Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

zur Eventisierung des Sports
Als Chance verstehen

Ein Leitartikel von Sport-Redakteurin Nadine Vogt.
Ein Leitartikel von Sport-Redakteurin Nadine Vogt. © Foto: Marc Hörger
Meinung
Nadine Vogt / 12.02.2020, 19:46 Uhr - Aktualisiert 12.02.2020, 20:04
Ulm (swp) Der Super Bowl ist wohl das beste Beispiel. Jedes Jahr wird die Halbzeit­show nackter, lauter, bombastischer, die Kosten für Tickets oder ein paar Sekunden Werbung steigen in absurde Höhen.

Mehr als 400 Millionen US-Dollar spült der eintägige Saisonhöhepunkt der amerikanischen National Football League jedes Jahr in die Kassen der Veranstalter. Der Hunger nach Unterhaltung scheint unstillbar, die Möglichkeiten der Kommer­zialisierung wirken nicht nur in Amerika unendlich.

Wie viel der Sport an geldgetriebener Inszenierung noch vertragen kann, wird seit Jahren kritisch beäugt. Im Fußball, Handball, Basketball und Co. sind es die vollen Spielpläne, die von immer neuen, gewinnbringenden Wettbewerben, von Fernseh-Übertragungsrechten und Sponsoreneinnahmen bestimmt werden. Und die vor allem zu Lasten der Spieler gehen. Schon lange treibt der Kommerz das Sportgeschäft vor sich her. Geld regiert, wenn es um die Vergabe von Wettbewerben, Meisterschaften und Vermarktungsmöglichkeiten geht. Einen fragwürdigen Höhepunkt sah die Welt im vergangenen Herbst. Als die besten Leichtathleten sportliche Höchstleistungen im klimatisierten Stadion bei der Weltmeisterschaft in Katar abrufen sollten. Vor leeren Rängen und in gespenstischer Atmosphäre. Die meisten Medaillen wurden unter spärlichem Applaus übergeben. Eine Zumutung für Athleten und Fans. Und zynisch, weil die Leichtathletik zu jenen Sportarten gehört, die fast ausschließlich bei solchen Großveranstaltungen Aufmerksamkeit bekommen.

Die fortschreitende Kommerzialisierung ist also nur das eine. Denn andererseits kann der Event-Charakter Sportveranstaltungen guttun, sie beleben und im besten Fall auch Zuschauer gewinnen. Kurzweilig, unterhaltsam, schnelllebig, Clicks und Likes – das Konsumverhalten ändert sich, und auch der Sport kann das zu seinem Vorteil für sich nutzen und davon profitieren.

Gerade für Sportarten, die weniger im Fokus stehen, bietet die Inszenierung eine Chance. Die Finals zum Beispiel, zehn gleichzeitig stattfindende Deutsche Meisterschaften gebündelt an einem Ort, ein Stabhochsprung-Meeting am zentralen Platz der Stadt, Frauenfußball im geschichtsträchtigen Wembley-Stadion in London. Das weckt Interesse und schürt vor allem Begeisterung. Auch bei einem breiteren Publikum. Und bietet so den Randsportarten großes Potenzial. Ein Event, Sport und Rahmenprogramm, das ist eine Klammer zwischen Fans und solchen, die sich unterhalten und emotional mitnehmen lassen wollen.

Solange der Sport darin eingebettet ist und nicht zum x-beliebigen, monetarisierbaren Nebenprodukt verkommt, ist das erst einmal nicht schlecht. Im Gegenteil: Es hebt den Sport hervor. Volle Ränge, etwas Show und Pausenspaß sind doch viel mitreißender als ein Sportereignis bei gedrückter Stimmung, weil schon wieder weniger Zuschauer als erwartet ins Stadion gekommen sind und es auf der Tribüne gespenstisch ruhig bleibt.

leserbriefe@moz.de

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG