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zur Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn
Corona mit Teilschuld

Dorothee Torebko
Dorothee Torebko © Foto: MOZ/Josephin Hartwig
Meinung
Dorothee Torebko / 29.07.2020, 19:10 Uhr - Aktualisiert 29.07.2020, 19:18
Berlin (MOZ) Wer in den Ferien in einem Brandenburger Regionalzug unterwegs war und sein Rad mitnehmen wollte, musste Glück haben. Und zwar deshalb, weil einige Ausflügler an die Ostsee mit der Bahn verreisten. Für die DB sind das zwar gute Nachrichten, denn langsam erholt sich die Nachfrage.

Doch selbst ein gutes zweites Halbjahr wird nicht reichen, um die Verluste aus dem Ersten aufzuwiegen. In der heutigen Halbjahrespressekonferenz wird Bahnchef Richard Lutz verkünden, dass der Konzern ein milliardenschweres Minus einfahren und der Schuldenberg weiterwachsen wird. Corona trage Schuld daran. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Natürlich hat Corona der Bahn das Geschäft vermasselt. Im Januar und Februar konnte der Konzern noch mit rekordverdächtigen Fahrgastzahlen glänzen. Im März brach das Passagier- sowie Frachtaufkommen ein und die Bahn fuhr auf Wunsch der Bundesregierung weitestgehend leere Fern-, Regional- und Güterzüge durch die Gegend. Das sorgte für Verluste. Lutz zufolge sollen die Einbußen im schlimmsten Fall bis 2024 sogar bis zu 13,5 Milliarden Euro betragen. Doch alles auf Corona zu schieben, wäre zu kurz gedacht. Die Probleme des Unternehmens reichen viel tiefer in die Vergangenheit.

Es fängt schon beim misslungenen Verkauf der Auslandstochter Arriva an, die Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern betreibt. Eigentlich wollte die Bahn die Tochter für vier Milliarden Euro abstoßen. Als das nicht klappte, war ein Börsengang geplant. Doch auch der wurde verschoben. Nun steht zu befürchten, dass die Deutsche Bahn nicht einmal das für Arriva bekommt, was sie einst dafür gezahlt hatte. Zu diesen Managementfehlern reihen sich weitere, etwa beim Güterverkehr. Auch mit der neuen Cargo-Chefin Sigrid Nikutta schafft es die Sparte bisher noch nicht, aus den roten Zahlen rauszufahren.

Doch die Bahn hat in den vergangenen Monaten nicht nur Fehler produziert. Es wurden auch einige Projekte angestoßen, die zukunftsweisend und wichtig für die Menschen in der Re­gion sind. Zum Beispiel wird endlich die Strecke zwischen Berlin und Stettin ausgebaut. Bis 2026 sollen Passagiere 20 Minuten schneller am Ziel sein als bisher. Für 380 Millionen vom Bund und 100 Millionen Euro von den Ländern wird die Strecke ausgebaut, elektrifiziert und auf Tempo 160 ertüchtigt. Sicherlich war der Weg bis zu der Vereinbarung quälend lang, doch immerhin geht es jetzt wohl voran. Zweites Positiv-Beispiel ist der Ausbau des Instandhaltungswerks der Bahn in Cottbus. Hier sollen 1200 neue Arbeitsplätze geschaffen und die Region damit gestärkt werden.

Die Voraussetzungen für die Schiene generell sind exzellent. Die Bahn genießt den Rückhalt der Bundesregierung in Form von milliardenschweren Geldzuweisungen und einer Kapitalerhöhung. Doch reicht das, um sich aus der Krise zu manövrieren? Nein. Um aus dem Schuldenloch herauszufahren, braucht es Strukturreformen und eine Verschlankung des Konzerns.

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