dinge Einfluss zu nehmen. Die Besucher aus Brüssel sollten in dieselbe Richtung wirken. Ein Regierungschef, der im Verdacht steht, Drahtzieher oder doch mindestens Mitwisser eines Mordes zu sein, das erinnert an Saudi-Arabien – für die EU, die auch eine Rechtsstaatsunion sein sollte, ist das untragbar.

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